Nerzzucht: Pelz kommt aus der Mode
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Die Keulung von 17 Millionen Nerzen in Dänemark hat nicht nur Tierschützer auf den Plan gerufen, sondern bedeutet auch einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden – und das wohl langfristig.

In früheren Zeiten war Pelz ein Herrschaftssymbol. Nach dem Krieg wurde der Persianer oder Nerzmantel zum Statussymbol – gerne getragen von Hofratswitwen, aber auch sogenannten Societyladies. Seit einiger Zeit sind Pelz- und Ledererzeugnisse jedoch in Verruf geraten: Tiere nur zu züchten, um sie zu töten und ihnen die Haut abzuziehen widert mittlerweile auch Menschen an, die keine militanten Tierschützer sind.

Pelzindustrie in Dänemark

In Europa gibt es noch etwa 4.350 Pelzfarmen, die Felle für die Bekleidungsindustrie, aber auch für Kosmetikfirmen, etwa für falsche Wimpern, erzeugen. Mit knapp 1.000 Farmen ist Dänemark einer der größten Produzenten. In anderen Ländern ist die Pelzzucht hingegen längst verboten, in Österreich seit 2005, andere planen bereits den Ausstieg.

Die Nachricht, dass in dänischen Nerzfarmen eine Mutation des Corona-Virus aufgetaucht sei und bereits Menschen damit infiziert wurden, sorgte für eine weitere Facette im Pandemie-Drama. Die Entscheidung der dänischen Regierung, alle Tiere zu keulen und die mittlerweile lancierten Bilder von Lastwagen voller toter, gehäuteter Nager sandte zusätzliche Schockwellen aus. Dass dieses Vorgehen keine Rechtsgrundlage hatte und den dänischen Lebensmittelminister den Job kostete, ist da wohl ein zu vernachlässigendes Detail. Vor allem bedeutet es einen herben Schlag für die dänische Pelzindustrie. Als europäisches Land waren die Dänen schon bisher rigideren Tierschutzgesetzen und sonstigen Regeln ausgeliefert, nun wird sich die Branche aber vollends in Richtung Osten verschieben. Und nicht nur das: Bis 2021 soll die Haltung von Nerzen für industrielle Zwecke in Dänemark vollständig verboten werden. Kopenhagen Fur, die größte Pelzbörse des Landes wird jetzt schließen, 300 Arbeitnehmer verlieren dabei ihre Jobs.

Aber auch in Spanien kam es bereits im Juli zu Keulungen von fast 100.000 Nerzen, genauso wie in den Niederlanden, die die Zucht ebenfalls bis 2021 einstellen wollen. Weitere Fälle wurden in Schweden, Italien und den USA bekannt.

Fur out of fashion

Die mediale Aufmerksamkeit rund um die Tötungen der Tiere lässt auch die Diskussionen rund um Echtpelz wieder aufbranden. Pelz ist mittlerweile keine Frage des Geldes mehr, sondern eine des Gewissen. Wer auf sich hält, der trägt Fake Fur. Viele Prominente – von der Queen über Anna Wintour bis hin zu Kim Kardashian – haben bereits medienwirksam dem Fell toter Tiere abgeschworen. Auch die Designer verabschieden sich immer häufiger von Pelz. Eine Wegbereiterin war hier sicher Stella McCartney, wie ihr Vater Paul vegan lebend, die bereits seit Jahren überhaupt keine tierischen Produkte mehr in ihren Kollektionen einsetzt. Gucci, Versace, Prada oder Chanel haben diesen Weg nun ebenfalls eingeschlagen. LVMH stellt seinen Marken zwar noch frei, ob sie Pelz verwenden, langfristig soll aber auch hier damit Schluss sein.

Zyniker mögen nun behaupten, dass die Abkehr vom Echtpelz derselben Modeströmung folgt wie die Think-Green-Bewegung oder der Veganismus. Immer mehr Stars und Sternchen positionieren sich so als besonders umweltbewusst und tierlieb. Die wirtschaftliche Realität dürfte aber eine andere sein: Trotz fehlender Zahlen schätzt man den gesamten Pelzmarkt auf jährlich 40 Milliarden US-Dollar. Laut der europäischen Dachorganisation Fur Europe wurden 2014 noch rund 87 Millionen Nerze weltweit gezüchtet, inzwischen seien es rund 45 Millionen.

Anders als in Europa erfreut sich Echtpelz in Russland und Teilen Asiens nach wie vor großer Beliebtheit. Dort werden auch entsprechende Mengen erzeugt. Experten gehen von einem chinesischen Umsatzvolumen von 7 Milliarden Euro aus – inklusive Qualzuchten und einem völligen Fehlen irgendwelcher Tierschutzvorgaben.

Genau hier setzen nun europäische Züchter an, die ihre Felle, im wahrsten Sinne des Wortes, davon schwimmen sehen: Ihr Pelz sei nachhaltig und fair – im Gegensatz zur Fast Fashion, die nach einer Saison weggeworfen werde.

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