Fashion

Interview mit Vogue-Designerin Veronika Heilbrunner

Multi-Fashion-Talent Veronika Heilbrunner schreibt und modelt. Jetzt designt sie auch. Gemeinsam mit hat sie eine eigene Kapsel lanciert.

Man kennt Veronika Heilbrunner (38) als Streetstyle-Ikone, Influencerin, Partnerin von Designer Justin O'Shea, als Vogue-Kolumnistin über ihr Leben mit Baby Walter. Jetzt entwirft sie auch Mode. Für die deutsche Vogue gestaltete sie unter dem Label »Vogue Collection« eine limitierte Capsule Kollektion für Erwachsene und Kinder. Die sieben Stücke sind im Webshop shop.vogue.de erhältlich. Die Textilzeitung führte mit ihr ein Exklusiv-Interview in London, just als die Handwerker zwei Stunden zu früh kamen. Denn die Influencerin ist gerade mit Partner und Kind nach London übersiedelt.

Frau Heilbrunner, was hat Sie bewogen, mit Vogue eine Kollektion zu entwerfen?

Ich wollte eigentlich immer meine eigene T-Shirt-Kollektion machen, aber ich habe das nie durchgezogen, so ist das mit den Wünschen, wenn man Vollzeit arbeitet. Die Vogue Collection ist für mich eine super Gelegenheit, das ist einfach der richtige Partner. Ich schreibe ja auch eine Kolumne für Vogue.

Wann sind Sie mit der Vogue zum ersten Mal in Berührung gekommen?

Schon als Neun-, oder Zehnjährige habe ich nicht die »typischen« Magazine für mein Alter gelesen wie »Bravo« oder sowas. Sondern die Vogue, weil meine Mutter sie abonniert hatte. Ich war ein sehr verträumtes Kind und habe mir gerne Fantasiewelten ausgedacht. Deshalb wollte ich später so gerne in einer Redaktion arbeiten und habe Styling gemacht. Vogue ist für mich noch immer DAS Modemagazin. Sie ist das Höchste der Gefühle, eine Institution. Ich liebe auch das Logo und wollte es unbedingt in die Kollektion integrieren, dabei aber auf meine Art interpretieren, denn es ist nicht meine Art, etwas mit zu übersteigertem Respekt zu begegnen. Weil unsere Namen mit demselben Anfangsbuchstaben beginnen, kam die Idee mit dem Doppel-V als Print.

Die Capsule Collection ist nachhaltig und fair aus 100-prozentiger Bio-Baumwolle in Portugal produziert, wie wichtig ist Ihnen dieses Thema?

Für mich ist das sehr wichtig, das ist wirklich ein schönes Add-on. T-Hirts und Hoodies sind Wegwerfartikel, das hat einen anderen Beigeschmack, wenn sie nachhaltig produziert wurden.

Wird die Kollektion noch erweitert?

Habe ich noch nicht darüber nachgedacht, schauen wir mal, wie das Ganze läuft.

Der Babybody ist für Walter?

Wir hatten zunächst an einen kleinen Shopper gedacht, fanden dann gemeinsam ein Mini-Me passender für mich. Walter ist das Grundthema in meinem Leben, Baby Bodies von Vogue hat es noch nicht gegeben.

Sie sind eine bedeutende Influencerin, glauben Sie, dass Magazine überleben werden?

Ja, ich verbringe 90 Prozent meiner Zeit am Smartphone und das stört mich selbst wahnsinnig. Ich finde es entspannter, wenn ich in einem Magazin lese. Die wichtigen Magazine wird es mit Sicherheit noch lange geben, aber die Verleger müssen umdenken, sie sollen nicht mit dem Internet konkurrieren, sondern auf Qualität setzen. Es geht bei Magazinen nicht um die schnelle Information, sondern um Inspiration. So ein Magazin möchte man auf den Kaffeetisch legen. Ich habe bei meinem Umzug auch alle Zeitungen umgeleitet, obwohl man mir angeboten hat, sie nur noch online zu lesen, aber das will ich nicht. Print muss lernen, das besser und gut zu machen, was sie vom Internet unterscheidet.

Mode ist Ihnen wichtig! Anderen Menschen gar nicht mehr, woran liegt das?

Generell sind die Menschen davon gelangweilt, noch mehr Teile im Verkauf, noch eine Kollektion, das ist alles unglaublich und viel zu schnell gewachsen. Es gibt viel zu viele Labels. 1998 waren es pro Buchstabe 5 bis 10 Designer, heute sind 50 bis 60 pro Buchstabe. Es gibt ein Überangebot, das langweilt die Menschen, das macht mir Lust auf weniger, nicht auf mehr.

Wie sehen Sie die Zukunft des stationären Handels?

Ich gehe wahnsinnig gerne einkaufen, aber dann gibt es das Teil nicht in meiner Größe und ich bemerke, dass auch keiner Lust hat, mich zu bedienen. Es ist einfach wahnsinnig schwierig im Handel genau das zu bekommen, wofür man losgegangen ist. Im Internet ist das leichter, wenn ich eine Marke kenne, kaufe ich im Internet. Ich finde, da muss sich der Handel an der eigenen Nase nehmen.

Was inspiriert Sie im Einzelhandel?

Tolle Konzeptstores, tolle Department Stores, sowie in Berlin The Store im Soho-House. Da kann man essen, trinken, es sind coole Leute dort, es gibt alles. Ich finde es wichtig, Sachen an jenem Ort zu zeigen, wo es wichtige Leute sehen, auch wenn dort keiner einkauft. Der Handel muss akzeptieren, dass die Leute nicht mehr losgehen, um die Wintergarderobe einzukaufen. Und im Internet muss man keine Tüten schleppen.

Wie stehen Sie zu Werbung im Internet?

etwas erledigen möchte. Alles, was mich ablenkt, stört mich. Ein Magazin lese ich als Freizeitbeschäftigung und die Werbung stört nicht. Und das Tracken finde ich unheimlich.

Was ist derzeit Ihre größte Herausforderung abgesehen von Walter?

Die Balance zu finden, die richtigen Jobs anzunehmen und mit den richtigen Partnern zusammen zu arbeiten.

Mit welchen arbeiten Sie denn aktuell?

Cloe, Louis Vuitton, Gucci, Mango und Nike. Wenn man zu viel werbliche Sachen macht, kann man nicht mehr verlangen, dass die Follower alles glauben. Ich suche bewusst Dinge aus, die zu mir passen. Man kann nicht alles annehmen, dann ist es irgendwann vorbei.

Ihr persönliches Erfolgsrezept?

Ich liebe die Freiheit, meinen eigenen Stil zu kreieren. Ich trage nur Teile, die zur mir passen, meinen Stil widerspiegeln. Komplettlook von einem Partner gibt es bei mir nicht. Denn ich komme aus dem Styling-Eck, war Stylistin bei Jolie, Harper‘s Bazaar und My Theresa. Wenn die Partner das nicht akzeptieren, dann mache ich das einfach nicht mehr.

Von: Dagmar Lang