Digitaler Branchentreff: Digital Fashion Week...
Digitaler Branchentreff

Digital Fashion Week: Konzepte der Menswear

Digital Fashion Week

Die Online-Messe der B2B-Plattform Fashion Cloud legte am zweiten Tag ihrer Veranstaltung den Schwerpunkt auf die Menswear und bot per Branchentalks eine Plattform, um sich aktuellen Fragen zu stellen.

Die zweite Ausgabe der für Besucher kostenlosen digitalen Messe wurde als Vorbereitung für die neue Orderrunde installiert, um die Branche trotz Pandemie zusammenzubringen. Vom 26. bis 28. Jänner präsentierten knapp 180 Aussteller ihre neuen Kollektionen. Das Rahmenprogramm mit Keynote Speakers bot Buyers Talks und Trendvorträge, Markenkollektionen und Network-Funktionalitäten wie das Speed-Dating, das einen mit zufälligen Personen aus der Branche matchte, um für fünf Minuten über das Business zu sprechen. Oder ein Teilnehmerverzeichnis, über das ein direkter Chat beziehungsweise ein Videotelefonat möglich waren.

„Der Anzug muss chicer sein, slim und klar auf den Punkt.“
Carl Gross Geschäftsführer Thomas Steinhart
Die Branchentalks suchten nach Antworten auf die aktuellen Fragen. Die Casualisierung hat durch die Pandemie ihren Höhepunkt erreicht. Cosyness und Komfort schlagen aktuell alles, Sportswear ist klarer Treiber. Christian Salzwedel, Bereichsleiter Herren im norddeutschen Modehaus L&T, ist überzeugt, dass Anlassmode wieder zunehmen wird, dennoch werde man in den Häusern den Anteil an Casualisierung erhöhen. Auch Carl Gross Geschäftsführer Thomas Steinhart ist sich sicher, dass der formelle Bereich Umsatzträger bleibt. Allerdings neu interpretiert: »Der Anzug muss chicer sein, slim und klar auf den Punkt. Da ist noch viel zu holen. Trotzdem wird es den Bequemlichkeitsfaktor geben. Flex und damit Stretchmaterialien werden ganz entscheidend sein. Wir setzten momentan stark auf neue Sakkoformate und neue Stoffe. Es gibt da genügend Felder, in die man vorstoßen kann.« An die Wiedererstarkung der Formal Wear glaubt man auch im Hause Eterna, die Neuinterpretation der Produktgruppe Hemd hält hier ebenfalls Einzug. Themen wie Flex seien im Hemdenbereich ebenso wie Jersey sehr wichtig wie Philipp Lübbenjans, Vertriebsleiter Hemd national, erklärt: »Es kommt darauf an, den Kunden zu überzeugen, dass er ein neues Produkt braucht.« Neue Inspirationen wie Jerseyhemden oder Super-Stretch-Hemden sollen neue Impulse setzen. Dabei sei die Flächenpräsentation ausschlaggebend, die durch Corona neu beflügelt wird. Flächenkompetenz setzte künftig voraus, die bisherige Präsentation aufzubrechen, mehr neue Looks zu zeigen und nicht mehr nur die Hemdentische wie bisher auszustellen.

Anfangspreislagen und NOS

Der mit der Krise gewachsene Wunsch nach mehr Wertigkeit und Nachhaltigkeit wirft aktuell die Frage nach den Anfangspreislagen auf. Kunden werden weniger kaufen, aber wertiger. Bei Eterna wird man an den 49 € im Einstieg festhalten, dennoch verfolge man ein Trading-up, die Premiumlinie würde weiter gestärkt. »Wir merken, das Preislagen von 59 € bis 69 €, früher undenkbar, vom Handel erzielt werden.« Modifiziert werden muss auch das NOS, das durch Corona aufgewirbelt wird. Seine Anteile verändern sich, die Notwendigkeit einer noch größeren Flexibilität im Handel fordert Modernisierung ein, wodurch die Performance neuer Produkte im NOS unabdingbar wird. Carl Gross hat in neue Kombinationen investiert wie den Casual Suit.  »Viele unserer neuen Elemente gibt es im NOS. Wir haben Bestseller on stock, die nachzugsfähig sind, das ist für uns ein ganz klarer Trend, den wir auch weiterverfolgen werden.

Digitale Order

Die Kontaktbeschränkungen und Lockdowns haben das Thema digitale Vororder angeheizt. Intensive Bemühungen bringen hier fortschrittliche Entwicklungen hervor, Anpassungen an die letzte Saison haben stattgefunden.
„Ein geiles Sortiment kriegst du nicht, wenn du nur digital unterwegs bist.“
Andreas Weitkamp vom Modehaus Schnitzler
Doch trotz digitaler Kataloge, Scans von Musterteilen und digitalen Veranstaltungen seien die technischen Beschränkungen noch sehr groß, um restlos zu überzeugen, wie Steinhart es auf den Punkt bringt: »Am Schluss bleibt es wahnsinnig schwierig! Wir sind schlichtweg noch nicht so weit, Sakkos, Hosen, Westen und Konfektionsware digital so zu präsentieren, dass sie für die Einkäuferseite ausreichend abgebildet sind. Vieles ist möglich, und Industrie und Handel werden sich in dieser Richtung weiterbewegen, dennoch sind die technischen Beschränkungen noch sehr groß.« Bei NOS sei digitale Darstellung problemlos machbar, aber im Bereich der Saisonware bliebe es alleine schon von den Farbigkeiten her sehr schwierig. Zudem hätten trotz der Krise viele Einkäufer den Wunsch, wegen der Haptik persönlich in die Showrooms zu kommen. Dabei spielen die Geschäftsmodelle eine große Rolle. Die Ramelow Häuser haben z.B. in 2020 zu 80 % digital geordert, wie Einkaufsleiter Torge Thede informiert. Andreas Weitkamp vom Modehaus Schnitzler hat nur im Ausland digital geordert, in Deutschland hingegen persönlich: »Ein geiles Sortiment kriegst du nicht, wenn du nur digital unterwegs bist.«

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