Luxus-Probleme: Premium-Segment bekommt Covid...
Luxus-Probleme

Premium-Segment bekommt Covid zu spüren

Bisher hat es hauptsächlich Labels, die den Mittelstand bedienen, erwischt. Die neuesten Zahlen der Luxusanbieter zeigen aber, dass diese genauso unter den Folgen der Pandemie stöhnen.

Bei den europäischen Premium-Marken war das Knirschen bereits in den letzten Wochen laut zu hören: Die Umsätze von Burberry sanken bis zu 75 %. Nun will man 500 Arbeitsplätze einsparen um so die Kosten um 55 Millionen Pfund zu senken. Auch Prada muss ein Umsatzminus von 40 % und Verluste von 180 Millionen Euro hinnehmen. Am US-amerikanischen Markt sieht es kaum besser aus. Hier sah man bis dato vor allem ein Mittelpreis-Unternehmen nach dem anderen in die Insolvenz schlittern. Beobachter nahmen an, dass das wohl an den Kunden liegt, die ihre durch Corona reduzierten Einkommen für wichtigere Dinge als Bekleidung aufsparen würden.

Neue Prioritäten

Luxus-Brands schienen ein Stück weit gefeit vor den Auswirkungen, da es hier bei der Stammklientel kaum zu finanziellen Einschnitten kam. Zudem wurden manche Investitionen durch andere ersetzt: Wer heuer nicht auf teure Kreuzfahrt gehen konnte, der gab sein Geld eben für eine hochpreisige Uhr oder ein neues Auto aus. Die Bekleidungshersteller können von dieser Entwicklung aber nur bedingt profitieren.
Das zeigen etwa die Zahlen der Capri Holding, unter deren Dach Marken wie Michael Kors, Versace und Jimmy Choo vereint sind. Der Gewinn fiel im ersten Quartal im Jahresvergleich um 66,5 %, der Verlust beträgt 180 Millionen US-Dollar. Auch Ralph Lauren verzeichnet einen Gewinnrückgang von 66 % sowie einen Verlust von 128 Millionen.

Tourismus fehlt

Branchenkenner wie Neil Saunders Managing Director bei GlobalData Retail, sehen hier ein klares Muster: »Die Pandemie hat die Nachfrage nach Bekleidung und Accessoires überall reduziert, aber nirgends so sehr, wie im Luxus-Bereich.« Ein wichtiger Grund dafür sei der Wegfall des Tourismus, ein wichtiger Treiber für High End-Shopping.
Selbst wenn wohlhabendere Kunden nicht von Arbeitslosigkeit betroffen seien, so hätten diese während des Lockdowns doch andere Prioritäten gesetzt und mehr Geld für ihr Heim, Lebensmittel oder Elektronik ausgegeben. Ein neues Outfit rutschte auf der Prioritätenliste ganz nach unten: Wer nur an Video-Meetings teilnimmt und keine Abendtermine wahrnimmt, der braucht auch keine neuen Schuhe. Ein Umstand, der besonders Luxus-Schuster hart trifft: »Wir glauben, dass Jimmy Choo für den Kunden an Relevanz verliert, da sich die Kunden nach mehr Bequemlichkeit und einem neuen Lifestyle sehnen.«

Rettung eCommerce

Marken wie Michael Kors hätten bereits vor der Pandemie an Strahlkraft verloren. Der Gewinn des Labels fiel um 69 %. Bei Jimmy Choo macht der Rückgang 68 %, bei Versace 55 % aus. Das italienische Label scheint noch mit einem blauen Auge davon zu kommen, da sein Stil auch jüngere Kunden anspricht, so der Befund von Jane Hali & Associates, die den amerikanischen Retail-Sektor untersuchen: »Außerdem ist die Marke auf eCommerce-Plattformen wie Farfetch und SSense besser positioniert.«
Auch bei Ralph Lauren setzt man verstärkt auf das digitale Geschäft und hat hier schon um 13 % zugelegt. Zudem hat man in Nordamerika ein Click&Collect-Modell gelauncht und weltweit die digitalen Services in den Stores ausgebaut. Für Analysten der einzig richtige Weg: »Wir glauben, dass diese strategische Kehrtwende zum derzeitigen Retail-Klima passt«, so Jane Hali. »Die Investition der Brands in Digitalisierung und die Partnerschaften mit reinen Online-Plattformen sind sehr positiv, da sie sich von den Warenhäusern wegbewegen.«

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