Mothwurf: »Die Branche wird nach Corona noch ...
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»Die Branche wird nach Corona noch kleiner werden«

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Mothwurf-Chef Helmut Schramke in TZ-Interview über die Hoffnung auf den kommenden Sommer und aktuelle Probleme der Branche.

Trachtenerzeuger sprechen von Umsatzeinbrüchen von rund 50 % in der laufenden Ordersaison. Entspricht das auch Ihren Erfahrungen?
Ja. Ich bin ganz ehrlich, wir haben mit noch weniger als der Hälfte gerechnet, bei manchen Händlern waren wir positiv überrascht, was dann tatsächlich gekauft wurde für Herbst/Winter 2021.  Ich kann jeden Händler verstehen, der vorsichtig ordert. Die Herbstware konnte ja so gut wie nicht verkauft werden, natürlich will der Handel diese Teile jetzt in das Warenbild im nächsten Herbst integrieren. Wir haben uns in der jetzigen Orderrunde ganz bewusst für eine Ergänzungskollektion entschieden, um dem Handel mehr Luft zu lassen.

Die Volksfeste fehlen, die Anlässe insgesamt – jetzt gibt es noch nicht einmal eine Messe, da kommen schon viele Dinge zusammen für eine kleine Branche…
…die nach Corona leider noch einmal kleiner werden wird, leider! Ja die Orderrunde hat mit einer Modeveranstaltung ganz normal begonnen und die Tracht hat dann ihr Fett abbekommen. All jene, die einen permanenten Showroom in Salzburg haben, können ja weiterhin verkaufen, alle anderen können einem nur leidtun.

Ist das Thema Trachtenmessen damit überhaupt Geschichte?
Das hoffe ich nicht. Wenn wir noch nicht einmal im Rahmen einer Messe auf uns aufmerksam machen, werden wir noch mehr in der Versenkung verschwinden. Aber klar: Es ist zu diesem Thema schon viel Porzellan zerschlagen worden.

Wann wird die Tracht wieder zur Normalität zurückkehren? Und was wird sich dann verändert haben in Handel und Industrie?
Wir alle hoffen auf den Frühsommer und darauf, dass es wieder Hochzeiten und kleinere Familienfeiern geben darf. Was sich ändern wird? Ich hoffe, dass die Zulieferbetriebe in Ost-Europa überleben werden, viele sind da inzwischen in einer sehr prekären Lage. Und auch in Industrie und Handel wird Corona eine nachhaltige Furche hinterlassen. Ich sehe derzeit, auch in unseren eigenen drei Läden, zwei Arten von Kunden: die einen kaufen aus Solidarität, die anderen, weil sie sich nach den deprimierenden Monaten endlich wieder etwas gönnen wollen. Leider befürchte ich eine weitere Verödung der Innenstädte. Dort sind jetzt die Mieten, die vor Corona viel zu hoch waren, zwar im freien Fall, aber der Leerstand wird dennoch brutal werden.

Die Hersteller drehen zum nächsten Herbst an den Sortimenten. Mehr Strick, weniger Dirndl. Wird dieser Trend bleiben?
Das denke ich schon. Wir haben uns im letzten Jahr daran gewöhnt, bequem und gemütlich bekleidet zu sein. Da sind kuschelige Strickteile oder Ponchos natürlich brauchbarer als das Dirndl, das sich in den nächsten Saisonen enorm schwertun wird.

Können Sie der jetzigen Situation auch irgendetwas Positives abgewinnen?Schon. Das Thema Nachhaltigkeit hat sich nunmehr fest in den Köpfen der Verbraucher festgesetzt. Und nachhaltig, das waren wir in unserer Branche ja zum Glück schon immer…

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