Nunu Kaller in elf Statements: „Heimische Pro...
Nunu Kaller in elf Statements

„Heimische Produktion ist vielfältig und gehört stärker unterstützt!“

Nunu Kaller

Zu unserem 75-Jahr-Jubiläum bitten wir 75 Persönlichkeiten aus der Mode-Community vor den Vorhang. Nunu Kaller ist Kommunikations- und Nachhaltigkeitsberaterin (THINK kallerful), Autorin und Umweltaktivistin. Derzeit organisiert sie die Österreichischen Konsumdialoge zum Thema Textilien, die im Juni 2023 in Hallein stattfinden.

Mode bedeutet für mich … Mein persönlicher roter Faden: Es macht mir Spaß, mich meiner Stimmung und einer bestimmten Mode nach zu kleiden, aber es ist mir auch unendlich wichtig, dass die Branche endlich den Stockerlplatz in Sachen Umweltverschmutzung verlässt. Mode und Textilien sind Grundvoraussetzungen unseres Lebens, aber sie dürfen nicht mehr das Leben anderer in Fernost oder Nordafrika zerstören.

An der Modebranche fasziniert mich … Im Positiven bin ich fasziniert von Menschen in der Modebranche, die über großes Detailwissen in Sachen Materialien, Schnitte, Textilgeschichte verfügen und die Tradition mit Nachhaltigkeit kombinieren. Im Negativen davon, wie unglaublich schnell das Tempo in der gesamten Modebranche geworden ist.

In meinem Job braucht man … Flexibilität, den Wunsch, ständig dazuzulernen und ein gutes Gefühl für Geschichten, die man erzählen kann.

Am stärksten bemühe ich mich in meinem Unternehmen um …. Ich unterstütze gerne jene Unternehmen, die auf der Produktionsebene alles richtig machen, aber genau deshalb weniger Geld für Marketingaktivitäten haben. Genau die gehören jedoch viel stärker vor den Vorhang. Außerdem ist es mir ein großes Anliegen, Greenwashing zu benennen, da es der Branche riesigen Schaden zufügt.

In den letzten beiden Jahren habe ich gelernt, … wie wertvoll vor allem Familienunternehmen für die heimische Wirtschaft sind, da diese ein ganz anderes, langfristigeres Verständnis von Nachhaltigkeit haben. Heimische Produktion ist vielfältig und gehört stärker unterstützt, von allen Seiten.

Die größte Herausforderung für die Branche ist derzeit … keine Frage, die Energiepreise.

Am einfachsten ließe sich ändern … eine stärkere politische Unterstützung der heimischen Textilbranche mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Das ist überfällig. 

Wenn ich mich über Mode informieren will, … lese ich Publikationen aus den Ecken Wissenschaft und NGOs, und rede ich mit Menschen aus der Branche. Es gibt immer neue Aspekte zu lernen. Ich freue mich, inhaltliche Leiterin der kommenden Österreichischen Konsumdialoge zum Thema Textilien zu sein, die Ende Juni 23 in Hallein stattfinden (https://konsumdialoge.at/). Auch wenn ich viele der Speaker bereits kenne, bin ich überzeugt: Auch ich werde dort noch dazulernen.

Die Marken, die mich am meisten inspirieren, … sind jene Marken, die faire und ökologische Produktion in ihrer DNA haben und erfolgreich dabei sind, z. B. der Frottierhersteller Herka oder das heimische Upcycling-Unternehmen Refished.

Durch die Pandemie ist die Mode/der Modekonsum ... noch interessanter geworden. Zwar waren in den Onlineshops schöne Kleider Ladenhüter, während Jogginghosen ausverkauft waren, aber kaum hatten die Läden wieder offen, standen die Leute vor TK Maxx, Zara und Co. Schlange. Das zeigte mir, wie sehr man das Einkaufserlebnis vermisst hatte. Denn die Produkte waren ja durchgehend verfügbar.

Ich kaufe Mode am liebsten … Second Hand oder fair produziert von kleineren Brands und DesignerInnen wie zum Beispiel bei der Wiener Konfektion oder bei Torland.
stats