Interview mit Javier Goyeneche/Ecoalf: »Wir h...
Interview mit Javier Goyeneche/Ecoalf

»Wir haben das Image von recycelter Kleidung verändert«

Ecoalf

Im vergangenen Jahr 2020 konnte der spanische Nachhaltigkeits-Pionier Ecoalf seinen Umsatz um 74 % steigern. Javier Goyeneche, Gründer der Brand, gibt im ÖTZ-Gespräch einen Ausblick auf die neue Saison Herbst/Winter 2021/22.

Ecoalf wurde im Jahr 2009 gegründet. Was hat sich seither verändert?
In den letzten 12 Jahren ist viel passiert. Als ich Kollegen und Freunden erstmals von meiner Idee, recycelte Materialien für meine Kollektionen zu nutzen, erzählt habe, dachten viele, ich wolle den alten Teppich meiner Großmutter zu einer Jacke umfunktionieren. Es hat rund drei Jahre intensiver Recherche und Entwicklungsarbeit gebraucht, um Materialien herzustellen, die unseren Qualitätsansprüchen entsprachen und mit dem Vorurteil brechen konnten, dass recycelte Materialien in puncto Qualität und Modegrad nicht mit neu produzierten mithalten können. Damit haben wir die Wahrnehmung von recycelter Kleidung bei den Konsumenten grundlegend verändert. Außerdem haben wir in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, Bewusstsein für die Auswirkungen herkömmlicher Materialien auf den Planeten zu schaffen und aufzuzeigen, wie wir durch die Verwendung recycelter Materialien den Wasserverbrauch, die CO2-Emissionen und andere Auswirkungen reduzieren können. Konsequente Aufklärung ist für uns der Schlüssel zu einer nachhaltigeren Zukunft.

Welche Materialien sind für die Herbst/Winter 2021/22-Kollektion von Ecoalf besonders bedeutsam?
Wir setzen erneut auf eine Mischung aus recycelten und nachhaltigen Qualitäten. Über 70 % der verwendeten Stoffe wurden recycelt, 92 % der Styles sind vegan. Durch den Einsatz von recycelter Baumwolle haben wir bereits über 25 Mio. Liter Wasser gespart. Und jede Saison setzten wir uns das Ziel, unser Angebot weiter zu verbessern.

Gab es eine Key-Inspiration für die neue Saison?
Für die neue Saison haben wir uns vor allem durch die Zeit der Ausgangsbeschränkungen inspirieren lassen. Wenngleich es eine sehr schwierige Zeit war, gab sie der Erde die Möglichkeit durchzuatmen und sich zu regenerieren. Erdige Töne treffen auf natürliche Färbeoptionen. Zudem haben wir uns noch stärker auf unsere Werte besonnen und zeitlose, saisonübergreifende Teile kreiert, die mit absoluter Transparenz überzeugen.

Welchen Produkten sprechen Sie besonders hohes Potential zu?
Ein großes Projekt, an dem wir seit Jahren intensiv arbeiten, ist die Entwicklung unserer recycelten Baumwolle. Die Herstellung eines T-Shirts aus Bio-Baumwolle verbraucht bis zu 2.700 Liter Wasser, bei einem herkömmlichen Baumwoll-Shirt können es sogar bis zu 15.000 Liter sein. Diese Menge kann durch das Recycling komplett eingespart werden - das ist ungefähr das, was eine Person in 3,7 Jahren trinkt!

Welche Ziele haben Sie für die nahe Zukunft?
Das zentrale Schlagwort lautet »Kreislaufwirtschaft«. Damit ist es essentiell, sich schon während des Entwurfsprozesses Gedanken über das Ende des Produktlebenszyklus eines Kleidungsstückes zu machen. Zudem arbeiten wir aktuell an Sammel-Services alter Textilien in unseren Stores. Ein weiteres wichtiges Anliegen ist uns unser »Upcycling the Oceans«-Projekt. Wir konnten unsere Tätigkeit in diesem Bereich im Jahr 2020 nach Italien ausweiten und planen bis 2025 mit 10.000 Fischern zusammenzuarbeiten, um das Mittelmeer zu reinigen.

Lesen Sie das vollständige Interview in der Ausgabe ÖTZ 02-2021 ab 18. Februar 2021.

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