Business Circle mit 3. Lehrlingsforum

Business Circle mit 3. Lehrlingsforum

Business Circle
200 Teilnehmer fanden sich am dritten Lehrlingsforum zusammen
200 Teilnehmer fanden sich am dritten Lehrlingsforum zusammen

Die heimische Wirtschaft benötigte dringend neue Fachkräfte. Das mittlerweile dritte Lehrlingsforum möchte dem Mangel an Nachwuchs entgegenwirken.

Starke Bilder und Emotionalität seien es, die die Lehrlinge heute wollen, meint Forscher Bernhard Heinzelmaier zum Auftakt am dritten Lehrlingsforum, das kürzlich stattfand. Es gehe um die Präsentation des Jobangebots als Kultur, etwa über Instagram und Facebook. Auch die Markenwahrnehmung, Idole und Testimonials sind andere als früher: Vor einigen Jahren galten noch Sportler und Schauspieler als Vorbilder, heute sind es Blogger und Vlogger. Heinzelmaier meint weiter:

»Symbole und Körperlichkeit zählen, die Zeit des Gequatsches ist vorbei.«

Lehrlingsmangel

Gibt es den viel zitierten Lehrlingsmangel überhaupt? Fakt ist: Die Zahl der Lehrlinge nimmt Schritt für Schritt ab und die Wirtschaft sehnt sich gleichzeitig nach Fachkräften. Aber auch die Lehrstellen schwinden, so AMS-Chef Herbert Buchinger: Die Unternehmen scheuen Aufwand und Kosten für die Ausbildung. Dies führt dazu, dass immer mehr Jugendliche den schulischen Weg einschlagen. Diejenigen, die sich allerdings für eine Lehre entscheiden, würden jedoch häufig mangelhafte Schreib-, Lese- und Rechenkompetenzen zeigen, so ein gängiges, aber nicht ganz von der Hand zu weisendes Vorurteil. Buchinger plädierte am Lehrlingsforum daher klar für die Gesamtschule. Im pflichtete Peter Dehnbostel von der Deutschen Universität für Weiterbildung bei:

»Die Lehre ist das Rückgrat der Wirtschaft.«

Dieses würde aber immer schwächer werden. Man brauche beides: eine wissensbasierte Ausbildung mit Praxisbezug, auf Bachelorniveau. Den ebenfalls viel diskutierten Akademisierungswahn sieht er differenziert.

Belohnungssystem

Unternehmen, die sich gute Lehrlinge sichern können, bieten Anreize und Akademien, wie etwa Spar: Der größte Lehrlingsausbildner in Österreich hat 17 Lehrberufe zur Auswahl. Ein Belohnungssystem soll die Motivation der jungen Menschen zusätzlich ankurbeln:

»Die guten Lehrlinge erhalten Prämien, die besten eine kostenlose Führerscheinausbildung«, so Jörg Schielin von der Spar Akademie. Weitere Unternehmen, die besondere Ausbildungsprogramme bieten sind etwa Billa, MPreis oder Stiegl.

Zu wenig zum Leben

Zum Schluss bekamen die Lehrlinge am Lehrlingsforum die Möglichkeit, sich Gehör für ihre Anliegen zu verschaffen: Vor allem das Thema geringe Lehrlingsentschädigung wurde lautstark diskutiert. Die Entlohung gebe jungen Erwachsenen keine Möglichkeit, selbständig zu sein und sei auch eine Form von geringer Wertschätzung der Lehrlingstätigkeit. Dem pflichtete Sozialminister Rudolf Hundstorfer am Lehrlingsforum bei: Der Lehrberuf habe eindeutig ein Imageproblem.

Flüchtlinge als Lehrlinge

Aus aktuellem Anlass widmete sich das dritte Lehrlingsforum auch dem Thema Flüchtlinge auf Lehrstellensuche. Die Sprachbarriere sei ein großes Problem, allerdings passiere in Österreich Integration vor allem über die Arbeit, so Wilhelm Raber vom Laura Gatner Haus für unbegleitete Flüchtlinge. Bei vielen Unternehmen gebe es eine Scheu, Flüchtlinge einzustellen, weil sie vermuten, die jungen Leute könnten abgeschoben werden. Allerdings habe jeder – ob  mit oder ohne Arbeitserlaubnis – ein Recht auf eine Lehre. Wer sich bereits im dritten Lehrjahr befinde, könne etwa bleiben, bis die Ausbildung abgeschlossen ist. Unternehmen wie REWE, Dimension Data und die Wiener Stadtwerke haben bis dato bereits Flüchtlinge eingestellt.
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