Kommentar

Endlich Ready to wear!

Die Ordersaison Herbst/Winter 2016/17 startet vor keinem günstigen Hintergrund.

Schlussverkauf vier Wochen vor Weihnachten kann nur bedeuten: volle Lager, maue Abverkaufsquoten, unbefriedigende Ertragssituation. Die großen Filialisten haben die Hoffnung auf's Wintergeschäft offenbar schon aufgegeben und setzen voll auf die ersten Frühjahrsthemen: Also wieder einmal die falsche Ware zur falschen Zeit.

Ready to wear statt Verwirrspiel

Wie erfreulich, dass sich dieses Bild zum nächsten Winter dramatisch zu verändern scheint. Wer die ersten Programme sieht, also jene, die zwischen Juli und September in die Läden kommen, sieht eine leichte, luftige Sommerkollektion. »Ready to wear« sagen Designer und Produktmanager dann und nicken zufrieden.

Ja, Kunden haben es gern, wenn sie im Juni noch einen Bikini kriegen und wenn Daunenjacken im Februar noch verfügbar sind. Weniger sexy fand man es, sich schon Anfang Dezember für den Urlaub am Meer einzudecken und Ende Juni den bodenlangen Wollmantel zu probieren. Klar, an der modischen Spitze sind Jahreszahlen so egal wie Preise. Aber Kollektionen in der Mitte des Marktes tun gut daran, ihre Kunden nicht mit vollkommen verzerrten Saisonsangeboten zu verärgern.

Spät, aber doch!

Jetzt endlich hat man die Botschaft verstanden: Winterware, wenn's draußen schneit, Sommerklamotten für lange Abende auf der Terrasse. Das sollte jetzt nicht als großer Umdenkprozess gefeiert werden, sondern als längst fällige Umstrukturierungsmaßnahme. Ready to wear – das hätte Mode schon immer sein sollen. Nicht erst, seit die Spanier gezeigt haben, wie es gehen kann.


Von: Brigitte Pfeifer-Medlin

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In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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