Vertrieb: Outlet-Center haben sich rasch erho...
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Outlet-Center haben sich rasch erholt

Outletcity Metzingen

Die extrem modelastigen Outlet Center waren während des Lockdowns in der Regel komplett geschlossen. Mittlerweile sind die Umsätze hier aber schon fast wieder auf Vorjahresniveau.

Der deutsche Unternehmensberater ecostra analysiert im Rahmen der laufenden Grundlagenforschung seit Jahren den Stand und die Entwicklung der Outlet Center in Europa. Die Ergebnisse werden unter anderem in einer vierteljährlich aktualisierten Marktübersicht dargestellt. Die aktuelle Studie beschäftigte sich naturgemäß auch mit den Auswirkungen von Covid-19 auf die Center.

Da in Outlets üblicherweise keine Geschäfte sind, die für die Grundversorgung der Bevölkerung notwendig sind – also Lebensmittel- oder Drogeriemärkte – waren diese Standorte während des Lockdowns komplett geschlossen. Entsprechend heftig waren auch die Auswirkungen auf die Umsätze der dort eingemieteten Händler. Seit der Wiederöffnung der Läden zeigt sich aber, dass sich die Outlet Center sehr viel schneller wieder den Vorjahreswerten an Frequenz und Umsatz angenähert haben als klassische Einkaufszentren oder Citylagen. »Während die meisten Einkaufszentren noch nicht einmal bei 70 Prozent des Vorjahres angekommen sind, liegen uns Informationen vor, dass die meisten Outlet Center den Vergleichswert des Vorjahresmonats bereits erreicht haben. Manche liegen sogar schon bei über 100 Prozent«, erklärt ecostra-Geschäftsführer Dr. Joachim Will. Und das, obwohl es in den Innenstädten eigentlich die besseren Schnäppchen gäbe: »Die unverkaufte Frühjahrsware und der wirtschaftliche Druck zur Verbesserung der Liquidität der Handelsunternehmen hat dazu geführt, dass alle Schwüre bei der Rabattierung Zurückhaltung zu üben, schnell Makulatur wurden. Preisreduzierungen von 50 Prozent und mehr sind so eher die Regel als die Ausnahme. Die besseren Rabatte gibt es im Moment daher in der Innenstadt!«

Eine Frage der Lage

Dennoch stürmten Kunden weltweit die Outlets, was punktuell sogar zu Verkehrsstaus und langen Warteschlangen vor den Läden führte. Im britischen Bicester war der Andrang dermaßen groß, dass umgehend Rufe laut wurden, das dort befindliche Center wieder zu schließen, um nicht einen neuen Corona-Cluster zu schaffen. Allerdings hängt der Besucherzuspruch sehr vom Standort des Centers ab: »Outlet-Standorte, welche bisher über hohe touristische Kundenanteile aus anderen Ländern und hier vor allem China oder Russland verfügten, sind noch ein gutes Stück vom Vorjahresniveau entfernt. Denn diese Klientel unterliegt nach wie vor sehr restriktiven Reisebeschränkungen und fällt derzeit fast komplett aus«, so Will. Besucher aus diesen Ländern trugen aber bislang in wesentlichem Umfang zu den Umsätzen, vor allem der Premium-Marken, in den Outlets bei. »Center mit einem überwiegend mittelpreisigen oder gehobenen Markenbild und einem einwohnerstarken regionalen Einzugsgebiet sind dagegen bisher weitaus besser aus der Krise gekommen.«

Eine Reihe klangvoller Markennamen kam nicht zuletzt durch Corona wirtschaftlich ins Trudeln. Mittlerweile kommt es fast täglich zu neuen Insolvenzen. Sofern diese Marken nicht über einen eigenen Online-Store verfügten, waren in der Phase des Lockdowns sämtliche Distributionskanäle, blockiert: »Das hat nun einigen Herstellern, die bereits vorher auf wackligen Beinen standen, den Rest gegeben!« Derzeit sind viele Lager voll, es müsste aber Platz für die neuen Kollektionen geschaffen werden. »Bisher können wir in den meisten Outlet Stores aber noch keinen exorbitanten Warendruck und ungewöhnlich hohe Rabattierungen erkennen“, berichtet der ecostra-Geschäftsführer. »Auch wäre zu vermuten, dass nun ein Run auf die noch verfügbaren Ladenflächen in den Fabrikverkaufszentren losgeht. Auch dies ist noch nicht zu erkennen. Denn aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit zögern derzeit viele Marken längerfristige Mietverträge abzuschließen. Gesucht sind aktuell vor allem Flächen für temporäre Pop-Up-Stores.«

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