Umsatzrückgänge im gesamten Non-Food-Handel

Umsatzrückgänge im gesamten Non-Food-Handel

Stephan Doleschal
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands

Laut Handelsverband sind bereits 80 % der heimischen Non-Food-Händler von Umsatzrückgängen betroffen. Der Modehandel gehört zu den am stärksten betroffenen Branchen, sagt Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will im Interview.

Wie geht es dem Einzelhandel? Sie haben ja schon zu Wochenbeginn von Frequenz- und Umsatzrückgängen von teils über 30 % im Non-Food-Handel gesprochen.

Wir sammeln aktuell noch weitere Rückmeldungen aus unserem Mitgliederkreis. Unser erstes Fazit: Rund 80 % der heimischen Non-Food-Händler sind bereits von Corona-bedingten Umsatz- bzw. Frequenzrückgängen betroffen, wobei sich die Lage seit Anfang dieser Woche nochmal deutlich verschärft hat. Die heftigsten Frequenzrückgänge verzeichnen aktuell die Shoppingzentren, aber auch Outlets und innerstädtische Einkaufsstraßen in touristischen Regionen sind stark betroffen. Am schwierigsten ist die Situation aktuell in der Luxusgüterbranche, im Schmuck-, Mode- und Schuhhandel sowie seit dieser Woche auch im Direktvertrieb.

Der Handelsverband fordert von der Politik ein Stabilitätspaket analog zu Luftfahrt und Tourismus. Gibt es hierzu bereits Signale aus der Politik?

Richtig, der Handel darf im Sinne der Fairness in der aktuellen Situation nicht von Stabilitätspaketen ausgespart bleiben. Insbesondere KMU-Händler und selbstständige Kaufleute brauchen möglichst unbürokratische Unterstützung. Konkret fordern wir daher 5 Sofortmaßnahmen für den heimischen Non-Food Handel, um die aktuellen/erwartbaren Umsatzeinbrüche abzufedern. Diesbezüglich stehen wir mit der Bundesregierung in informellen Gesprächen.

  • Maßnahme 1: Erhöhte Budgetmittel für Kurzarbeit für betroffene Händler aller Größenklassen vorsehen
  • Maßnahme 2: Kurzarbeit vor allem für KMU unbürokratisch bewilligen
  • Maßnahme 3: Zahlungsaufschübe für Steuern und Abgaben zinsfrei bewilligen
  • Maßnahme 4: Temporäre Zuschüsse für Mietzahlungen
  • Maßnahme 5: 100 Millionen Euro Haftungsübernahmen für Working-Capital Kreditlinien im ersten Schritt

Wie stark ist der heimische Einzelhandel von Lieferverzögerungen betroffen?

Die Schäden durch Produktionsausfälle, gestörte Lieferketten sowie eingeschränkte Konsummöglichkeiten sind vor allem in China und Südkorea beträchtlich. Beide Länder sind wichtige Handelspartner für Österreich. Hinzu kommen vorübergehende Produktionsstopps, von denen auch heimische Unternehmen betroffen sind, die im Reich der Mitte fertigen lassen. Mittelfristig sind allerdings fast alle Branchen, Hersteller und Händler davon betroffen – seien es Smartphones, Möbel, Maschinenteile oder Vitaminpräparate. Was Italien betrifft, ist die Situation eine andere. Die Produktion in Italien wurde ja nicht eingestellt, auch der Güterverkehr geht weiter. Daher sehen wir aktuell – zumindest was die Supply Chain mit Italien betrifft – noch keine größeren Probleme oder Lieferengpässe.

Die gute Nachricht: Im Lebensmittelhandel ist die Versorgungssicherheit bestens gewährleistet. Wenngleich die Nachfrage nach lange haltbaren Lebensmitteln zuletzt höher war, stellen die besten technischen Bestellsysteme sicher, dass den Konsumenten wie gewohnt die volle Bandbreite an Lebensmitteln zur Verfügung steht. Für den Nachschub an Lebensmitteln ist im heimischen Handel auch weiterhin gesorgt. Der Lebensmittelhandel gewährleistet die Versorgungssicherheit der österreichischen Bevölkerung zu 100 Prozent.

Welche Vorkehrungen sollte der Handel in der derzeitigen Situation treffen, um so gut wie möglich durch diese Krise zu kommen?

Die Händler selbst haben ihre Hausaufgaben gemacht – viele Produkte, die im asiatischen Raum gefertigt werden, wurden auf Vorrat bestellt, um etwaige Lieferengpässe bestmöglich zu vermeiden. Im Sinne der betrieblichen Fürsorgepflicht werden die eigenen Mitarbeiter laufend geschult und informiert, um ihre Sicherheit zu gewährleisten und sie vor Infektionen zu schützen. Hygienevorgaben werden penibel eingehalten und interne Events verschoben.

Um dennoch etwaige existenzbedrohende Folgen für Händler abzufedern, fordern wir von der Politik und den Sozialpartnern ein unmittelbares Stabilitätspaket mit den erwähnten Sofortmaßnahmen. Es braucht jetzt dieses durchdachte Paket an Sofortmaßnahmen für Händler aller Größenklassen, die unter Corona-bedingten Umsatzeinbrüchen leiden. Der Fokus muss auch auf KMU aller Branchen liegen, die das volkswirtschaftliche Rückgrat Österreichs bilden.

Seitens des Handelsverbandes haben wir eine eigene Informationsseite eingerichtet, um unseren Beitrag zur sachlichen Information und Aufklärung für den österreichischen Handel und die heimischen Konsumenten zu leisten. Im Coronavirus InfoCenter des Handelsverbandes laufen sämtliche relevanten Informationen zu diesem Thema zusammen.

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