Kommentar DOB: »Athflow«: Easy Eleganz!
MZV

Corona prägt die Art, wie wir uns kleiden: komfortabel und entspannt, aber mit einem Hauch Eleganz. Lässig, nicht nachlässig. Der Trend dazu heißt »Athflow«.

Auf Bequemlichkeit will man nach einem Jahr der Pandemie nicht mehr verzichten. Eine neue Ästhetik soll nun die Brücke zwischen Komfort und Eleganz schlagen, dafür gibt es auch schon einen Namen: »Athflow« ist jener Trend, der ebenso viel über seine eigene Herkunft verrät, wie über seine Charakteristik. All jenen, bei denen sich nun Erinnerungen an die Zeit des inflationär verwendeten Begriffes »Athleisure« aufdrängen, sei zugerufen: zu Recht!

Athflow ist nun gewissermaßen eine Weiterentwicklung dessen, was uns die Omnipräsenz des Sneakers gelehrt hat. Was 2021 den Bedarf trifft, ist eine Kombination aus Komfort und Eleganz. Ein Hybrid aus Office und Alltag, eine aufpolierte Version von Lässigkeit. Athflow-Looks sind zwar bequem, sie sehen aber nicht nach Sportswear aus.

Konkret geht es um weite Hosen, fließende Stoffe, übergroße Formen. Sweatshirts treffen auf wadenlange Satinröcke, auch Jeans sind erlaubt, allerdings nur mit ausreichend lockerem Fit. Das Profil der Schuhe ist dick, das Loungewear-Set vielleicht aus Kaschmir oder Seide, darüber ein Mantel, der gut und gerne groß genug ist, um die Trägerin vor allen Problemen »da draußen« abzuschirmen. Ein Hauch Cocooning, selbst dann, wenn man die eigenen vier Wände doch wieder verlassen muss (darf!).

2020: + 43 % bei Jogginghosen

Dass das Phänomen so neu allerdings gar nicht ist, war in den vergangenen Jahren während der internationalen Modewochen zu beobachten. Ein Blick auf die Straßen – bevorzugt in Kopenhagen – zeigte, dass sich Komfort und ein hoher Modegrad nicht ausschließen müssen. Dass diese Ästhetik nun auch bei der breiten Masse auf zunehmende Begeisterung stößt, ist gewiss den Entwicklungen des vergangenen Jahres geschuldet. Der Absatz von Jogginghosen stieg 2020 um 43 % im Vergleich zum Vorjahr, Business- und Anlassthemen stagnierten. Die Krise war nicht die Ursache, vielmehr aber der Katalysator der Entwicklung.

Neben Ausgangsbeschränkungen und Co. bleibt uns damit wohl auch die Jogginghose deutlich länger erhalten als gedacht. Jenes Kleidungsstück, das ursprünglich als vorübergehende (!) Alternative zur Businesshose ausschließlich hinter verschlossenen Türen getragen werden sollte, öffnet der Modewelt damit aktuell viele neue. Letztlich wird sich die Rückkehr zu unserer »Pre-Corona-Garderobe« wohl ebenso schrittweise vollziehen, wie eine generelle Rückkehr zur »Normalität«.

Und wer fürchtet, dass es nie wieder ein Wegkommen vom Gummibund geben wird, dem sei versichert: Es liegt in der Natur der Mode, dass keine Neuerung für immer ist.

Themen
Eleganz
stats