KRISE BEI TIROLS GRÖSSTEM ARBEITGEBER: Swarov...
KRISE BEI TIROLS GRÖSSTEM ARBEITGEBER

Swarovski in Turbulenzen

Swarovski
Swarovski Mono Wing für Victoria's Secret
Swarovski Mono Wing für Victoria's Secret

Seit mehr als 125 Jahren ist Swarovski aus der Design-Welt nicht mehr wegzudenken – nun brachte Corona  das Tiroler Traditionsunternehmen in Schieflage.

Swarovski ist Österreichs zweiwertvollste Marke. Ende des 19. Jahrhunderts verschlug es Gründervater Daniel Swarovski von Böhmen ins Tiroler Wattens, wo er den Grundstein für das heute weltberühmte Kristallimperium legte. Zur Befriedigung einer steigenden Nachfrage nach Kristallglas entwickelte Swarovski einen mechanischen Schleifapparat, den er 1892 zum Patent anmeldete.

Das Unternehmen entwickelt sich rasch zum Qualitätsgaranten. Im Laufe seiner Geschichte kommt zu den Kristallsteinchen eine Vielzahl anderer Erzeugnisse, wie etwa die bekannten Kristallfiguren, optische Geräte, aber auch Schleifmittel oder reflektierende Elemente für die Verkehrssicherheit. Und natürlich beziehen Designer seit Generationen ihre Schmucksteine aus Tirol, sei es für Haute Couture, Filmkostüme oder das alljährliche Debütantinnen-Krönchen für den Opernball. Als einer der ersten beschäftigte sich Swarovski auch mit dem Thema synthetische Edelsteine, mittlerweile werden hier auch Diamanten gezüchtet. 

 Größter Arbeitgeber Tirols

Letzte Woche machte eine Schreckensmeldung sie Runde: Der größte Tiroler Arbeitgeber kündigte in einer Aussendung einen Abbau von 600 Arbeitsplätzen an, 200 davon am Firmensitz in Wattens. Schuld an den Turbulenzen seien die Corona-bedingten Ausfälle und nicht zuletzt der komplette Stillstand des Fremdenverkehrs.

Robert Buchbauer, seit Anfang April CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung, kündigte auch eine „Transformation“ des Unternehmens an, die für den erfolgreichen Weiterbestand essenziell sei: „Dabei wird es auch zu schmerzhaften Einschnitten kommen.“ Laut Tiroler Tageszeitung geht Arbeiter-Betriebsratschef Ernst Daberto davon aus, dass „mittelfristig – also in zwei bis drei Jahren – am Standort Wattens 1.500 bis 2.000 Stellen wegfallen werden“. Derzeit arbeiten rund 4.800 Mitarbeiter in Wattens. Im Jubiläumsjahr will man sich nun „neu und effizienter aufstellen“. Eine Entwicklung, die durch Corona non an Dringlichkeit gewonnen hat. Bereits Anfang März war von einer Reduktion um 1000 Stellen und einer Absiedlung eines Teils der Produktion ins Ausland die Rede. Nun könnte sich die Situation noch verschärfen.

2019 erzielte der  Kristallkonzern einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro, im Jahr zuvor waren es sogar  3,5 Milliarden Euro. Nun kam der große Einbruch, insbesondere in Asien und den USA, wo die Mehrzahl der Swarovski-Shops geschlossen werden mussten.

 Kritik aus der Politik

Robert Buchbauer will derzeit den Stellenabbau nicht kommentieren, Kritik kommt allerdings aus der Politik. So habe Swarovski in der Krise die Möglichkeit der Kurzarbeit genutzt und nun bis September verlängert: „Swarovski will bis Herbst die Kurzarbeitsgelder abholen und danach den weiteren Stellenabbau vorantreiben,“ so der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer.  Landeshauptmann Günther Platter sagte den betroffenen Mitarbeitern in der Zwischenzeit seine Unterstützung zu. In einer bereits bestehenden Swarovski-Unternehmensstiftung, die Mitarbeiter nach dem Jobverlust auffangen soll, sind derzeit noch 60 Plätze frei. Diese wird vom Land und dem Konzern finanziert. Zudem soll  eine weitere Stiftung beschlossen werden.

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