Kommentar: Jetzt nicht die Zügel aus der Hand...
Sabine Klimpt

Was wir heuer aus Weihnachten machen, liegt an uns - nicht (nur) an der Politik.

Die Lage wird zunehmend unübersichtlicher. Deutschlands Handel macht ab Mittwoch dicht. In Sachsen gibt es schon nichts mehr zu kaufen außer Lebensmittel und Medikamente. Und in Österreich? Die drei Wochen harter Lockdown, die wir hinter uns haben, ließen die Corona-Infizierten-Zahlen auf relativ hohem Niveau stagnieren, mehr auch nicht. Der große Befreiungsschlag blieb aus, also wird hier weitergemacht mit einem undefinierbaren Schwebeszustand zwischen Depression und Normalität. Die Politik, hieß es noch vor ein paar Wochen, werde uns "Weihnachten ermöglichen", als ob es den Sanktus von Ministern geben müsste, um das hohe Fest im christilichen Jahreskreis zu feiern.
Weihnachten 2020 hat mit den Festen der vergangenen Jahre gewiss nichts zu tun. Die letzten neun Monate drücken aufs Gemüt, um die Zukunft machen sich mittlerweile auch Berufsoptimisten ernsthaft Sorgen. Dazwischen taumeln Konsumenten zwischen den Patriotismus-Aufrufen, nur ja Waren aus Österreich zu schenken und den Wünschen ihrer Lieben, die mit handgestrickten Socken aus dem Lavanttal eher wenig Freude haben werden.
Freude schenken, das war ja mal eines der wichtigsten Dinge am Fest - und mit der ganzen Familie zusammen zu kommen. Wenn deutsche Politiker ihren Blitz-Lockdown wenige Tage vor Weihnachen jetzt damit schönreden, "dass es diesmal eben ein Weihnachten ohne Geschenke sein wird", hat man das Wesen von Menschen (= Konsumenten) nicht verstanden.
Österreichs wackeliger Weg durch die letzten Wochen hat auch seine Tücken. Offene Läden vermitteln immer noch ein Gefühl von Normalität, zu dem derzeit ganz einfach kein Anlass besteht. Mündige Menschen werden auch 2020 ein schönes Weihnachtsfest feiern, die meisten ganz sicher mit Geschenken. Wer verantwortungsvoll handelt, braucht sich auch in den nächsten Tagen nicht die Zügel aus der Hand nehmen lassen. Im Gegenteil. Unternehmer (= Menschen), die jetzt offensiv handeln, haben auch für 2021 gute Karten. Dran bleiben - eine Alternative gibt es nicht!

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