Turbulenzen bei Esprit: CEO Kristiansen geht,...
Turbulenzen bei Esprit

CEO Kristiansen geht, Zentrale künftig in Hongkong

Esprit

Esprit kommt nicht zur Ruhe. Kaum wurden die Insolvenzverfahren in Deutschland beendet, müssen der CEO und der CFO gehen. Das Unternehmen wird künftig von Hongkong aus gesteuert.

Eigentlich sah es nach einem halbwegs erfreulichen Jahresende für Esprit aus: Die Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung über sechs wichtige deutsche Konzerngesellschaften wurden mit Ende November aufgehoben, das Europageschäft wurde damit als »neu aufgestellt« bezeichnet. Doch nun kommt die überraschende Nachricht, dass sowohl CEO Anders Kristiansen als auch CFO Johannes Schmidt-Schultes spätestens mit Ende Februar 2021 das Unternehmen verlassen. Nachfolger würden gesucht.

Teilerfolge bei der Sanierung

Kristiansen wurde im Juni 2018 zum CEO des Mainstream-Anbieters ernannt, er hat seither an der Sanierung und Repositionierung des schwer angeschlagenen Unternehmens gearbeitet. Schmidt-Schultes war seit Oktober 2019 an Bord und hat den Modekonzern insbesondere durch die jüngste Insolvenzverfahren gesteuert und harte Einschnitte verantwortet. So wurde etwa das Netz an eigenen Filialen am wichtigsten Markt Deutschland auf nur noch 50 Standorte verkleinert, 1.100 Arbeitsplätze in den Filialen und in der Zentrale in Ratingen wurden gestrichen. Dass der Umbau alles andere als abgeschlossen ist, zeigen jedoch die Zahlen für das Geschäftsjahr 2019/20 (per 31. Juni): Der Umsatz sank um ein Viertel auf nur noch 1,13 Mrd. Euro, der Verlust verdoppelte sich hingegen auf 458 Mio. Euro.

Unstimmigkeiten mit den Aktionären

Hintergrund der überraschenden Abberufung der Konzernführung ist offenbar eine Veränderung in der Eigentümerstruktur. Seit Juli hat Esprit mit dem Hongkonger Privatunternehmen North Point Talent einen neuen Großaktionär. Hinter diesem Investmentvehikel steht die Milliardärin Karen Lo. Sie hatte schon bei ihrem Einstieg eine neue Geschäftsführung installieren wollen, war aber mit ihren Plänen vorerst gescheitert. Auch die zweite Forderung Los, die Übersiedlung der Firmenzentrale nach Hongkong, wird nun Realität. »Es ist die Absicht der Gruppe, die globalen Verwaltungsfunktionen in Hongkong zu konzentrieren«, teilt das Unternehmen mit. Auch die neue Geschäftsführung werde dort angesiedelt sein.
Esprit hatte schon bisher seinen Hauptsitz in Hongkong und notiert auch an der dortigen Börse. Operativ wurde das Unternehmen allerdings aus der deutschen Zentrale in Ratingen gesteuert. Welche Folge die nunmehrige Entscheidung auf den Standort Ratingen hat, ist noch unklar.
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