Interview mit Ulli Ehrlich: »Die Tracht erfäh...
Interview mit Ulli Ehrlich

»Die Tracht erfährt erst im Herbst einen Schub«

Sportalm

Ulli Ehrlich, Geschäftsführerin Sportalm, spricht im ÖTZ-Interview über den Gewinn von Marktanteilen in der Mode - und die anhaltende Durststrecke in der Tracht.

Wie geht es Sportalm in diesen Tagen?
Eigentlich gut, aber es bleibt weiterhin spannend. Die Entwicklung ist nach Produktgruppen komplett unterschiedlich: Die Mode läuft richtig gut, da haben wir in jeder Corona-Saison ein zweistelliges Plus gehabt und wir werden auch im Winter 2022/23 ein 20prozentiges Plus schaffen. Das macht richtig Spaß.

Das heißt, Sie haben Marktanteile gewonnen, der Gesamtmarkt ist ja nicht größer geworden?
Ja sicher. In der gesamten Pandemie hat sich das Sportliche durchgesetzt, casual hat sich verfestigt. Auch wenn die Leute jetzt wieder davon reden, dass sie wieder angezogener sein werden, wollen sie die lieb gewonnene Bequemlichkeit nicht missen. Das spielt uns auch in die Karten.

Wie ging es Ihnen mit der Lieferfähigkeit?
Das hat sich als großes Asset für uns entwickelt, denn wir haben gut geliefert. Bei der Skimode war das deutlich spürbar, aber auch in der Mode konnten wir liefern, wie in der normalen Situation, weil wir den Luxus der eigenen Produktion in Bulgarien haben. Und plötzlich ist die eigene Produktion, die früher niemanden interessiert hat, der Wettbewerbsvorteil, weil wir liefern konnten, als der Handel nach Ware gerufen hat. Wir konnten daher jetzt bei der Order mit Recht sagen, was ihr schreibt, das werden wir auch liefern.

Sind Sie von Lieferschwierigkeiten Ihrer Vorlieferanten gar nicht betroffen?
Wir müssen bei der Disposition der Stoffe mehr und früher ins Risiko gehen. Das machen wir auch. Früher hat man drei bis vier Monate gewartet, jetzt können es bei Funktionsstoffen aus Japan auch mal acht Monate sein. Selbst wenn die Stoffe aus Italien kommen, kann es sein, dass ein Garn aus China kommt. Man muss daher bei allen Lieferungen früher bestellen.

Wie werden sich die erhöhten Rohstoffkosten in den Verkaufspreisen auswirken?
Unterschiedlich nach Produktgruppen rechnen wir mit 10 bis 15 Prozent. Die Preiserhöhungen bei den Stoffen sind zum Teil erheblich höher, aber in Zeiten wie diesen kann man nicht alles dem Kunden weitergeben. Der Rest muss durch Sparmaßnahmen absorbiert werden.

Wie läuft denn der Abverkauf in der jetzigen Frühjahr/Sommer-Saison im Handel und in Ihren eigenen Geschäften?
Also besser zu sein als im letzten Jahr ist gar nicht schwer, aber auch abgesehen davon spüren wir, dass die Begehrlichkeit da ist, die Konsumenten lassen sich zu Reservierungen und Bestellungen verführen. Seit unser Magazin verschickt ist, wollen sie das, was Mitte/Ende März kommt, am liebsten sofort haben.

Die Skimode stelle ich mir etwas schwieriger vor...
Da sind wir noch nicht sicher, ob wir das Niveau von 2019 wieder schaffen. Wenn es uns gelingt, dann vor allem, weil wir neue Exportmärkte erschließen konnten und uns in manchen neu aufgestellt haben.

Zum Beispiel?
In Frankreich, Holland und in Amerika haben wir die Agentur gewechselt und spüren schon die ersten Erfolge. Der Heimmarkt ist noch schwierig.  Das Weihnachtsgeschäft war sensationell, aber es ist sehr schnell abgerissen, es ging nicht einmal bis zum 6. Jänner. Das Jännerloch ist normaler Weise eine Woche und heuer war es der gesamte Monat. Da hängt jetzt viel davon ab, wie sich Februar und März entwickeln.

Sportalm hat eine wunderschöne Kollektion für Herbst/Winter in der Tracht gemacht, wie geht es da jetzt weiter, nach vier verlorenen Saisonen?
Ja, die kann man echt abhaken. Gerade in der Tracht hängt schon noch das Damoklesschwert der Unsicherheit über uns. Für mich teilt sich die Branche gerade in jene, die es schönreden und andere, die ehrlich sind. In Deutschland bist Du mit Gedeih und Verderb der Münchner Wiesn ausgeliefert. Und dass die wirklich stattfindet, glaube ich erst im August. Und dann haben die Händler ja auch noch volle Lager. Bei uns in Österreich hat man einfach mehr Möglichkeiten, Tracht anzuziehen, das hängt nicht an einem einzigen Event. Bei uns spürt man jetzt Hochzeiten, Taufen, Geburtstage.

Und beim Dirndl ist es ja ähnlich wie beim Anzug: Die meisten passen nicht mehr rein!
Das könnte ein Faktor für Mehrverkäufe sein (lacht). Und wenn man jetzt ausgehen kann, dann doch nicht in einem Dirndl, das seit drei Jahren im Kasten hängt. Andererseits hat der Jägerball wieder nicht stattgefunden.  Daher glaube ich, dass der wirklich spürbare Schub für die Tracht erst im Herbst zum Tragen kommt, weil die Menschen zu vorsichtig und verunsichert sind. Man hat in der Pandemie schon so oft geglaubt, das war es jetzt und die nächste Welle kam. Daher spüren wir in der Vororder doch eine gewisse Zurückhaltung.

In den eigenen Geschäften jetzt im Frühjahr wird aber Tracht gekauft?
Ja, vor allem wollen die Kunden auch in der Tracht das Neue. Das können ihnen viele Händler gar nicht bieten, weil sie für Frühjahr/Sommer nicht viel geordert haben. Die Kunden sind aber informiert und wollen die aktuelle Ware. Es ist eine schwierige Situation, daher möchte ich zurzeit kein reiner Trachtenerzeuger sein. Allerdings gibt es auch sehr positive Signale wie der Beck in München, der jetzt eine 400 Quadratmeter große Trachtenwelt erschafft, das inspiriert die Kunden, das ist einfach wichtig. Ich kann es niemanden verdenken, wenn er jetzt vorsichtig beim Investieren ist, aber Stillstand ist eben Rückschritt.

Haben sich durch die Pandemie die Umsatzanteile von Mode, Ski und Tracht verschoben?
Der Umsatz der Tracht war schon vor Corona nur fünf Prozent. Deshalb war es nie die Frage, ob uns das existentiell gefährdet. Aber die Tracht ist die DNA der Marke Sportalm, damit ist sie groß und bekannt geworden.  Daher werden wir das nie aufgeben, sondern mit dem gleichen Herzblut weiter machen. Großes Potenzial sehen wir bei der Skimode in den Exportmärkten. Unsere Skibekleidung ist ja nicht nur Skibekleidung, sondern eine modische Winterbekleidung.


 

 

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