Premium-Markt: Generationswechsel bei Frauens...
Premium-Markt

Generationswechsel bei Frauenschuh

Frauenschuh
von links nach rechts: Lauren (Design), Andrea (Ehefrau von Kaspar Frauenschuh, Einkauf), Kaspar (CEO), Jakob (Kommunikation, operatives), Marie-Paule (in Ausbildung) und Simon Frauenschuh (Vertrieb)
von links nach rechts: Lauren (Design), Andrea (Ehefrau von Kaspar Frauenschuh, Einkauf), Kaspar (CEO), Jakob (Kommunikation, operatives), Marie-Paule (in Ausbildung) und Simon Frauenschuh (Vertrieb)

Gleich vier Geschwister rücken an die Spitze der Kitzbüheler Premiummarke Frauenschuh nach. Sie wollen nun mit Brandstores expandieren.

Bei Frauenschuh kommt die dritte Generation ans Ruder. Kaspar Frauenschuh, 67 und derzeit alleiniger Geschäftsführer, will sich nach und nach zurückziehen und die Verantwortung an seine Kinder übergeben. Jakob Frauenschuh ist schon seit rund zehn Jahren im Unternehmen und derzeit für Kommunikation und operative Angelegenheiten zuständig. Schwester Lauren arbeitet führend im Design mit. Neu eingestiegen ist zuletzt Simon Frauenschuh, der die Agenden Vertrieb und E-Commerce übernommen hat. Die vierte im Bunde, die jüngste Schwester Marie, soll nach dem Abschluss ihres Studiums am Londoner King’s College (Business Management) hinzustoßen.
»Es ist nicht selbstverständlich, dass in einem Familienunternehmen jeder seinen eigenen Bereich findet«, sagt Simon Frauenschuh. »Aber wir haben das ausgezeichnet geschafft. Es macht große Freude, mit meinen Geschwistern zusammenzuarbeiten.«

Store-Expansion

Als erstes sichtbares Zeichen der Erneuerung wurde auf Sylt in Kampen der erste Franchisestore der Marke eröffnet. Franchisenehmer ist Top-Händler Michael Meyer, der auf Sylt Multilabel-Geschäfte ebenso betreibt wie Marken-Stores von Brands wie Moncler und Burberry sowie Standorte von Brunello Cucinelli und Marc Cain in weiteren deutschen Städten. Unter eigenem Namen betreibt Michael Meyer auch einen Multibrand-Store in Kitzbühel. Erst im Juli eröffnet, läuft das Geschäft auf Sylt laut Simon Frauenschuh vom Start weg »hervorragend«: »Unsere Umsatzerwartung wurde klar übertroffen.« Die Corona-Krise habe man an diesem Standort nicht gespürt, der Inlandstourismus sei heuer besonders stark gewesen.
Den Ursprung in der Skibekleidung habe man nicht abgelegt, »doch wird bieten mittlerweile auch eine tolle Sommerkollektion an, die auf Sylt perfekt passt«, so der Junior-Chef. Walkartikel, dreilagige Regenjacken, Cashmere kommen auf der Nordseeinsel auch im Sommer öfters zum Einsatz.
Für den neuen Vertriebschef ist der neue Store wegweisend – weitere Monobrand-Verkaufspunkte in den Modehauptstädten Paris, München und London sind für 2021 geplant. »Wir sehen uns bereits Immobilien an.«

Intensive Multibrand-Partnerschaften

Von den Expansionsplänen lässt man sich durch Corona nicht bremsen – im Gegenteil erhofft man sich etwas niedrigere Mietbelastungen. In der Krise hat sich Frauenschuh bisher besser gehalten als so manch anderer Branchenteilnehmer. Die Schließung der Einzelhandelsgeschäfte hat das Unternehmen klarerweise getroffen. »Andererseits besinnen sich viele Kunden jetzt darauf, verstärkt Dinge zu kaufen, die qualitativ hochwertig, langlebig und nachhaltig sind.« Insgesamt sei man »mit vielen neuen Erkenntnissen aus der Krise gekommen«, so Simon Frauenschuh.
Der Multibrand-Vertrieb soll weiterlaufen, jedoch exklusiver werden. »Wir streben weniger, dafür intensivere Partnerschaften an«, so Simon Frauenschuh. »Markensammler sind für uns nicht sehr interessant.« Der weiterhin gut funktionierende Frauenschuh-Store in Kitzbühel soll mit seinem Multibrand-Profil erhalten bleiben.

Masterpieces-Konzept

Das Sortimentskonzept von Frauenschuh ist wohl in der gesamten Branche einzigartig: Saisonale Kollektionen im klassischen Sinn gibt es keine. Stattdessen gibt es eine permanente Masterpieces-Kollektion, die aus Klassikern wie der Lammfelljacke, dem Lodenparka oder der Jet-Skihose besteht und derzeit 48 Teile umfasst. Dazu kommen sechs bis acht »Drops« pro Jahr mit saisonalen, aktuellen Artikeln, die frischen Wind auf die Flächen bringen sollen. Denn der Kern der Frauenschuh-Philosophie ist es seit jeher, »Ware ohne Ablaufdatum« zu produzieren – was automatisch den Verzicht auf jegliche Abverkaufs-Aktionen bedeutet.

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