Brigitte Pfeifer-Medlin in elf Statements: »A...
Brigitte Pfeifer-Medlin in elf Statements

»Am Ende zählt immer das Produkt!«

Sabine Klimpt

Zu unserem 75-Jahr-Jubiläum bitten wir 75 Persönlichkeiten aus der Mode-Community vor den Vorhang – darunter auch die ÖTZ-Redaktion. Nummer 50 ist Chefredakteurin Brigitte Pfeifer-Medlin.

Mode bedeutet für mich … Mode ist mein Job. Ein Traumjob, weil Mode so viel mehr bieten kann als viele andere Wirtschaftszweige.

An der Modebranche fasziniert mich … diese ungeheure Kraft und Dynamik, sich alle sechs Monate neu zu erfinden und die Verbraucher mitzunehmen. Manchmal verliert Mode etwas an Bedeutung. Aber sie kämpft sich immer wieder zurück.

In meinem Job braucht man … Liebe zum Produkt Mode – und klarerweise Leidenschaft für’s Zeitungmachen. Man braucht kritische Distanz zu so mancher Übertreibung. Und ein feines Gespür für das Gegenüber.

Am stärksten bemühe ich mich in meinem Unternehmen um …den Zusammenhalt als Team und die kontinuierliche Erneuerung der Textilzeitung.

In den letzten beiden Jahren habe ich gelernt, … dass Menschen grundsätzlich viel härter im Nehmen sind, als man angenommen hat. Dass Zweckoptimismus der einzige Weg ist, Krisen zu überstehen. Und, dass Vertrauen die harte Währung im Wirtschaftsleben ist.

Die größte Herausforderung für die Branche ist derzeit … einfach alles! Mitarbeitermangel, Inflation, Energiekrise, Klimawandel, Kaufzurückhaltung, Lieferproblematik. Erstaunlich, was die Textilbranche alles aushalten kann.

Am einfachsten ließe sich ändern … Einfach lässt sich zurzeit gar nichts ändern. Jede Veränderung tut weh, weil sie liebgewonnene Abläufe auf den Kopf stellt. Außerdem: die Welt um uns herum wandelt sich derzeit so temporeich, dass man eher definieren sollte, was man an sich selbst nicht geändert haben möchte.

Wenn ich mich über Mode informieren will, … verbringe ich einen Tag im einzigartigen Kastner & Öhler-Stammhaus in Graz. Beobachte Kunden auf der Fläche, schaue mir Sortimente an, höre bei Verkaufsgesprächen zu. Und manchmal rufe ich den genialen Trendforscher Carl Tillessen an. Ich kenne niemanden, der sich so liebevoll, so philosophisch und so akribisch mit dem Phänomen Mode auseinandersetzt, wie Tillessen.

Die Marken, die mich am meisten inspirieren, … sind Marken, die wirtschaftlichen Erfolg haben. Was diese Marken anders und was besser machen, ist das wahre Faszinosum der Modebranche.

Durch die Pandemie ist die Mode/der Modekonsum ... im Grunde so geblieben, wie sie/er war. Für die einen ein notwendiges Übel, für die anderen eine tolle Möglichkeit, sich zu schmücken, sich zu individualisieren ­– und manchmal auch ein probates Mittel, um seinen gesellschaftlichen Status vor sich herzutragen. ;-)

Ich kaufe Mode am liebsten … dort, wo Frauen mit Mitte 50 und Konfektionsgröße 40 nicht wie Außerirdische behandelt werden. Dort, wo Unternehmer selbst im Laden stehen, die nach vielen Jahrzehnten in der Branche die Freude an der Mode nicht verloren haben. Dort, wo ich verführt werde von der Stimmung, dem Ambiente und vor allem einem liebevoll ausgewählten Produkt. Am Ende zählt immer das Produkt!

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