Krisenauswirkung: »Sinnloses Sonderopfer zur ...
Krisenauswirkung

»Sinnloses Sonderopfer zur Pandemiebekämpfung«

Wolfgang Kumm/dpa/picturedesk.com

Das Zahlendesaster schreitet voran, die Schäden in der deutschen Bekleidungsindustrie summieren sich immer weiter: Die Produktion von Bekleidung bricht im letzten Jahr um 20 % ein, derweil türmt sich eine halbe Mrd. unverkaufter Modeartikel auf und Textil-, Schuh- und Lederwarengeschäfte rechnen bis Ende Februar mit Verlusten von rund 15 Mrd. €.

»Es ist der blanke Horror«, kommentiert Rolf Pangels, Hauptgeschäftsführer des BTE Handelsverband Textil, die nochmalige Verlängerung des Lockdowns in Deutschland bis zum 7. März. Nach Berechnungen des BTE werden dem stationären Fashionhandel selbst im umsatzschwachen Februar jede Woche mehrere hundert Millionen € Umsatz verloren gehen. »Per Ende Februar dürften sich die Verluste des Winter-Lockdowns in den Textil-, Schuh- und Lederwarengeschäfte damit auf rund 15 Mrd. Euro aufsummiert haben«, so Pangels.

Dramatische Verschärfung im März

Auch für März prognostiziert der Verband eine dramatische Verschärfung. Die Rücklagen vieler Unternehmen sind aufgebraucht, das Insolvenzrisiko nimmt zu, immer mehr Arbeitsplätze gehen verloren. Der Start in die Frühjahrsaison und speziell die Wochen vor Ostern sind für die Fashionbranche eine der wichtigsten Verkaufszeiträume. »Wenn die Geschäfte dann noch geschlossen sind, wird das vielen Fashionhändlern endgültig das Genick brechen und zusätzliche Leerstände in den Innenstädten hinterlassen!« Gerade auch weil der stationäre Handel kein Hotspot für Corona-Infektionen ist, herrscht Unverständnis: »Der Fashionhandel leistet also ein sinnloses Sonderopfer zur Pandemiebekämpfung, während so manch dubiose online Verkaufsplattform von der Politik mit zusätzlichem Umsatz und Gewinn beglückt wird. Die Politik opfert derzeit die Fashionbranche auf dem Altar einer scheinbar einzig möglichen Strategie zur Covid-Bekämpfung: der Schließung von Geschäften.«

Produktion bricht ein

Die Pandemie hat im letzten Jahr auch zu einem erheblichen Rückgang der bundesweiten Produktion geführt. Laut Statistischem Bundesamt lag die Produktion im Produzierenden Gewerbe kalenderbereinigt um 8,5 % niedriger als im Vorjahr. Dabei wurde die Herstellung von Bekleidung sogar um 20 % zurückgefahren, die Produktion von Textilien insgesamt um 9 %.

Kostenschock Warenbestand

Demgegenüber steht die unverkaufte Ware, ein riesiger Berg an Modeartikeln, die nicht abverkauft werden konnten. All die Kollektionen drücken die Läger und summieren sich derzeit auf knapp 500 Mio. Teile (lt. Handelsverbänden BTE, BDSE und BLE). Nicht nur ein Schock für Industrie und Handel. Das Thema alarmiert aktuell auch Umweltverbände, die die Vernichtung der Neuware bei Fast-Fashion-Konzernen befürchten. Greenpeace möchte ein Vernichtungsverbot durchsetzen und beruft sich dabei auf die Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes im Onlinehandel, das letztes Jahr in Kraft getreten ist. Das Zerstören von Ware ist pure Umweltbelastung und wird in der Öffentlichkeit zum Skandal. Ein gutes Pro-Argument für hochwertige, saisonunabhängige Ware und Carry Overs.

 

 

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