Wegen vieler Demos: Wiener City-Kaufleute war...
Wegen vieler Demos

Wiener City-Kaufleute warnen vor Geschäftesterben

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Kriegsstimmung statt Shopping-Ambiente orten die Wiener City-Kaufleute derzeit oft.
Kriegsstimmung statt Shopping-Ambiente orten die Wiener City-Kaufleute derzeit oft.

Unhaltbare Zustände orten die Wiener City-Kaufleute angesichts der wöchentlichen Anti-Corona-Demonstrationen. Während die Touristen als Kunden weiterhin fehlen, würde nun auch die lokale Kundschaft verschreckt.

Die Kaufleute der Wiener City haben genug von den Protestmärschen, die in der Corona-Pandemie (zu) oft stattfinden. Sie warnen in einem offenen Brief an die Stadtregierung vor einem Geschäftssterben und fordern eine Verlegung von Demonstrationen. »Je nach Branche fehlen zwischen 25 und 70 Prozent der Kundschaft«, heißt es in dem an den Bürgermeister, den Wirtschaftsstadtrat und den Standortanwalt gerichteten Schreiben. »Das Ungleichgewicht zwischen der Sicherung des verfassungsmäßig garantierten Grundrechts der Versammlungsfreiheit und jenem der Erwerbsfreiheit wird von Woche zu Woche größer.«

Marie-Béatrice Fröhlich, Geschäftsführerin des Wiener Traditionsunternehmens Zur Brieftaube und Betreiberin des Paul&Shark-Stores am Graben, ist Sprecherin der Innenstadt-Initiative Wien (m)Eins. »Genug ist genug«, sagt sie nun. »Die City leert sich unaufhaltsam. Woche für Woche wird demonstriert und Medien rufen dazu auf, den ersten Bezirk zu meiden. Die Frequenz leidet ohnehin schon extrem durch die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen.« Freizeittouristen würden ebenso weiterhin ausbleiben wie Berufsreisende. Darüber hinaus falle durch das Aussperren eines Teils der Bevölkerung gemäß den 2G-Regeln mindestens 20 % der lokalen Kundschaft weg. Dazu kämen noch Faktoren wie Homeworking, die Sorge um Gesundheit und Sicherheit bei großen Kundengruppen sowie die fehlenden Kaufanlässe und das allgemeine Stimmungstief. »Das alles führt zu einem massiven Frequenzproblem in der Innenstadt«, so Fröhlich.

„Wir beißen seit zwei Jahren durch und tun alles in unserer Macht Stehende, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten. Aber nach den letzten Wochen reicht es uns.“
Marie-Béatrice Fröhlich, Sprecherin der Innenstadt-Initiative Wien (m)Eins
Zu all dem würden nun noch die teils mehrmals wöchentlich stattfindenden und immer wieder ausufernden Demonstrationen hinzukommen. Eine Zufahrt per Auto oder Straßenbahn sei nicht nur an den Demo-Tagen regelmäßig unmöglich, vielmehr würden Medien oft schon ab Freitag dazu aufrufen, die Stadt zu meiden. »Hubschrauber, die über die City kreisen, verbreiten eher Kriegsstimmung als Shopping-Ambiente«, heißt es in dem offenen Brief. Vor allem ältere Leute würden sich nicht mehr in den ersten Bezirk trauen.

Konkret fordert die Plattform nun, »die Menge der Demonstrationen in der Innenstadt zu reduzieren, indem sie zum Beispiel an andere Orte verlegt werden oder zumindest nicht stets zu Geschäftszeiten, insbesondere jeden Samstag, dem an sich einkaufsstärksten Tag der Woche, stattfinden«. Hingewiesen wir auch auf die ungenügenden und zögerlich ausgezahlten staatlichen Unterstützungsleisten für Betriebe. »Im Textileinzelhandel sind 20 % Ersatz des Umsatzverlustes im Rahmen des Ausfallsbonus III ein minimaler Tropfen auf den heißen Stein«, so Fröhlich »Wir beißen seit zwei Jahren durch und tun alles in unserer Macht Stehende, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten. Aber nach den letzten Wochen reicht es uns.«
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