Positive Zeichen am Retail-Markt

Positive Zeichen am Retail-Markt

Alex Halada
Kärtner Straße Wien
Kärtner Straße Wien

Zahlreichen Insolvenzen stehen auch symbolwirksame Investitionen gegenüber. Nur in den absoluten Spitzenlagen steigen die Mieten weiter.

Der Markt für Einzelhandelsflächen war im ersten Halbjahr 2019 laut dem Immobilienberater EHL weiterhin »der wahr­scheinlich herausforderndste Teilbereich des gesamten österreichischen Immobilienmarkts«. Doch trotz des weiterhin großen Wachstums des Onlinehandels war erstmals seit 2012 wieder ein Wachstum der Handelsflächen zu verzeichnen: Die Verkaufsflächen stiegen um knapp 100.000 m² auf nunmehr 13,8 Millionen m². Positive Signale sind auch der Baubeginn für die erste Ikea-Filiale in zentraler Stadtlage neben dem Wiener Westbahnhof und die Ankündigung der Signa, bis 2023 ein Luxuskaufhaus auf der Wiener Mariahilfer Straße zu entwickeln.

Modehandel rückläufig

Bedenklich war hingegen eine Reihe von Insolvenzen insbesondere in der Textilbranche. Das erste Halbjahr brachte das endgültige Aus für die Marken Vögele, BikBok und Carlings während Mister Lady 13 seiner 35 Filialen, vornehmlich in Fachmarkt-und Einkaufszentren, schließen musste. Die verminderte Flächennachfrage aus dem Fashionbereich wird durch die Branchen Sport und Gastronomie kompensiert, berichtet EHL. Zwischenzeit­lich gibt es in Österreich erstmals mehr Systemgastronomiebetriebe als Drogeriemärkte.

B- und C-Lagen werden umgenutzt

In den absoluten Spitzenlagen rund um den Wiener Kohlmarkt übersteigt die Nachfrage nach Flächen unverändert das sehr begrenzte Angebot. Die hier aufgerufenen Mieten übersteigen immer häufiger 400 €/m². In den sehr guten Lagen des Wiener Einzelhandelsmarktes, insbesondere der Mariahilfer Straße (bis zu 110 €/m²) und der Kärntner Straße (bis zu 330 €/m²), konnten die Mieten ihr hohes Niveau halten. Allerdings öffnet sich die Schere zwischen den Höchstmieten und Mieten an Sekundärstandorten immer weiter. Nachvermietungen sind in diesen Lagen meist nur zu günstigeren Konditionen realisierbar. In steigendem Maß werden Investitionen in die Qualitätsverbesserung und neue mutige Konzepte erforderlich sein, um einen Standort wettbewerbsfähig zu halten. Weitere Flächenreduktionen wird es vor allem in B-und C-Lagen geben. Hier konzentrieren Vermieter ihre Anstrengungen immer mehr auf Alternativnutzungen statt nach Einzelhandelsmietern zu suchen. Beachtlich hohe Nachfrage gibt es seitens Arztpraxen und anderer Gesundheitseinrichtungen sowie Sozialeinrichtungen wie etwa Kindergärten. Die Produktion neuer Handelsflächen ist weiterhin verhalten. Im ersten Halbjahr eröffnete das »Hey« in Steyr mit 15.000 m² und über 30 Shops, das in den ersten Monaten laut EHL einen regen Kundenandrang verzeichnen konnte. Im FMZ-Sektor erfolgte der Baubeginn für die Erweiterung des boomenden FMZ Kittsee.
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