Otto, Universal & Co.: Zweistelliges Minus be...

Otto, Universal & Co.: Zweistelliges Minus bei Mode

Christian Jungwirth
Harald Gutschi
Harald Gutschi

Im Geschäftsjahr vor Corona hat die Unito-Gruppe leicht an Umsatz eingebüßt. Die Corona-Krise kommt für Vorstand Harald Gutschi einem »Urknall« gleich, der ein Drittel der Händler hinwegfegen werde.

Die Unito-Gruppe (Otto, Universal, Quelle u. a.) ist mit ihrem abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 (bis 29. Februar 2020) zufrieden, obwohl der Umsatz um 2,9 % auf 364,7 Mio. € zurückging. Der Grund dafür liegt in der bewussten Reduzierung der gedruckten Werbemittel. »Den Hauptkatalog gibt es nicht mehr, die Auflagen saisonaler Kataloge und Mailings wurden um 60 %, die aufgelegten Seiten sogar um 80 % reduziert. Das Print-Geschäft hat an Akzeptanz verloren, deshalb wird dieser Vertriebskanal sukzessive auf eine zukunftsfähige Größenordnung redimensioniert«, erklärt Harald Gutschi, Sprecher der Unito-Geschäftsführung. Die Online-Umsätze legten im Vergleich zum Vorjahr hingegen um 5 % zu. Im Kernmarkt Österreich gelang sogar ein Wachstum von 6,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Auch mit dem Ergebnis (EBIT) ist Gutschi zufrieden: »Die erfreuliche Entwicklung des Ergebnisses zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg zu einem profitablen, langfristigen Wachstum sind.«

Textil-Geschäft weiterhin rückläufig

Das neue Geschäftsjahr sieht Unito »wesentlich von der Corona-Pandemie geprägt«. Die ersten beiden Wochen nach Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen in Österreich waren die Umsätze in allen Sortimentsgruppen deutlich zweistellig rückläufig. Dazu gab es eine Menge an internen Problemen zu meistern. Um die potenzielle gesundheitliche Gefährdung der eigenen Mitarbeiter zu minimieren, wurden binnen weniger Tage 90 % der Belegschaft oder nahezu 600 Mitarbeiter auf Home-Office umgestellt. Zudem wurde die reibungslose Lieferkette zum Kunden sichergestellt und eine kontaktlose Zustellung mithilfe der externen Logistikdienstleister umgesetzt. In den vier Wochen seit Ende März habe Unito hingegen ein zweistelliges Umsatzwachstum verzeichnet – jedoch mit »starken Verschiebungen in der Kundennachfrage«, wie Gutschi berichtet: Während der Umsatz im Textilgeschäft weiterhin zweistellig verliert, wächst jener bei Hartwaren (v. a. Elektronik, Computer, Haushaltsgeräte, Wohn- und Einrichtungsgegenstände, Gartenartikel) deutlich zweistellig. »Die Logistik wird durch den plötzlichen und hohen Anstieg der Sendungsmengen auf das Äußerste in Anspruch genommen«, schreibt das Unternehmen.

 »Urknall in der österreichischen Handelslandschaft«

Die sich in der aktuellen Situation abzeichnende und künftig in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit stattfindende Transformation wird laut Einschätzung der Unito-Gruppe einem Urknall in der Handelslandschaft gleichkommen. Die Veränderung, die der Handel normalerweise in zehn Jahren durchmacht, wird laut Gutschi in den Jahren 2020 und 2021 realisiert. Spätestens ab Juni 2020 bis in den Herbst werde es zu einer Rabattschlacht im Handel kommen. »Der Textilhandel wird davon am stärksten betroffen sein«, sagt der Unito-Chef. Noch im Laufe des Jahres 2020 werde dies zu einer Bereinigung der österreichischen Handelslandschaft führen. Geschätzt jeder dritte Händler werde diese Phase nicht überstehen, glaubt Gutschi.

 »Normalzustand neuer Art« nicht vor 2021

Der österreichische Handel werde voraussichtlich erst ab 2021 in einen Normalzustand neuerer Art zurückkehren. Unito rechnet dabei mit einem »bis dato nicht gekannten Digitalisierungs-Push«: »Viele lernen mit der Krise die Vorzüge des Online-Handels zu schätzen«, während sich die Kundenfrequenz im Stationärhandel dauerhaft verringere. Im E-Commerce werde dies hingegen »zu noch mehr Professionalität, mehr Angebot und mehr Wettbewerb führen«. Außerdem werde sich das Bewusstsein für regionales Einkaufen und regionale Produkte aus Österreich auch im Online-Handel steigern, hofft Gutschi: »Einkaufen wird zu einer nachhaltigeren Entscheidung. Die Kunden werden vermehrt ihre stationären Grätzel-Händler und lokale Online-Händler unterstützen. Während die Dominanz globaler Riesen mit großer Kapitalkraft und hohen Synergie-Effekten, die in Österreich keine Ertragssteuern bezahlen, bleiben wird, ergeben sich hieraus neue Chancen für kleinere Händler.«

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