»Zahlen wie rund um Weihnachten«
willhaben.at
Sylvia Dellantonio, Geschäftsführerin von willhaben.at
Sylvia Dellantonio, Geschäftsführerin von willhaben.at

Die heimische Second-Hand-Plattform willhaben.at erfreut sich zurzeit besonders großer Beliebtheit. Die Textilzeitung sprach mit Geschäftsführerin Sylvia Dellantonio.

Es sieht so aus, als ob zurzeit mehr Leute auf willhaben.at handeln – weil sie Zeit zum Aussortieren, wenige andere Möglichkeiten zum Einkaufen haben oder weil ihnen schlicht langweilig ist. Können Sie diesen Eindruck bestätigen?

Sylvia Dellantonio: Wir haben zu Beginn der Ausgangsbeschränkungen auch aktiv dazu aufgerufen, die Zeit zuhause zu nutzen und nicht mehr benötigten Gegenständen auf willhaben ein zweites Leben zu schenken. Eventuell war bzw. ist in diesen Tagen mancherorts auch noch etwas mehr Zeit für die Gestaltung der Anzeigen, man kann besonders viele Fotos machen bzw. die Beschreibung etwas ausführlicher formulieren. Das Frühjahr ist grundsätzlich immer eine besonders starke willhaben-Zeit. Es werden im Moment 30 % mehr Anzeigen aufgegeben, aber auch um 30 % mehr Anfragen gestellt. Bei einem Gesamtvolumen von mehr als 7 Millionen gleichzeitigen Angeboten gehen damit jede Sekunde zwei neue Anzeigen online.

Bemerken Sie zurzeit einen erhöhten Traffic auf der Plattform?

Unsere gezielten Impulse wie kostenlose Jobs für heimische Unternehmen, Kooperationen mit Direktvermarktern wie landwirt.com oder auch unsere „Versand statt Hand zu Hand“-Kampagne wurden gut angenommen. Auch dadurch zeigte sich in den vergangenen Wochen immer ein recht stabiles Traffic-Bild. In den ersten „Corona-Wochen“ bewegte sich der Web-Traffic etwa auf Vorjahresniveau, was mit rund 2 Mio. Besuchen und mehr als 60 bis 80 Mio. Seitenaufrufen pro Tag trotzdem enorm ist. In den vergangenen beiden Wochen sehen wir dazu außerordentliche Nutzungssteigerungen von 10 bis 25 % zum Niveau vor Corona und 40 bis 50 % im Vergleich zum Vorjahr. Das unterstreicht, dass wir aufgrund des umfangreichen Angebots auch in Krisenzeiten ein unkomplizierter, täglicher Begleiter für die Menschen in Österreich sind.

Welche Dinge werden jetzt besonders gerne gekauft oder verkauft?

Einen starken Anstieg an Anzeigen gibt es zurzeit in den Bereichen Baby und Kind, Wohnen und Haushalt, Spiele und Spielzeug sowie Bücher, Filme und Musik. In den vergangenen Wochen haben wir zudem eine starke Nachfrage nach Geräten und Infrastruktur für den Home-Office-Arbeitsplatz verzeichnet. So sind z. B. Webcams, Headsets, Computermäuse, Notebooks, Drucker und Monitore aktuell hoch im Kurs. Neben IT-Infrastruktur gibt es auch großes Interesse an digitalen wie klassischen Spielen. Spielekonsolen und die dazugehörigen Games, aber auch Brettspiele, Puzzles und Lernspiele werden verstärkt gefragt. Manche Zahlen übertreffen sogar die Rekord-Werte rund um Weihnachten.

Dinge auf Second-Hand-Plattformen zu kaufen oder zu verkaufen ist nicht zuletzt ein Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. Welchen Stellenwert hat dieses Thema für Sie? Denken Sie, dass die jetzige Krise auch zu einem überlegteren Konsum führen könnte?

Absolut, österreichweit nutzt bereits jeder Zweite regelmäßig willhaben und schafft mit dem Kauf und Verkauf auf dem Marktplatz nicht nur einen gesellschaftlichen, sondern auch einen ökologischen Mehrwert. Dingen ein zweites Leben zu schenken – so kann man die Grundlage vieler willhaben-Aktivitäten und -Bestrebungen in einem Satz zusammenfassen. Egal ob Kleidung, Möbel, Elektronik oder andere Gegenstände, viele Dinge finden auf diesem Weg neue Besitzer, die Freude an ihnen haben. In Summe sparen wir gemeinsam mit den willhaben-Nutzern jedes Jahr rund 200.000 Tonnen CO2 und generieren damit einen Öko-Mehrwert, der mehr als 15 Millionen Bäumen entspricht. Das ist auch etwa der CO2-Bedarf für die Produktion von mehreren hunderttausenden Waschmaschinen oder 55 Millionen Baumwoll-T-Shirts.

Tatsächlich bin ich überzeugt, dass die aktuelle Krise einige kräftige Denkanstöße bietet und – wir merken das ja auch an der aktuellen Diskussion zum Kauf bei heimischen Händlern und Produzenten – nun noch mehr Bewusstsein für überlegten Konsum geschaffen wird. Auch wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, indem wir ansässigen Anbietern verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung stellen, um ihre Produkte online zu vertreiben – auch ganz ohne eigenen Onlineshop. So erhalten regionale Produkte noch mehr Aufmerksamkeit, die Transportwege werden kürzer, die Wertschöpfung bleibt im Land und auch der Umwelt tut es gut.

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