Kika/Leiner geht an Benko

Kika/Leiner geht an Benko

Rene Benkos Signa Holding hat die schwer angeschlagene Möbelhandelskette Kika/Leiner übernommen und wird damit auch hierzulande ein großer Player im Einzelhandel.

Die Signa-Gruppe von René Benko hat die traditionsreiche Möbelhandelskette Kika/Leiner gekauft. Deren bisheriger Eigentümer, die deutsch-südafrikanische Möbelhandelsgruppe Steinhoff, ist aufgrund von Bilanzmanipulationen in eine existenzbedrohende Krise gerutscht. Laut Medienberichten bewegt sich der Kaufpreis zwischen 450 und 550 Millionen Euro. Dieses Geld legt Benko allerdings ausschließlich für die Immobilien auf den Tisch. Im Paket enthalten sind 46 eigene Häuser in Österreich sowie weitere 23 Immobilien in Osteuropa. Bereits Ende des Vorjahres hatte Benko um 70 Mio. Euro den Leiner-Flagship Store in der Mariahilfer Straße erworben. Das operative Möbelhandelsgeschäft, das zuletzt für rund 1 Mrd. Euro Jahresumsatz stand, soll lediglich um einen symbolischen Euro den Besitzer gewechselt haben. Dort übernimmt Benko allerdings auch 100 Millionen Euro Schulden.

Die Signa-Gruppe hat neben ihrem traditionellen Kerngeschäft Immobilien in den letzten Jahren einen starken Einzelhandelszweig aufgebaut. Gesamtumsatz: fast 4 Mrd. Euro. So gehört seit 2014 die inzwischen sanierte deutsche Karstadt-Gruppe samt den Premium-Kaufhäusern der KaDeWe Group und den Karstadt-Sports-Häusern zum Firmenimperium. Ebenso ist Signa Retail als Partner des italienischen Gourmetkonzepts Eataly aktiv. Hinzu kommt eine Vielzahl von Online- und Multichannel-Händlern im Mode- und Sporthandelsbereich wie Dress-for-less, Mybestbrands, Tennispoint und Probikeshop.

Vorerst heißt es vonseiten der Signa Holding lediglich, man wolle Kika/Leiner sanieren und zukunftsfit aufstellen. Ein detailliertes Konzept werde in den nächsten Wochen erarbeitet. Dass sich in den Filialen einiges verändern wird, gilt dabei als ausgemacht. Möglich ist innerhalb des Signa-Reiches vieles. So wurden nach der Übernahme von Karstadt in Deutschland einige der Häuser, vor allem in den Top-Lagen von Großstädten, in schicke Einkaufszentren umgebaut. Andere Filialen wurden um zahlreiche Untermieter erweitert. Und schon vor der nunmehrigen Kika/Leiner-Übernahme wurden in einigen Karstadt-Filialen Einrichtungsmärkte getestet – erfolgreich, wie es heißt. Mit der nun zugekauften Möbelhandelskompetenz könnten Einrichtungssortimente künftig ein fixer Bestandteil der deutschen Karstadt-Häuser werden, wird nun spekuliert. Umgekehrt könnten natürlich auch Teile des Karstadt-Konzepts in Österreich Einzug halten. Und vielleicht hat ja Benko mit dem Leiner-Flagship Store an der Mariahilfer Straße auch den lange gesuchten Standort für ein »Wiener KaDeWe« gefunden…

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