Herbst-/Wintersaison 2021: Die neue Womenswea...
Set

Sogar im Krisenmodus wird sich die DOB zum nächsten Herbst spürbar und mit Kraft erneuern. Funktional oder luxuriös? Beides, sagen die Designer. Schließlich reagiere jede Kundin anders auf unsichere Zeiten.

Ein Bericht über die DOB des nächsten Winters, ohne ein einziges Teil tatsächlich in Händen gehalten zu haben - das erschien der Moderedaktion der Textilzeitung noch bis vor zehn Monaten als vollkommen ausgeschlossen. Man reiste durch die Lande, sichtete Kollektionen und tauchte, auch physich, in die Welt der Designer ein. Dann kam Corona und die Erkenntnis, dass Zoom-Kollektionspräsentationen zwar nicht ganz so befriedigend sind wie »echte« - aber fast! Schneller als vermutet stellten die DOB-Hersteller auf digital um, einerseits, um zu informieren, andererseits aber auch, um für eine Ordersaison vorbereitet zu sein, von der man bis heute nicht weiß, ob sie physisch stattfinden kann. Es ist dies bei weitem nicht die einzige Veränderung, die die DOB in den letzten Monaten vorgenommen hat. Wer ausgedünnte Krisen-Kollektionen mit wenigen echten Innovationen erwartet hatte, kann nur positiv überrascht sein von einem Neuheiten-Feuerwerk, das Helligkeit in eine ziemlich düstere Zeit zu bringen im Stande ist.

Jogger versus Pailetten

Klar, das unfreiwillige Cocooning der letzten Monate hat auch den Blick auf die neue Saison geprägt. In weichen (und weiten) Sweatkleidern, praktischen Jogg-Skirts und ärmellosen Fake-Fellwesten macht man daheim eine gute Figur, ohne auf jene Bequemlichkeit zu verzichten, die viele Frauen als einzigen Vorteil der anscheinend nicht mehr enden wollenden Lockdowns in die Zukunft mitnehmen werden. Und tatsächlich wird dieses Thema auch mit den neuen, lockeren Hemdjacken, bequemen Jersey-Kleidern und Strick-Hoodies bedient. Aber zum Glück ist man auch in der Modeindustrie davon überzeugt, dass unser aller Hausarrest im nächsten Herbst Geschichte ist. Also wird der Weg zurück ins Büro angetreten mit lässigen Karottenhosen oder gepflegten Denims in A-Linie, mit zarten Blusen in Microdessins, mit schmalen Rippenpullis unter ärmellosen Kapuzenmänteln oder Parka-Gilets. Die Outdoor hat schon in der aktuellen Saison vielen Händlern das Überleben gesichert - so lange man noch verkaufen durfte. Also setzt die Industrie weiterhin auf fette Puffer-Daune in unterschiedlichen Längen, so als wären sie ein Schutz gegen harte Zeiten.
„Zwischen bequemen Jerseyoutfits und luxuriösen Einzelteilen gibt es nichts mehr. Das, was mal modische Mitte war, ist tot.“
Klingt alles sehr praktisch - ist es auch! Also mischen die Designer den allseits geforderten Utility-Gedanken mit einer gehörigen Portion Luxus. Das Rezept: Man nehme hochwertige Materialien wie Seide, Kaschmir, Mohair oder super-weiches Leder für klassische Formen, die länger als eine Saison Gültigkeit haben werden. Pailetten, schimmernde Oberflächen-Ausrüstungen und edle Zutaten sollen jene Konsumentinnen ansprechen, die sich nach der Corona-Zeit endlich wieder ein bisschen Luxus leisten wollen (und können).

Es ist erstaunlich, mit wieviel Mut und Schaffenskraft die Designer an die Saison gegangen sind - und welche tolle Kollektionen man designte, ohne dreimal rund um die Welt zu fliegen. Die Konzentration auf zwei starke Themen, auf moderne Bodenständigkeit und nahezu konservativen Luxus werden der krisengeschüttelten Branche in Summe gut tun. Die Hoffnung auf einen tollen Herbst 2021 lebt!

 

stats