Interview mit Ina Kent: »Wir haben auch in de...
Interview mit Ina Kent

»Wir haben auch in der Krise investiert!«

Lisi Specht

Im TZ-Interview sprach Ina Kent über die Gründung ihres gleichnamigen Taschenlabels und gab einen Ausblick auf die Saison Frühjahr/Sommer 2022.

Zunächst das wichtigste: Wie geht es Ihnen  nach knapp 1,5 Jahren im Zeichen von Corona – privat und beruflich?
Diese Zeit war für jeden einzelnen fordernd. Widrigkeiten bergen aber immer ein großes Lern- und Wachstumspotential. Ich empfinde die Situation zurzeit privat sowie beruflich wie einen Schmerz, der gerade auf wohltuende Weise nachlässt. In der Freizeit genieße ich die Zeit mit Freunden und Familie jetzt besonders. Beruflich ist es schön zu sehen, wie sich das Unternehmen erholt. Wir haben in der Krise weiter investiert, das macht sich jetzt bezahlt. Das Team ist noch enger zusammengerückt und die Freude an der Arbeit spürbar.

Wie kam es zur Gründung von Ina Kent?
Ich bin im 7. Bezirk aufgewachsen und begann bereits nach der Schule kunsthandwerklich zu arbeiten. Mein erstes Atelier eröffnete ich in meinen Zwanzigern in Wien Mariahilf. Ich übernahm individuelle Auftragsarbeiten wie Instrumententaschen, Tapezierungen von antiken Möbeln oder auch neuen Sitzmöbeln für ein Wiener Museum. Kleine Lederaccessoires sowie erste Taschen, die auf Kunsthandwerksmärkten und in Museumsshops wie dem »Museum für deutsche und österreichische Handwerkskunst« in New York verkauft wurden, umfassten ebenso mein damaliges Portfolio. Neben meiner kunsthandwerklichen Arbeit verfolgte ich mein Interesse an Ernährung und Gesundheit und startete ein Studium für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien. 2003 wurde ich Mutter einer Tochter. Daher unterbrach ich mein Studium und widmete mich beruflich ausschließlich dem Kunsthandwerk. 2007 gründete ich schließlich mein gleichnamiges Taschen-Brand und eröffnete meinen ersten Store in Wien Neubau.

Was ist das Konzept hinter der Brand, wer ist die Ina Kent-Kundin?
Detailverliebte Verarbeitung hochwertiger Materialien, puristische Ästhetik sowie multifunktionales Design zu angemessenen Preisen kennzeichnen den Stil. Seit jeher unabhängig, kreiere ich zeitgemäße und vielseitige Taschen, die sich perfekt in den modernen, bewegten Alltag meiner Kundinnen integrieren und alle Generationen gleichsam ansprechen. Ein hohes Maß an Verantwortung bei der Materialauswahl sowie der Herstellung und ein schonender Umgang mit Ressourcen ist dabei für mich selbstverständlich und formt das nachhaltige Wertebild des Unternehmens: Das Ziel ist, langlebige Produkte als Gegenentwurf zur Fast Fashion-Idee zu kreieren. Unsere Kundinnen und Kunden sind weltoffen, authentisch, lieben eine schlichte Formgebung, zeitloses Design und fühlen sich einem nachhaltigen Lebensstil verbunden.

Was bringt die Saison Frühjahr/Sommer 2022 bei Ina Kent?
Wir arbeiten einerseits an Produkten, die die Basiskollektion erweitern werden und in Folge wie gewohnt über Jahre in verschieden Ausführungen erhältlich sein sollen. Hier habe ich besonders auch Taschen mit mehr räumlicher Tiefe im Blick. Die Schnitte werden teilweise etwas femininer sein. Was bleibt, ist die Wandelbarkeit und der Fokus auf Materialien und Details. Parallel werden wir im nächsten Jahr eine Unisex-Linie lancieren. Hier arbeiten wir mit robustem Leder in vegetabiler Gerbung. So soll mit dieser Linie auch noch einmal der Gedanke der Nachhaltigkeit betont werden. Die Schnitte werden zeitlos sein und sich durch einen festen Boden und mehr Kompaktheit von der bestehenden Kollektion abheben. Insofern wollen wir jene Männer erreichen, die aktuell schon von einzelnen Elementen der bestehenden Linie angesprochen sind. Gedeckte Farben und praktische Details sollen das Angebot auch für alle abrunden, die nach business-tauglichen Styles suchen. Ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist auch ein Pilotprojekt, bei dem unser Klassiker »Moonlit ed.1« aus veganem Leder produziert wird. Das Material entspricht optisch und haptisch Leder, beinhaltet aber keinerlei tierische Produkte und wird aus Kaktus hergestellt. Für die Zukunft denken wir auch über die Verarbeitung beschichteter Baumwolle und verschiedener anderer nachhaltigerer Materialien nach.

Welche Projekte stehen aktuell ganz oben auf Ihrer Agenda?
Parallel zum Launch unseres neuen Online Stores im November letzten Jahres haben wir auch unseren B2B-Bereich stark weiterentwickelt. Ein erster Schritt war hier die komplette Überarbeitung und Optimierung des B2B-Portals in unserem Online Store. Gleichzeitig haben wir unser Vertriebskonzept neu definiert: Weniger Messen, dafür mehr individuelle Betreuung und persönlicher Kontakt stehen ab sofort für uns im Fokus. Und wir sind auf der Suche nach neuen Vertriebspartnern, die die Marke optimal repräsentieren!

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