Kommentar

Bye, bye, Bread & Butter

Die Bread & Butter ist nicht mehr.

Ob es nun die letzte oder die vorletzte Ausgabe der einstigen Leitmesse ist, die heuer von 7. bis 9. Juli stattfindet, ist egal, denn ihre Relevanz hat sie bereits mit dieser Auflage komplett eingebüßt. Der Blick auf die Brandlist ist traurig: Haben sich die Aussteller vor drei, vier Jahren noch darum geprügelt, auf der coolsten Messe der Welt mit dabei sein zu dürfen, sind diesmal gerade noch 180 Brands gefunden – von denen man kaum eine kennt. Cinque, Mavi, CG – Club of Gents, Herrlicher, Blutsgeschwister, Lindbergh und vielleicht noch zwei, drei andere Marken könnten es für den einen oder anderen Händler wert sein, den Weg zur Bread & Butter auf sich zu nehmen. Doch ansonsten spielt die Musik in Berlin längst anderswo, auf der Panorama, der Premium, bei den kleineren Spezialisten wie der Curvy oder der Seek.  

Hopfen & Malz verloren

Hatten alle Beteiligten anlässlich der Insolvenz der Bread & Butter Anfang des Jahres noch Zuversicht versprüht, dass es weitergehen werde mit der Messe, ist nun klar: Das wird nichts mehr. Und das wird sich auch – oder erst recht – durch den Verkauf an Zalando nicht mehr ändern. Denn was Zalando da gekauft hat, ist nicht viel mehr als ein Name, der vielleicht für modisch informierte Endkunden nach wie vor angesagt klingt, in der Branche aber sein Renommee endgültig verspielt hat. Und einen Mietvertrag für das Flughafengelände Tempelhof, das als Event Location immer noch höchst attraktiv ist. Beides dürfte der größte Online-Modehändler im deutschen Sprachraum dafür nützen, sein ohnehin schon gutes Image bei seinen Kunden noch weiter nach vorne zu bringen. Aus der Bread & Butter wird ein Mode-Festival für die Massen. Dass sich der Fachhandel auf einer Fachmesse über Modetrends informiert, wird wohl nicht das Kerninteresse Zalandos sein.

Alles Party in Berlin

Und der Modestandort Berlin? Er fokussiert sich damit noch stärker auf den Endkunden, an den sich ohnehin schon (zu) viele Veranstaltungen während der dicht gedrängten Fashion Week richten. Schon bisher hat etwa Peek & Cloppenburg gerne von den Stars und Sternchen unter dem Brandenburger Tor profitiert und zur Fashion Week seinen »Designer for Tomorrow«-Award vergeben. Wird also künftig aus der Mercedes-Benz Fashion Week das Zalando-Mode-Festival? Noch mehr Partysaison für die angesagten Bloggerinnen und Society-Journalisten? Die Mode-Fachhändler, um die es beim ganzen Messezirkus doch eigentlich gehen sollte, haben sich davon längst verabschiedet. Sie haben sich in Messehallen und Messeständen wiedergefunden, die sich gar nicht so sehr unterscheiden von denen, in denen sie vor zehn Jahren in Düsseldorf zu finden waren. Bevor Karl-Heinz Müller Berlin als Modestadt mit der Bread & Butter cool machte.


Von: Manuel Friedl

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In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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