Krise erfasst Shopping Center

Krise erfasst Shopping Center

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SCS Multiplex-Terrassen in neuer Gestalt
SCS Multiplex-Terrassen in neuer Gestalt

Die Shopping Center-Branche steht im Umbruch. Im Vorjahr wurde mit dem ELI in Liezen nur ein Shopping Center neu eröffnet, für 2017 sind gar keine größeren Neueröffnungen geplant.

Der Markt der Shopping Center ist gesättigt. Von den bestehenden Malls kämpfen viele mit Umsatzrückgängen. Das berichtet RegioData. Laut den aktuellsten Zahlen hat der Umsatz der 100 größten Shopping Center im Jahr 2016 bei knapp 9,5 Mrd. € stagniert. Berücksichtigt man die vereinzelten Erweiterungen der Verkaufsflächen, errechnet sich sogar eine etwas gesunkene Flächenproduktivität von etwa 3.600 €/m² vermietbarer Fläche. Lediglich jedes fünfte Einkaufszentrum konnte einen realen Umsatzzuwachs erzielen, heißt es von RegioData. Dazu gehören vor allem jene Zentren, die schon zuvor sehr gut funktionierten, allen voran der Messepark in Dornbirn, der mit etwa 10.400 €/m² auch stark von den Schweizer Kunden profitiert, gefolgt vom Europark in Salzburg und dem Designer Outlet Parndorf. Am anderen Ende des Rankings befinden sich 15 Shopping Center mit einer jährlichen Quadratmeterleistung von unter 3.000 €, fünf davon sogar mit weniger als 2.000 € pro Quadratmeter. Werte, die wohl kaum einen zufriedenstellenden Ertrag für die Betreiber erwarten lassen.

Leerstand, Fluktuation und Branchenmix

Weitere Krisenzeichen: Der Leerstand steigt, die Fluktuation nimmt zu. Während im Jahr 2015 der Anteil der leer stehenden Flächen nur bei 3,6 % lag, betrug dieser Wert im vergangenen Jahr bereits 5,1 % - Tendenz weiter steigend. »Die Zeiten, in denen sich die Handels- und Gastronomieunternehmen bei den Betreibern von Shopping Malls in eine Warteliste eintragen lassen, um eine Fläche zu bekommen, sind vorbei«, heißt es dazu von RegioData. Die Mieterwechsel werden indes häufiger. Im vergangenen Jahr wurden in jeder der untersuchten einhundert Malls im Schnitt acht Mieter ausgetauscht. Ein Wert, der vor einigen Jahren noch bei der Hälfte lag. Am häufigsten wurden übrigens Bekleidungshändler und Gastronomiebetreiber gewechselt. Zwei Branchen, in denen neue Konzepte sehr rasch die alten überholen.

Weitere Veränderungen im Branchenmix: Die Schuhhändler wurden in den letzten Jahren weniger, dafür gibt es immer mehr Drogerien/Parfümerien und Anbieter von Wohnaccessoires. Die Reaktion der Betreiber auf den gesättigten Markt sind unterschiedlich: Während viele Betreiber auf Vergrößerung der Verkaufsflächen setzen, verkleinern andere die Verkaufsflächen und nutzen die wegfallende Fläche für Dienstleistungsangebote oder öffentliche Einrichtungen.

Shopping-Center-Dichte: Österreich auf Platz 10

Der internationale Trend zur Aufwertung der Gastronomie in den Shopping Malls ist in Österreich übrigens (noch) nicht zu erkennen: Der Anteil an der Gesamtfläche sank im letzten Jahr sogar von 6,7 % auf 6,5 %. Durch die Stagnation bei den Neuentwicklungen ist Österreich bei der Shopping-Center-Dichte in den letzten Jahren im Europavergleich bereits ins Mittelfeld abgerutscht. Mit ca. 360 m² Verkaufsfläche pro 1.000 Einwohnern (Basis: alle Shopping Center > 5.000 m² Verkaufsfläche) erreicht Österreich im europäischen Vergleich »nur« noch den zehnten Platz. Die Spitzenwerte in diesem Ranking erreichen vor allem die skandinavischen Länder, wo auf Grund der regionalen Struktur und des Klimas Shopping Center eine besonders geeignete Einkaufsform darstellen. Aber auch Länder wie Slowenien, Kroatien und Portugal haben Österreich bereits überholt.
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