»Nicht mehr Berge von Ware in den Markt spüle...
Toni Dress Damenmoden GmbH
Barbara Holzer, Geschäftsleiterin Produkt und Marketing
Barbara Holzer, Geschäftsleiterin Produkt und Marketing

Corona-Krise zum Start: Barbara Holzer, gemeinsam mit Oliver Keeb die neue Doppelspitze von Toni Dress und Rosner, über die Gegenwart in der Fashion-Branche und ihre Ziele.

Seit 1. Mai verantwortet die langjährige Marc-O‘Polo- und s.Oliver-Managerin Barbara Holzer die Bereiche Produkt und Marketing, der ehemalige Brax- und Gerry-Weber-Vertriebsspezialist Oliver Keeb übernimmt den Vertrieb der Marken Toni, Relaxed by Toni und Rosner. Im Interview mit der TZ beschreibt Holzer den Start in einer turbulenten Zeit – und welche Impulse sie im Design setzen möchte.

Keine einfache Zeit, um als Geschäftsleiterin in ein Unternehmen zu kommen. Wie sehr beeinflusst die Corona-Krise Ihre ersten Wochen bei Toni Dress?

Die Zeit ist für uns alle extrem herausfordernd und man stellt sich den Start vielleicht etwas ruhiger vor. Der Wechsel war ein richtiger Schritt: Während große Anbieter von Lieferanten aus China abhängig sind und es zu enormen Verzögerungen bei der Auslieferung kommt, bekommen wir unsere Ware von unseren europäischen Lieferanten weitgehend problemlos. Jene vier Wochen, die die Branche nach hinten rutscht mit allen Orders und Messen, konnte ich nutzen, um noch zu einem relativ späten Zeitpunkt in die Kollektionen für Frühjahr/Sommer 2021 einzugreifen. Oliver Keeb und ich verantworten ja neben Toni und Relaxed by Toni auch Rosner, damit bilden wir jetzt mit unserem Portfolio verschiedene Zielgruppen ab. Relaxed by Toni deckt bequeme Hosenformen ab, Toni fokussiert die modische Mitte-50er-Kundin und mit Rosner werden wir verstärkt jüngere, modische Kunden ansprechen. Gerade mit Roser wollen wir stark wachsen, die Marke wurde zuletzt weit unter Wert geschlagen.

Industrie und Handel müssen sich in der Post-Corona-Zeit neu aufstellen, hört man immer wieder, aber was heißt das konkret?

Die Kunden werden weiterhin einkaufen, aber umsichtiger und bewusster. Damit wird es für die High-Street-Brands, aber auch für den Massenmarkt noch schwieriger werden. Ich glaube, es ist die Zeit verlässlicher Anbieter, die nachhaltig agieren und nicht Monat für Monat Massen von Ware auf den Markt spülen. Viele Hersteller werden den Monatsrhythmus wohl aufgeben… Wir haben uns schon vor Ausbruch der Coronakrise entschlossen, einen Monat später, also Anfang August, mit dem Einverkauf der Herbstware zu beginnen. Wir werden auch im November keine Frühjahrsware mehr ausliefern, sondern in den Monaten Februar bis April. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Saison-Taktung so bleibt, weil sie viel näher an den Kaufbedürfnissen der Kunden dran ist.

Was wird sich bei Toni ändern?

Zum einen werden wir strukturelle Impulse setzen. Wir haben den Kollektions-Rahmenplan neu definiert und z. B. die Farbthemen so gestaltet, dass sie ohne Brüche ineinander übergehen. Und klar: Die Kollektionen werden kleiner werden, auch das ist ein Gebot der Stunde. Inhaltlich wird es drei Themen geben und das gesamte Thema »Green by Toni« erfährt eine Aufwertung.

Die größte Herausforderung für unsere Branche sehe ich allerdings darin, wieder Optimismus und Lebensfreude mit unseren Produkten zu verbreiten, sei es durch fröhliche Drucke, sei es durch frische Farben. Ich bin ganz sicher, dass die Verbraucher sich nach der Krise wieder etwas Gutes tun wollen…

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