Zusätzliche Lockdown-Woche kostet dem Handel ...Lockdown III
Lockdown III

Zusätzliche Lockdown-Woche kostet dem Handel 600 Mio. Euro

ALEX HALADA / picturedesk.com

Laut Linzer Johannes-Kepler-Universität haben die ersten beiden Lockdowns im Handel zu Umsatzverlusten in Höhe von 6 Mrd. € geführt. Der nunmehr bis 24. Jänner laufende Lockdown III kostet der Branche weitere 2,5 Mrd. €.

Österreich befindet sich zum dritten Mal in einem harten Corona-Lockdown, bei dem bis auf wenige Ausnahmen alle Geschäfte zu sind. Laut Berechnungen der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU) sorgen die drei Schließwellen zusammen für einen Umsatzentgang in den geschlossenen Handels-Branchen von rund 8,5 Mrd. €.
Seit Montag ist klar, dass sich der dritte Lockdown um eine Woche bis inklusive 24. Jänner verlängert. Die Regierung hatte ursprünglich geplant, dass man mit einem negativen Corona-Test Gastronomie, Hotellerie und Geschäfte ab 18. Jänner wieder besuchen hätte dürfen. Doch die Oppositionsparteien stimmten der dafür notwendigen Gesetzesänderung nicht zu. Allein die De-facto-Verlängerung des dritten Lockdowns um eine Woche verursacht laut JKU einen zusätzlichen Umsatzentgang in den geschlossenen Einzelhandelsbranchen von rund 600 Mio. € (brutto).

Bittere langfristige Folgen für den Handel

Aus Sicht des Instituts für Handel, Absatz und Marketing an der JKU setzt die Verlängerung des derzeitigen Lockdowns bestehende Trends fort: die Sparquote erhöhe sich, der Onlinehandel gewinne weiter Marktanteile dazu, die »Entwöhnung« der Konsumenten vom stationären Einkauf würde sich fortsetzen.
»Tatsächlich zeigen unsere Zahlen nur den unmittelbaren Schaden für den Non-Food-Einzelhandel und die mittelfristigen sowie langfristigen Folgen bleiben vielen verdeckt. Für die nächsten Jahre ist zu befürchten, dass der Aderlass im stationären Einzelhandel durch den vermehrten Austritt von Unternehmen aus dem Markt die Einzelhandelsstruktur Österreichs nachhaltig verändern wird und Österreich insbesondere im ruralen Raum (nicht nur im Bereich der kleinen Lebensmittelgeschäfte) Nahversorgungslücken drohen«, schreiben die JKU-Forscher Christoph Teller und Ernst Gittenberger. Der Niedergang der Einkaufsstraßen, vor allem der weniger frequentierten B- und C-Lagen, werde sich beschleunigt fortsetzen.

Die Berechnungen im Detail

Durch den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 hat der stationäre Einzelhandel rund 3,8 Mrd. € Brutto-Umsatz verloren. Im Lockdown II Ende November/Anfang Dezember sind bei 17 geschlossenen Einkaufstagen weitere € 2,2 Mrd. € hinzugekommen, da die täglichen Umsatzverluste in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit deutlich höher als im März/April ausgefallen sind. Lockdown Nummer drei hat den Non-Food-Einzelhandel dann auch noch um das lukrative Nach-Weihnachts-Geschäft gebracht und damit die ohnehin angespannte Situation im stationären Einzelhandel nochmals verschärft. Üblicherweise werden Ende Dezember bzw. Anfang Jänner Geschenkgutscheine bzw. Geldgeschenke eingelöst und im Zuge dessen vielfach Zusatzeinkäufe getätigt. So überrascht es nicht, dass die täglichen Umsatzverluste in den Dezembertagen nach Weihnachten mit rund 140 Mio. € nochmals höher als im Lockdown II (130 Mio. € pro Tag) ausgefallen sind. Für die geschlossenen Einkaufstage im Jänner ergeben sich laut JKU Umsatzausfälle von täglich nur noch rund 100 Mio. €. Die Verlängerung des Lockdowns III um eine Woche verursacht für die geschlossenen Einzelhandelsbranchen laut dem Institut demnach einen zusätzlichen Umsatzentgang in Höhe von rund 600 Mio. € brutto. In Summe wird daher dem stationären Einzelhandel im Lockdown III rund 2,5 Mrd. € an Umsatz entgehen.
Zusammen haben die drei Lockdowns damit im Vergleich zum Vorjahr für einen Umsatzentgang in den geschlossenen Handels-Branchen in Höhe von rund 8,5 Mrd. €. Sollte der Lockdown III ein weiteres Mal verlängert werden, würden sich die Umsatzverluste pro geschlossenem Tag um jeweils weitere 100 Mio. € erhöhen.

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