Laura Sänger (La Katz) in elf Statements: »Mo...
Laura Sänger (La Katz) in elf Statements

»Mode muss nicht immer 'schön' sein«

La Katz

Zu unserem 75-Jahr-Jubiläum bitten wir 75 Persönlichkeiten aus der Mode-Community vor den Vorhang. Nummer 55 ist Laura Sänger. Ihr Modelabel La Katz steht für luxuriöse Silk-Wear.

Mode bedeutet für mich … Schönheit, Identität und Kommunikation. Ich atme die Mode und liebe besondere Materialien, Verarbeitungen und Farben. Mode hat für mich nichts mit Trends zu tun, viel eher verknüpfe ich Mode mit Stil. Und ich denke, der wird meistens interessanter, je älter man wird.

An der Modebranche fasziniert mich … wie unterschiedlich mit Mode und Design umgegangen wird. Von der Kreation universaler Schönheit, wie bei Schiaparelli unter der Leitung von Bertrand Guyon, oder Balenciaga, die Mode auch als Ausdruck aktueller politischer und gesellschaftlicher Situationen einsetzen. Dabei geht es auch nicht immer darum, dass alles »schön«, oder tragbar ist. Sondern um die Vielschichtigkeit, die Mode haben kann und dass Kleidung auch immer ein Spiegel unserer gegenwärtigen Aktualität ist.

In meinem Job braucht man … Geduld, eine Balance aus Intuition und auf den Zeitgeist reagieren und mehr Wirtschaftskompetenz (besonders wenn man Designer genannt wird), als oft von außen wahrgenommen wird.

Am stärksten bemühe ich mich in meinem Unternehmen um … eine Weiterentwicklung, was unser Design und Konzept angeht und gleichzeitig im Einklang mit unserer nachhaltigen Qualitätsphilosophie zu bleiben.

In den letzten beiden Jahren habe ich gelernt, … wie unfassbar komplex es ist, ein Modeunternehmen zu führen. Dass es viel weniger um das Produkt und das Design geht (als angenommen), sondern um Visibilität, Präsentation, Kommunikation und Marketing.

Die größte Herausforderung für die Branche ist derzeit … in einem Wirtschaftssystem zu bestehen, in dem Hyperwachstum erwünscht ist und gleichzeitig die Notwendigkeit zu etablieren, dass wir weniger und dafür bessere Kleidung konsumieren.

Am einfachsten ließe sich ändern … leider ist das Nachhaltigkeitsthema vieles, nur nicht einfach, sondern sehr vielschichtig. Am wichtigsten sind politische Regulationen, was Schadstoffe, Verarbeitung etc. angeht. In meiner idealen Welt würde diese Regulation natürlich global gelten. Genauso brauchen wir auch eine einheitliche Definition, was gesunde Kleidung ausmachen muss. Um Greenwashing zu vermeiden und eine Orientierung zu schaffen.

Wenn ich mich über Mode informieren will, … schaue ich Dokumentationen, lese Bücher und Zeitschriften. Inspiration (was ja auch mit Information verknüpft ist) bekomme ich von meinen Freunden, die selbst in kreativen Berufen arbeiten. Von der Künstlerin Anouk Lamm Anouk oder Pauline Rochas, die eigene Düfte kreiert.

Die Marken, die mich am meisten inspirieren, … sind Loro Piana für ihre konsequente Wertschätzung von Materialien und Verarbeitung und Tom Ford (besonders in der Zeit, als er Gucci Designer war) für seine eklektischen Farben und Designs.

Durch die Pandemie ist die Mode/der Modekonsum … durch sehr unterschiedliche Phasen gegangen. Von einem Diskus der Entschleunigung (auch was den Konsum betrifft) und die Omnipräsenz von Jogginghosen und Yoga Hosen bis hin zu einer Wiederkehr von Farben und Occasionwear.

Ich kaufe Mode am liebsten … in Wien bei Amicis oder Bocca Lupo - unangefochten das beste Vintage Geschäft in Wien. Wenn ich beruflich in Mailand bin, zieht es mich meistens zu 10 Corso Como, einem Concept Store.

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