STUDIE SIEHT MODENHANDEL ALS VERLIERER: Wann ...
STUDIE SIEHT MODENHANDEL ALS VERLIERER

Wann kommt Exit von Corona?

HERBERT P. OCZERET / APA / picturedesk.com

Das Institut für Mittelstandsforschung hat analysiert, wie einzelne Wirtschaftsbereiche den Shutdown Schritt für Schritt beenden können.

Ein entsprechendes Papier des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn, das sich an die Mittelstandsabteilungen des NRW-Wirtschaftsministeriums und des Ministeriums auf Bundesebene richtet, wurde soeben veröffentlicht. Darin haben sich die Forscher damit befasst, wie die einzelnen Branchen im Mittelstand den Shutdown nach und nach beenden und zur Normalität zurückkehren können. Die zentralen Fragen dabei sind, wie viel Zeit die Unternehmen der jeweiligen Branchen brauchen werden, um ihr Geschäft wieder hochzufahren und ob sie anschließend auf weitere Hilfen angewiesen sein werden. Beim IfM ist man jedenfalls überzeugt: »Ein möglicher Fehlschlag wäre mit erheblichen Risiken verbunden.«

Modehandel am schwersten betroffen

De Papier zufolge brauchen Handelsunternehmen durchschnittlich ein bis zwei Wochen Zeit, um sich auf die Öffnung ihrer Geschäfte vorzubereiten. Diese gelte jedoch nicht unbedingt für Unternehmen, die Saisonware bereits vorrätig haben. Das IfM empfiehlt – aus psychologischen Gründen - vor allem, kleinere Läden wieder zu öffnen, allerdings mit begrenztem Eintritt. Im normalen Einzelhandel und im gehobenen Facheinzelhandel erwartet das IfM Nachholeffekte. Kunden werden sich folglich Produkte zulegen, die sie während des Shutdowns nicht kaufen konnten. Man geht bei diesen Unternehmen daher nicht von drastischen Beschäftigungseffekten aus.

Ganz anders sieht die Sache jedoch im Modehandel aus: Dort rechnet man nicht damit, dass die Käufe nachgeholt werden, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Konsumenten bereits während des Lockdowns Mode online geshoppt haben.

Dennoch warnt das Institut vor allzu schnellen und hohen finanziellen Hilfen: »Weitreichende Unterstützungen für strukturell gefährdete Einzelhandelsunternehmen sind ordnungspolitisch problematisch und sollten trotz der daran hängenden Arbeitsplätze nur zurückhaltend gewährt werden.«

Gut aufgestellt

Das verarbeitende Gewerbe dagegen ist durch eine vergleichsweise hohe Eigenkapitalquote gut gerüstet für die aktuelle Situation und wird durch Kredithilfen und Kurzarbeit über die Runden kommen, so die Einschätzung des Instituts. Großflächige Produktionsstilllegungen blieben bisher auf den Bereich der Automobilindustrie beschränkt. Unternehmen, die wegen gestörter Lieferketten erst später die Produktion aufnehmen können und möglicherweise in anderen Regionen noch vom Shutdown betroffen sein werden, könnten mehr Hilfe benötigen. Die Situation der Zulieferer sehen die Autoren hingegen sehr kritisch. Diese meist kleinen Betriebe benötigen mehr Hilfen, auch weil sie ihre Produktionen nicht so leicht anpassen können. Sie haben diese daher eher stilllegen müssen als größere Unternehmen. Hier rechnet das IfM auch mit einem Stellenabbau.

stats