Hot 1 & Fashion Premiere: Order F/S 2021: »Be...
Fashionpalais

Nach den ersten beiden Veranstaltungen in Salzburg ziehen Hersteller und Agenturen ein durchmischtes, aber mehrheitlich positives Fazit.

Die Parkplätze voll vor der Brandboxx, der Fashion Mall, dem Gusswerk – also alles wie immer zur Orderrunde für Frühjahr/Sommer 2021, die geprägt ist von Lockdown, verkleinerten Kollektionen und einer anhaltenden Verunsicherung, wie sich der Modekonsum in den kommenden Monaten entwickeln wird. »Die Ordersaison dauert lang, weil wir genauso wie unsere Kunden Staus im Showroom vermeiden wollen«, sagt Mothwurf-Chef Helmut Schramke, aber: »Mit unseren österreichischen Kunden liegen wir im Plus, lediglich die Kunden aus Bayern ordern verhaltener. Die Regeln sind in Deutschland noch strenger, das wirkt sich natürlich auf die Umsätze aus.« Mothwurf werde »mit einem kleinen Minus« aus der Ordersaison herausgehen, in den eigenen Läden in Graz und Wien spüre man aber bereits »gestiegene Kauflaune.«

Auch Agentur-Inhaber Bruno Morawitz (Sommermann, Stark, Matinique) staunt über eine, wie er sagt, »überraschend positive Orderrunde«: »Wir merken, dass die Händler wieder verstärkt Mainstream-Kollektionen suchen, weil viele ehemals gesetzte Anbieter in diesem Bereich weggefallen sind.« Man ordere auf Vorjahrsniveau oder knapp darüber, allerdings: »Die Händler kaufen vermehrt Eckpreislagen ein, der Preis wird in den nächsten Saisonen eine enorm große Rolle spielen.«

Für Martina Exenberger (Bianca, Doris Streich) ist die Saison so gut wie abgeschlossen. »Wir haben alles erlebt von tollen Aufträgen bis zu halbiertem Ordervolumen. Die Unternehmen agieren höchst unterschiedlich. Allen gemeinsam ist allerdings, dass modische Teile gesucht werden.« Auch bei Mag. Claudia Lang (Semper Lei, The Swiss Label) waren und sind die Händler auf der Suche nach modischen, aber lässigen Teilen: »Die Erfahrungen aus wochen- oder monatelangem Homeoffice machen sich im Kaufverhalten ganz sicher bemerkbar.« Lang freut sich, dass auch bayrische Kunden nach Salzburg kommen, wenn auch »unter erhöhten Sicherheitsmaßnahmen.«

»Die Saison lief schon zäh an«, kommentiert Steinbock-Chef Joseph Payr, »aber letztlich waren alle großen Kunden da und haben durchaus beherzt geschrieben.« Vor allem Anlassthemen seien wieder im Kommen. »Da muss man sich schon fragen, ob Kunden nicht mehr kaufen, weil sie sich eine Freude machen wollen, sondern nur noch dann, wenn ein konkreter Anlass besteht.«

„Mit unseren österreichischen Kunden liegen wir im Plus, lediglich die Kunden aus Bayern ordern verhaltener. Die Regeln sind in Deutschland noch strenger, das wirkt sich natürlich auf die Umsätze aus.“
Helmut Schramke, Geschäftsführer & Inhaber Mothwurf
Apropos Anlass – Kleiderspezialist Swing Collections aus Schermbeck war zum zweiten Mal in Salzburg zur Fashion Premiere vertreten und freut sich über positives Feedback durch die Handelspartner. Geschäftsführer Moritz Schwack erläutert: »Wir haben sehr viel Arbeit in unser Produkt gesteckt. Die Kollektionsaussage wurde modernisiert und spitzer. Bei unseren Kunden kommt das sehr gut an. Auch für unsere grüne Linie haben wir viel Zuspruch erhalten, wenngleich – gerade in unserer Produktgruppe – immer gilt: Die Modelle müssen in erster Linie optisch gefallen.«

Vom Kleid zur Hose: Auch bei Bettina Sattlberger (Cambio) fällt das erste Fazit durchwegs positiv aus. Der Showroom ist auch am Fashion Premiere-Dienstag, der in puncto Frequenz deutlich ruhiger ausfällt als die Tage zuvor, ausgesprochen gut besucht. Kollektionshighlights seien Modelle mit leichtem O-Shape, im Bereich der Drucke stünden Florals hoch im Kurs. Ebenfalls im Fashionpalais, ein Stockwerk weiter unten, ist auch Christian Klaus von der Modeagentur Klaus zufrieden: »Wir haben uns selbst hohe Anforderungen in puncto Hygiene auferlegt, waren vorsichtig und haben auch im Team Abstand gehalten, um das Risiko für unsere Kunden als auch für uns selbst möglichst niedrig zu halten. Nun können wir ein durchwegs positives Fazit ziehen. Bei einzelnen Brands konnten wir sogar Neukunden verzeichnen.«

Gerhard Cocron (u. a. Vicario Cinque, Zanetti 1965) freut sich im Gespräch über tolles Feedback zum Neuzugang »1978« aus Sizilien, der mit hochwertigen Kreationen aus Baumwolle und Baumwolljersey überzeugt. Geplant ist den eigenen Showroom zu vergrößern, die Umsätze lägen über dem Plan.

Vergrößert hat auch Parisa Engel in der Fashionmall, deren Räumlichkeiten überdurchschnittlich gut besucht waren. Und auch bei der Gassner Fashion Group (La Salle, Fox’s, ect.) sind die Tische besetzt und das Fazit positiv.

Die Range ist also breit gefächert, von Zurückhaltung bis Umsatzzuwachs ist alles dabei. Jedenfalls ist und bleibt Salzburg als Standort wichtig, kaum Händler entschieden sich dazu, auf Termine zu verzichten. Die Strategie für Frühjahr/Sommer scheint klar: Modische Teile sollen dabei helfen, den Kunden zur nächsten Saison ins Geschäft zu holen. Es geht um das Besondere, aber immer mit Selbstverständlichkeit und Lässigkeit gepaart. Neue Bilder braucht es jedenfalls am POS. Ansonsten, so der Tenor, hole einen übertriebene Vorsicht bei der Order spätestens auf der Fläche ein.

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