Berlin Fashion Week: »Erst recht in diesen Ze...
anny Reinke at MBFW Berlin. Theresa Kaindl/Shotview for Nowadays

Von 14. bis 20. März fand die Berliner Modewoche erstmals im neuen Turnus statt. Eigentlich sollten die Leitthemen Nachhaltigkeit und Innovation im Fokus stehen. Dann kam der Krieg.

Auch in Berlin stellte man sich jener Frage, mit der sich die Branche seit der russischen Invasion der Ukraine konfrontiert sieht: Wie funktioniert das Konzept »Fashion Week«, während in Europa Krieg herrscht? Und kann man eine solche Veranstaltung gerade jetzt überhaupt stattfinden lassen? »Ja, das können wir - erst recht in diesen Zeiten. Weil wir hier alle miteinander ein Zeichen der Solidarität, des Mitgefühls, der Zusammenarbeit, der Hilfe und der Freiheit setzen«, lautete die Antwort von Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey in ihrer Eröffnungsrede am Wochenbeginn. Die darauffolgenden Tage waren für die Kreativen ein Balanceakt zwischen der Freude an einem endlich wieder möglichen physischen Austausch und der Anteilnahme und Unterstützung jener, die durch den Krieg betroffen sind.

So wurde unter anderem über die Social Media-Kanäle der Mercedes Benz Fashion Week Berlin zur Unterstützung einer Spendenaktion der Caritas animiert. Und auch die Designer setzten Zeichen der Solidarität: Die erste Show der Modewoche von Hyeres-Gewinnerin Sofia Ilmonen startete mit einer Schweigeminute; bei Marc Cain zeigten die Models zum Finale hoch erhoben ihre Handflächen, auf denen Peace-Zeichen zu sehen waren, die Looks waren geprägt von einer starken, optimistischen Farbigkeit; Kilian Kerner zeigte unter dem Titel »Claudette & Rico« nicht nur DOB-Kreationen, sondern, dank einer Kooperation mit dem Wäschespezialisten Mey, auch Dessous, die Präsentation schloss mit einem klaren Statement für Frieden: Am Ende erschienen alle Models und ein Teil der Mitarbeiter:innen mit schwarzen Hoodies auf dem Laufsteg, darauf zu lesen in großen weißen Lettern: »PEACE«; Designer Dawid Tomaszewski sagte seine Laufsteg-Show kurzfristig ab und präsentierte seine »Neoteric Novelty«-Kollektion stattdessen als Lookbook. Das für die Show eingeplante Budget werde er spenden, so der Designer.

Berlin Fashion Week: Kilian Kerner x Mey

William Fan widmete seine Show »Host« dem nun wieder möglichen Zusammenkommen und persönlichen Austausch. Den Mittelpunkt der Inszenierung bildete eine lange Tafel, an der die Models nach der Show Platz nahmen. Marcel Ostertag zeigte seine Herbst/Winter-Kollektion 2022/23 unter dem Titel »Love Child« im Kraftwerk und schickte seine persönlichen Musen als Models über den Laufsteg. Dies sei ein Zeichen der Dankbarkeit für ihre Unterstützung, so der Designer.

Den Abschluss der Modewoche bildete die Show des ukrainischen Designers Jean Gritsfeld. Seine Präsentation war lange geplant gewesen, durch die dramatische Lage in der Ukranie konnte Gritsfeld kurzfristig jedoch nicht nach Berlin reisen – und auch seine Kollektion konnte nicht in die deutsche Hauptstadt geliefert werden. Ein Team von Freiwilligen nähte innerhalb von vier Tagen Gritsfelds während der ersten Kriegstage entstandenen Entwürfe. Gezeigt wurden letztlich minimalistische Kleider, Shirts und Hosen, die Friedensbotschaften trugen. Vor der Show sprach der Designer mittles vorab aufgenommener Videobotschaft zum Publikum: »Ich zeige heute keine neue Saison und keine neuen Looks, denn wenn man in einem Schutzkeller sitzt, kümmert es niemanden, was man trägt. Stattdessen will ich meine Gefühle vermitteln, meine Eindrücke«, so der Designer.

Neben den Präsentationen bot die Modewoche zahlreiche Ausstellungen, Mode-Installationen, Panel Talks und Side-Events für das Fachpublikum. Der Nachhaltigkeits-Gipfel 202030 – The Berlin Fashion Summit fand digital und physisch statt. Mit Fashion Open Studio zeigte man ein Programm für nachhaltige Labels, Initiator war der Verein Fashion Revolution. Auch der Berliner Salon war erneut ein Fixpunkt: Von 12 bis 16 Uhr präsentierten am 14. März Mode-, Schmuck- und Accessoire-Labels ihre aktuellen Entwürfe in einer Gruppenausstellung.

»Berlin ist deutschlandweit der wichtigste Standort der Kreativbranche und steht national wie international für Kreativität, Diversität und Innovation. Mit der Berlin Fashion Week bieten wir dieser Branche eine Plattform in Deutschland mit internationalem Format«, so Stephan Schwarz, Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Berlin.

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe unterstützte einen Teil der Formate sowie die Standortmarketingmaßnahmen zur Berlin Fashion Week in dieser Saison mit über 750.000 €.

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