Messen: WORK + PLAY in Berlin!
Offenblende / Premium Group

Nach zweijähriger »Pandemie-Pause« und Plänen nach Frankfurt abzuwandern, versammelte die Premium die Branche von 7. bis 9. Juli wieder in Berlin.

Eigentlich war die Premium gar nie so richtig weg aus Berlin. Ja, die mit der Messe Frankfurt geschmiedeten Pläne für eine gemeinsame Frankfurt Fashion Week waren groß. Aber Corona machte eine Umsetzung schwer und so endete die Kooperation letztlich, bevor sie richtig begonnen hatte. Nun ist man also wieder zurück »zu Hause«, wie man es in der offiziellen Pressemitteilung formuliert. Allerdings an anderer Adresse: Die Messen Premium und Seek, das GenZ-Festival The Ground sowie die Konferenzformate Fashiontech, Conscious Club Conference und The Ground Talks bespielten gemeinsam von 7. bis 9. Juli das Berliner Messegelände rund um den Funkturm. Eine Info am Rande: Ab 2023 wird auch die Berlin Fashion Week, die in diesem Jahr erstmalig im März und September über die Bühne geht, ihren Scedule wieder an die Messetermine anpassen.

Stephan Schwarz, Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe erklärt: »Ich freue mich sehr, dass wir in den vergangenen Tagen das langersehnte Wiedersehen mit der Premium feiern konnten. Die Messe ist nicht nur zurück in Berlin, sondern hat auch ihr Konzept erfolgreich weiterentwickelt und wird künftig zeitgleich mit der Berlin Fashion Week stattfinden. Dieses Zusammengehen ist die richtige und konsequente Weiterentwicklung und ein starkes Signal des Aufbruchs für Berlin als Treffpunkt der Modebranche. Ich erhoffe mir davon eine Magnetwirkung für unsere Metropole und neue Perspektiven für Berlins Modewirtschaft.«

Große Party?

Dieses »langersehnte Wiedersehen« feierte man im großen Stil, denn, so der zufriedene Tenor seitens der Aussteller, die Frequenz am Donnerstag sei hoch gewesen; alle »Großen« waren da, hätten sich informiert. Der Freitag? Bis Mittag gut, so das Fazit, am Nachmittag ruhig. Am Samstag wich die Euphorie des ersten Tages vielerorts Ernüchterung. »Heute hatten wir mehr Vertreterkollegen am Stand als Kunden«, so eine Stimme auf der Seek. Ähnlich ging es vielen. Das war auch das große Problem des »neuen Event Kosmos« in Berlin. Die Tage Dienstag bis Donnerstag waren für die Messebesucher gelernt, Donnerstag bis Samstag ist neu – und macht für viele keinen Sinn. Als Händler steht man am Samstag selbst auf der Fläche, die Einkäufer der namhaften Häuser, so hörte man seitens der Industrie, timen den Heimweg spätestens für Freitagmittag. »Von drei Tagen müssen zwei schon passen«, so Peter Schwarz, Head of Sales bei Aigner. Ob man zur nächsten Edition wieder dabei sein würde, werde man daher – trotz einem sehr erfolgreichen Donnerstag – noch überdenken. So auch beim Lifestyle-Konzept The Fox aus dem Hause Fuchs Schmitt: »Die Wege waren zu lange, die Hallen nicht ausreichend beschildert. Damit macht man es dem Handel unnötig schwer.« Die fehlende Frequenz ab Freitagnachmittag bestätigte auch Sebastian Proft von Stapf und Felicitas: »Die Messe auf Donnerstag bis Samstag zu legen, war bestimmt nicht die beste Idee. Für uns hat es sich aber dennoch gelohnt. Ein Messeauftritt ist meiner Ansicht nach das lukrativste Marketingtool. Hier erreiche ich Händler, an die ich anderswo gar nicht herankommen würde.«

Neukunden und solche, die es vielleicht werden könnten, traf man auch bei Hiltl – sogar internationale, wenngleich – so der Tenor der Industrie – die Messe eine sehr nationale Veranstaltung gewesen sei. Gerhard Kränzle, CEO beim Hosenspezialisten Hiltl: »Ja, es gibt einiges, das man verbessern könnte. Aber ich finde wir sollten nicht so viel jammern, sondern dankbar sein, dass wir überhaupt wieder eine Messe haben!«

Damit es die auch weiterhin gibt, braucht es das Commitment der Branche. Philipp Pinger, Head of Sales national bei Carl Gross: »Meine Meinung zur Messe - schaut nicht zu viel nach hinten, was einmal war. Schaut nach vorne. Wir sind in einer neuen Normalität angekommen. Verurteilt nie zu früh, sondern zieht die Schlüsse danach. Wir brauchen diese Plattform, wir brauchen Berlin.« Die große Party in Berlin – sie soll nicht an den falschen Wochentagen und mangelnder Beschilderung scheitern.

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