Oster-Lockdown: Was Lockdowns und Zutrittstes...
Oster-Lockdown

Was Lockdowns und Zutrittstests im Osten kosten

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So sieht sie aus, die »Osterruhe« in den östlichen Bundesländern: die Kärntner Straße am Donnerstag der Vorwoche.
So sieht sie aus, die »Osterruhe« in den östlichen Bundesländern: die Kärntner Straße am Donnerstag der Vorwoche.

Seit vorigem Donnerstag hat der Modehandel im Osten Österreichs wieder zu. Nach der Wiedereröffnung drohen weiterhin »Eintrittstests«. Was diese den Non-Food-Handel kosten, hat die Uni Linz beziffert.

Seit 1. April müssen nicht-essenzielle Geschäfte und körpernahe Dienstleister in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wieder geschlossen halten – soeben verlängert bis zumindest 18. April. Laut Handelsverband verliert der Handel in der Ostregion pro Lockdown-Woche 420 Mio. €, davon die Hälfte in Wien. Das Institut für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz kommt gar auf einen Umsatzverlust von 440 Mio. € für die betroffenen Branchen und Regionen.
Institutsvorstand Christoph Teller kritisiert: »Lockdowns und Zutrittstests tragen zur schleichenden Entwöhnung der Konsumentinnen und Konsumenten vom ladengebundenen Einkauf bei. Gleichzeitig kommt es zur alternativlosen Umleitung der Kaufkraft in Richtung Onlinehandel.«

Zutrittstests als Frequenz- und Umsatz-Killer

Gleiches gilt auch für die weiterhin geplanten »Zutrittstests« für den Non-Food-Handel. Gegen einen ersten Gesetzesentwurf hatte zwar der Bundesrat in der Vorwoche sein Veto eingelegt. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will diese Woche jedoch einen leicht abgeänderten Gesetzesvorschlag vorlegen, der solche Test doch noch ermöglichen soll. Anschober geht von entsprechender Zustimmung aus. Gemäß diesen Plänen wäre der Besuch von Einzelhandelsgeschäften zumindest in besonders betroffenen Regionen nur mit negativen Covid-Tests gestattet.

Welche Auswirkungen eine derartige Testpflicht für den Handel hätte, hat sich das Institut für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) ebenfalls näher angesehen. Laut einer Onlinebefragung des Linzer Instituts würden 66 % der Ostösterreicher bei verpflichtenden Eintrittstests weniger oft einkaufen gehen. Und 52 % der Befragten gaben an, dass sie bei Zutrittstests eben mehr für Online-Shopping ausgeben würden.
Der Koordinations- und Organisationsaufwand für die Konsumenten würde steigen, die Flexibilität sinken, wird von Kundenseite kritisiert. Bei der Befragung unter 711 Personen (repräsentativ für die Bevölkerung 16 - 74 Jahre) aus den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland sagten deshalb 53 %, dass sie eine Testpflicht ablehnen. Umgekehrt erachten jedoch 47 % das »Hineintesten« vor dem Einkauf im stationären Handel als wichtig, um Covid-19-Ansteckungen zu reduzieren. 28 % meinten sogar, dass sie sich durch eine Testpflicht im stationären Einzelhandel sicherer fühlen würden.

Schmerzliches Resümee

Das Resümee, das die Autoren der Untersuchung, Ernst Gittenberger und Christoph Teller, ziehen, klingt schmerzlich: »Das Einkaufserlebnis, das schon durch die Mund-Nasen-Schutz-Tragepflicht stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, nähme durch das ,Hineintesten‘ zusätzlich Schaden. Durch Zutrittstests würden dem stationären Handel wesentliche Differenzierungsdimensionen gegenüber dem Internet-Handel teilweise genommen, i.e. das (physische) Einkaufserlebnis sowie Spontanität bzw. Impulsivität zum Einkauf. Es ist daher kaum verwunderlich, dass der (internationale) Online-Handel im Falle einer Umsetzung der Testpflicht einen überlegenen und gleichzeitig leicht errungenen (Kanter-)Sieg einfahren würde. Die ,bittere gute Nachricht‘ für den stationären Handel im Falle der Umsetzung der Maßnahme: Man könnte es ihm kaum noch schwerer machen, für die Kundinnen und Kunden attraktiv zu sein.«

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