Tracht: Aus H.Moser wird »Felicitas« und »Han...
Stapf

Drei Jahre nach der Übernahme von H.Moser trennt sich die Eigentümerfamilie Proft nun auch vom Firmennamen. Es ist dies der letzte Schritt einer kräftigen Modernisierung des Salzburger Traditionsunternehmens.

Es sind bewegte Zeiten, die das Ehepaar Katharina und Sebastian Proft hinter sich haben. Im Juli 2019 übernahmen sie die Salzburger Firma H.Moser, damals hatten die Eigentümer des bayrischen Modehauses Dollinger schon die erfolgreiche Neuausrichtung des Walkspezialisten Stapf hinter sich. Kaum begann man, den Trachtenhersteller tatkräftig zu erneuern, bekam das Unternehmen die Auswirkungen der ersten Corona-Welle voll zu spüren. Eine Restrukturierung und ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung waren die Folgen. Jetzt ist man auf einem guten Weg, so Sebastian Proft: »Wir haben in dieser Zeit keinen einzigen Kunden im Fachhandel verloren, erfüllen den Sanierungsplan und bedienen zuverlässig die Quote von 30 %.«

Der Herrentracht, auch sie jünger und deutlich moderner aufgemacht, wurde schon bald in die Kollektion »Hans« ausgelagert, die Frauentracht blieb unter H.Moser am Markt. »Die Situation rund um den Markennamen, einerseits mit den bestehenden Einzelhandelsfilialien der Familie Moser und anderseits mit dem bayerischen Trachtenhaus gleichen Namens, führten immer wieder zu Verwirrung, also entschieden wir uns für eine vollständige Umbenennung.« »Felicitas« heißt die Frauentracht nun ab der Saison Frühjahr/Sommer 2023, es ist dies eine Reminiszenz an Profts Großmutter. Proft: »Wir haben den Relaunch der Marke nun abgeschlossen, die Namensfrage war der letzte Mosaikstein.« Man sei stolz auf die Neufindung der Marke: „»Bei Dollinger und Stapf haben wir Marken übernommen, die wir im Produkt und im Markenauftritt modernisierten, aber in ihrer DNA gleich beließen. Bei H.Moser war es ein viel weiterer Weg zwischen dem Ausgangspunkt der Marke und den heutigen Werten und Inhalten.«

Corona, sagt Proft, habe den Markt insgesamt durcheinandergewirbelt, daher »vielleicht sogar ein guter Zeitpunkt, um eine so grundsätzliche Erneuerung anzupacken«. Man habe das Systemgeschäft in der Gastronomie und Hotellerie auslaufen lassen sowie Chancen genützt (Proft: »Unser Lagergeschäft ist aktuell deutlich größer als 2019«). Felicitas, sagt Proft, stehe heute für moderne, nachvollziehbare Produkte aus nachhaltigen Stoffen, die ausschließlich in Europa gewebt und bedruckt werden. Die runderneuerte Kollektion wird nicht nur im Homeland Salzburg, sondern auch auf internationalen Plattformen in Berlin, Düsseldorf oder Kopenhagen gezeigt.

Salzburg bleibt als Standort

Mit welchen Erwartungen gehen die Felicitas-Eigner in die neue Saison? »Wir merken aktuell, dass die Nachfrage wieder steigt, in die Orderrunde starten wir mit begründetem Optimismus«, sagt Proft. Auch wenn sich der generelle Strukturwandel der Branche weiterhin in einer enormen Spreizung im Markt bemerkbar mache: Einerseits jenen  Kunden, die wieder stabil gute Umsätze erzielen und jenen, die »immer noch kämpfen« auf Vorkrisen-Niveau zurückzukommen. Neuer Name, neuer Modegrad – nur am Heimatort Salzburg wird sich weiterhin nichts ändern. Noch bis Ende 2022 werden die Marken Hans und Felicitas im ursprünglichen H.Moser-Stammsitz eingemietet bleiben, dann sollen neue Räumlichkeiten in Salzburg bezogen werden. Für Sebastian Proft ein wichtiges Zeichen der Kontinuität: »Wir wollen ein Salzburger Erzeuger bleiben, das ist die Heimat unserer 18 Mitarbeiter und gehört für uns zur Glaubwürdigkeit, die die Marke ausstrahlt.«

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