Kommentar

Alle lieben El Chapo

Drogenboss El Chapo sorgt nicht nur für Schlagzeilen nonstop, sondern verhilft einem US-Modehändler so ganz nebenbei zu Bekanntheit und Reibach.

Das findige US-Bekleidungsgeschäft Barabas hat sich den Medienrummel um den eben erst gefassten mexikanischen Kartellchef El Chapo zu Nutze gemacht und kann sich vor Anfragen für das »El Chapo-Hemd« kaum retten.

So geht Business

Was macht man, wenn der wohl derzeit meistdiskutierte Drogenboss El Chapo mit zwei Hemden des eigenen Ladens fotografiert wird? Richtig, man nimmt Business-Witterung auf und nutzt die Gunst der Stunde. Genau das hat das Modegeschäft Barabas aus Los Angeles gemacht und mit seinen beiden Hemden geworben, die El Chapo auf den von ihm veröffentlichten Fotos trägt, eins davon beim Interview mit dem Hollywood-Schauspieler Sean Penn. 

Most wanted Shirt

Meistgewollt – so lautet nicht nur der Titel des Werbesujets der Website von barabasmen.com, sondern auch der imaginäre Titel über den Verkaufszahlen der Hemden. Ein Mitarbeiter des Shops hatte dem Nachrichtendienst TMZ.com gesagt, dass die Verkaufszahlen in die Höhe schnellten, als die Fotos von El Chapo veröffentlicht wurden. Die Zugriffe waren sogar so hoch, dass die Website kurzzeitig den Geist aufgab. Es scheint fast so, als würde El Chapo zu Everybody's Darling avancieren. Die Hemden gibt es jedenfalls aktuell für 128,00 US-Dollar in verschiedenen Ausführungen im Onlineshop.

Skandalwerbung als Cashcow

Chashcow El Chapo? Wahrscheinlich nicht der letzte Merchandising-/Marketingversuch zu dieser Geschichte. Scandals sell! Und Skandalwerbungen gibt es in der Modeszene nicht wenig, um Beispiele zu nennen: Benetton lichtete den Aids-kranken David Kirby 1992 ab, als er im Sterben lag und 2011 posierte das Kindermodel Thylane Loubry-Blondeau lasziv für die französische Vogue. Schließlich gilt Provokation nachwievor als Erfolgsrezept, um medial auf sich aufmerksam zu machen. Werte- und Ethikdiskussionen nach solchen werblichen Dampfwalzen lassen da bekanntlich nicht lange auf sich warten. Gut so! Wenn man einen Drogenboss oder einen totkranken Menschen braucht, um seine Mode zu verkaufen, liegt einiges im Argen.


Von: Christiane Marie Jördens

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In unserer Kategorie Kommentar schreiben die Redakteure der Österreichischen Textil Zeitung darüber, was sie in der vergangenen Woche bewegt hat. Die Welt der Modeindustrie und des Modehandels, ihre Tücken, Herausforderungen und Kuriositäten - ganz persönlich im Kommentar auf den Punkt gebracht.

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