Welt ohne Messe(n)?
Panorama Berlin

Aufgrund der Coronavirus-Epidemie werden globale Leitmessen abgesagt, Modeschauen per Livestream übertragen. Unabhängig davon hat die Panorama in Berlin gestern Insolvenz beantragt. Ein Kommentar.

In Salzburgs Kirchen wird seit letzter Woche auf Weihwasser verzichtet. Aber auch die irdischen Messen hat das Coronavirus ins Schleudern gebracht. Kein Genfer Autosalon, keine Tourismusmesse ITB, keine IWA OutdoorClassics in Nürnberg, keine Baselworld für die Uhren- und Schmuckindustrie...

Die Modemessen fanden schon vor der großen Corona-Panik statt und kamen damit mit blauen Augen davon. Doch gelitten haben die Modemessen freilich schon vor der Pandemie. Der gestern gestellte Insolvenzantrag der Panorama, wohl auch ein Ergebnis des großspurigen und vollkommen nutzlosen Umzugs nach Tempelhof, ist hoffentlich das letzte Kapitel des krampfhaften Wunsches, neben der Premium ein weiteres Messeformat in Berlin zu etablieren.

Das Medium Messe steht seit langem auf dem Prüfstand. Zu träge, zu teuer, zu analog. Dass jetzt ganze Branchen ohne ihre Leitmessen auskommen (müssen), könnte dem internationalen Messe-Business dauerhaft schaden. Der Vertrieb wird neue (oder auch alte?) Wege zum Kunden finden. Dieser wiederum spart Reisekosten und Zeit. Beides empfand er zuletzt nicht mehr gut investiert in einen Messebesuch.

Schlägt jetzt die große Stunde der digitalen Showrooms? Oder, ganz im Gegenteil: Gewinnen kleinere Veranstaltungen und lokale Messen wieder an Bedeutung? Auf die Frage, ob der internationale Schauen-Zirkus noch Berechtigung hat, gibt es seit Corona jedenfalls eine klare Antwort: nein! 

stats