Kommentar: Adieu, deutsches Kaufhaus?
Sabine Klimpt

Karstadt Kaufhof wird um ein Drittel kleiner. Ein Kommentar von Chefredakteurin Brigitte Pfeifer-Medlin

Regensburg an einem verregneten Samstag-Nachmittag im November. Die wunderschönen, kleinen Läden in der Altstadt halten ab 16.00h geschlossen, nur das Galeria-Kaufhof-Haus ist noch hell erleuchtet. Die Menschen laufen in Scharen rein, viele wohl nur, um dem Regen zu entkommen. Die anfängliche Freude, noch einen offenen Laden gefunden zu haben, weicht bald der Enttäuschung über wild zusammengewürfelte Sortimente und mit Ware überfüllte Abteilungen – Kaufstimmung kann so keine aufkommen. Die Mitarbeiter – wie fast immer bei Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) – freundlich und bemüht, so als wollten sie das Durcheinander auf der Fläche mit perfekter Dienstleistung kompensieren.

Viele Eigentümer - keine echte Sanierung

Ja, Karstadt Kaufhof hatte schon vor Corona Probleme, viele Häuser wirkten wie aus der Zeit gefallen. Denn keiner der vielen Eigentümer der letzten Jahre konnte oder wollte den geschundenen Konzern kraftvoll modernisieren. Der Signa Holding rund um den Österreicher René Benko hatte man den Kraftakt am ehesten zugetraut. Noch bei der Neueröffnung der Food-Abteilung des KaDeWe im November 2019 ließ sich Benko als »König von Berlin« feiern. Jetzt schließt der Eigentümer 62 Häuser und 20 Karstadt Sports-Filialen, sogar aus Essen, dem Standort der Konzernzentrale, zieht sich GKK komplett zurück. Die (nicht nur mediale) Aufregung ist groß: Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnt vor einem Ausbluten der Innenstädte, Vermieter ECE will sogar die Schließung einiger Häuser durch Mietfreistellungen verhindern – offenbar führt aber kein Weg daran vorbei, dass sich GKK um ein Drittel verkleinert.

Klar hat der Kaufhauskonzern unter Covid-19 gelitten. Aber nicht mehr als jedes andere Handelsunternehmen, das auf den Massenkonsum breiter Bevölkerungsschichten ausgelegt ist. Die Schließung von Filialen stand wohl aber schon in jenem Konzept, mit dem Signa antrat, um die einstigen Rivalen Karstadt und Kaufhof unter einem Dach zu vereinen. Die Schließung so vieler Häuser verschafft dem Konzern, der sich aktuell unter einem Schutzschirm befindet, jetzt erst einmal Luft. Aber es bleiben immer noch 110 Häuser, von denen viele einen kräftigen Modernisierungsschub brauchen werden, um am Markt und gegen Online-Formate zu bestehen. Nur wenn die Erneuerung jetzt zügig voranschreitet, hat der deutsche Kaufhauskonzern noch Zukunft. Einen weiteren Kahlschlag überlebt er nicht.


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