Im Gespräch: »Die Welt wird wieder wie sie wa...
Im Gespräch

»Die Welt wird wieder wie sie war!«

Lodenfrey
»Die Tracht ist klarer USP unseres Hauses und wird ihren Stellenwert behalten«, bekräftigt Markus Höhn, geschäftsführender Gesellschafter bei Lodenfrey.
»Die Tracht ist klarer USP unseres Hauses und wird ihren Stellenwert behalten«, bekräftigt Markus Höhn, geschäftsführender Gesellschafter bei Lodenfrey.

Ohne Anlass keine Tracht – die wichtigsten Events des Jahres durften nicht stattfinden, der Ausfall von Wiesn und Festwochen bremste das Trachtengeschäft aus. Nicht nur in der bayerischen Modemetropole eine Katastrophe. Wie geht man im Münchner Traditionshaus Lodenfrey mit den massiven Umsatzeinbrüchen um? Markus Höhn, geschäftsführender Gesellschafter, im Gespräch.

Sie haben in den letzten Jahren neben dem Designbereich auch intensiv in die Trachten investiert. Was bedeutet die Pandemie für Ihr Haus?
Die Krise hat erhebliche Auswirkungen. Bei uns sind in diesem Zeitraum die Umsätze mit den Trachten um 75 % eingebrochen. Im Vergleich zur Mode ist das Segment damit überproportional betroffen.

Mit welcher Erwartung an das Trachtengeschäft gehen Sie in die nächsten Monate?
Es ist derzeit schwer, die Dinge einzuschätzen. Die Wiesn ist für dieses Jahr noch nicht abgesagt, aber ich denke, selbst wenn sie stattfindet, dass sie anders sein wird, nicht so wie wir sie bislang kennen. Möglicherweise kommt eine Light-Version. Aber abgesehen davon gehen wir davon aus, dass Trachten im Herbst/Winter wieder anziehen werden. Wahrscheinlich nicht so stark wie vor der Pandemie, aber es wird wieder eine Normalität geben und mit ihr Hochzeiten und andere Feste in Tracht. Wir rechnen mit mehr Gelegenheiten, zu denen der Kunde Tracht trägt.

Planen Sie krisenbedingt einen Strategiewechsel in der Tracht, wird es zu Anpassungen in der Sortimentsausrichtung kommen?
Nein. Die Tracht ist klarer USP des Hauses und macht 20 % des Gesamtumsatzes aus. Sie behält ihren Stellenwert. Aber natürlich kuratieren wir in dieser Zeit, in der die Tracht an Bedeutung verloren hat, andere Themen. Im Herbst/ Winter setzen wir auf sportivere Tracht, die wir im Sommer mit städtischen Themen wie Janker zur Chino bei den Herren aufladen.

Wie sehr ist der digitale Verkauf für Trachten relevant?
Insgesamt ist das Onlinegeschäft in unserem Haus sehr stark gewachsen. Somit hat es die Verluste im Fashionbereich abgefedert, das Segment ist online sehr gut aufgestellt. Die Trachtenmode hat sich zurückhaltender entwickelt: Online ist auch hier sehr relevant, mit Corona und den wegfallenden Gelegenheiten aber hatten wir zwar Abverkäufe, mehr als stationär (Lockdown!), aber nicht übermäßig viele.

Sie haben gemeinsam mit Sportalm im September letzten Jahres einen Store im Münchner Schäfflerhof eröffnet. Wie ist dort die Entwicklung angesichts der Krisensituation?
Stationär eine Katastrophe, da wir wie alle anderen im Lockdown nicht verkaufen können. Aber dieses Projekt haben wir mit guten, langjährigen Partnern gestartet, auf die man bauen kann. In dieser Situation hilft man sich darüber hinweg und unterstützt sich bestmöglich. Nun heißt es, einen langen Atem haben: Ich glaube, dass die Welt wieder so werden wird wie sie war, zumindest was das Shopping-Erlebnis angeht. Die Weltstadt München wird wieder begeistern und attraktiv für Besucher werden - und mit ihrer Wiesn auch für die Trachten alle Vorzüge einer attraktiven Metropole bieten.

Wie beeinflusst die Krise Ihre aktuelle Orderrunde?
In dieser Saison ist unser Einkauf sehr stark gefragt, denn er steht vor der Herausforderung, gezielt in die Sortimente hineinzukaufen. Selbstredend sind die Bestände hoch und nun heißt es, die nicht abgeflossene Ware gut einzubinden und in einer durchdachten Kombination mit neuen Inspirationen darzustellen. Die Umsatzeinbußen haben flächendeckend in allen Produktbereichen zu einem reduzierten Ordervolumen geführt.

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