ÖTZ 75: Reise ins ÖTZ-Archiv
ÖTZ 75

Reise ins ÖTZ-Archiv

ÖTZ
In einem Inserat wirbt das Innsbrucker Handelshaus Petera um Belieferung.
In einem Inserat wirbt das Innsbrucker Handelshaus Petera um Belieferung.

Ernstes wie Skurilles bringt ein Blick ins ÖTZ-Archiv zutage. Rohstoff-, Maschinen- und Arbeitskräfteknappheit prägen die ersten Jahre, doch schon Anfang der 1950er-Jahre erfolgt ein gewaltiger Industrialisierungsschub.

Zu einem Jubiläum gehört auch der Blick zurück: Die erste Ausgabe der Österreichischen Textil-Zeitung erscheint am 3. September 1947. Das Blatt erscheint wöchentlich im Umfang von 4 Seiten und dient dazu, der Branche (Handel, Gewerbe, Industrie) durch die Wirren der Nachkriegszeit zu helfen. Von Marktwirtschaft kann noch lange keine Rede sein, der Textilhandel sieht sich vielmehr »als Organisationsglied der Güterverteilung«, wie es in der ersten Ausgabe heißt. Bis 1949 gibt es Textilien nur gegen Kleiderkarten und Bezugsscheine. Doch ebenfalls in der ersten Ausgabe werden auch schon revolutionäre Neuigkeiten präsentiert: Nylon-Strümpfe. Quasi unzerstörbar, ist diese neueste Errungenschaft aus den USA laut dem Bericht »imstande, das ganze ,business‘ zu erschlagen«.

Im Artikel »Wie gestalte ich mein Schaufenster?« vom Dezember 1947 finden sich keine Tipps zur Weihnachtsdekoration, Thema ist vielmehr auch hier der Warenmangel.  Soll man, wenn »der ganze Lagerbestand nicht mehr als einige wenige Stücke ausmacht, diese in dem ohnedies kahl aussehenden Laden behalten oder soll man sie ins Schaufenster legen«, fragt sich der Autor. Der vorgeschlagene Ausweg: ein Schaufensterplakat mit einer Aufschrift wie etwa »Ware wird aus mitgebrachtem Material angefertigt«. Da überrascht es wenig, dass in den Inseraten anfangs vorwiegend Händler um Ware werben als Marken um neue Kunden.

Zehn Jahre später ist die Lage der Branche bereits eine völlig andere – die Industrialisierung läuft auf Hochtouren. Auch ausländische Unternehmen investieren gerne in Österreich – etwa Seidensticker mit einem neuen Werk in Innsbruck. In einem Inserat will die Marke den Wettbewerb beruhigen: »Ist diese Firmengründung gerechtfertigt? Taucht nicht die Frage auf, ob nicht ein weiterer Konkurrent den Markt zu sehr belastet? Wir glauben das nicht! Unsere modernen Marktforschungs- und Verkaufsmethoden sind dazu bestimmt, einen zusätzlichen Hemdenbedarf beim österreichischen Endverbraucher zu schaffen. Unser Bestreben ist es, den Käufer durch systematische Werbung zu beeinflussen, seinen Hemdenverbrauch zu vergrößern.«

Unsere Bildergalerien auf der ÖTZ-Jubiläumsseite (ganz unten) zeigen, was die Branche im ersten Jahrzehnt nach der Gründung sonst noch bewegte – weitere Rückblicke werden folgen.

Noch wichtiger als die Vergangenheit ist für die Textilzeitung aber die Zukunft. Schon heute ist die gedruckte Zeitung nur noch ein Standbein unter mehreren. Weitere Innovationen werden folgen. Eine darf schon heute verraten werden: Bald startet unser Podcast »Fashion 2025 – Zukunft zum Mithören«.
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