Karstadt Kaufhof: Kahlschlag bei Galeria Kars...
Karstadt Kaufhof

Kahlschlag bei Galeria Karstadt Kaufhof

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Download von www.picturedesk.com am 18.05.2020 (11:01). DEU , DEUTSCHLAND : Eine Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof in Bonn , 17.05.2020. |DEU , GERMANY : Galeria Karstadt Kaufhof department store in Bonn , 17.05.2020|. Copyright by: Rainer UNKEL - 20200517_PD2894
Download von www.picturedesk.com am 18.05.2020 (11:01). DEU , DEUTSCHLAND : Eine Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof in Bonn , 17.05.2020. |DEU , GERMANY : Galeria Karstadt Kaufhof department store in Bonn , 17.05.2020|. Copyright by: Rainer UNKEL - 20200517_PD2894

Der deutsche Warenhausriese Galeria Karstadt Kaufhof kämpft ums Überleben. Im Rahmen des laufenden Schutzschirmverfahrens soll fast jeder zweite Standort geschlossen werden.

Einstweilen gibt es noch keinerlei Bestätigung. Doch laut Medienberichten, die sich auf Informanten aus dem Unternehmensumfeld berufen, sind bei der Kaufhausgruppe des österreichischen Investors René Benko drastische Einschnitte vonnöten. Bis zu 80 der derzeit gut 170 Filialen des Konzerns könnten bei der anstehenden Sanierung geschlossen werden. Galeria Karstadt Kaufhof gehört zum Reich der Signa Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko.

Das sieht der erste Entwurf eines Sanierungskonzeptes für den kränkelnden Handelsriesen vor, der am Freitag dem Gesamtbetriebsrat und Gläubigervertretern vorgelegt wurde, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Die Zahl der Schließungen könne sich noch reduzieren, wenn die Vermieter und andere Beteiligte zu Zugeständnissen bereit seien, hieß es in informierten Kreisen. In den verbliebenen Häusern könnten bis zu zehn Prozent der Stellen abgebaut werden. Auch andere Medien, darunter »WirtschaftsWoche« und »Spiegel«, hatten zuvor unter Berufung auf Insider über die Schließungspläne berichteten. Ein Sprecher des Warenhauskonzerns betonte, das Unternehmen wolle Spekulationen nicht kommentieren.

Die radikalen Einschnitte betreffen einem Bericht zufolge auch die Karstadt-Sport-Filialen und die Reisebüros des Konzerns. Wie der »Kölner Stadt-Anzeiger« am Samstag unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtete, stehen rund zwanzig der dreißig Filialen von Karstadt-Sport vor dem Aus. Bei der neu gegründeten Konzerntochter Atrys, welche die Reisebüros von Galeria betreibt, sollen demnach gar 100 der 130 Reisebüros schließen.

Schutzschirmverfahren läuft

Schon Tage zuvor hatte der Warenhausriese die Beschäftigten auf harte Einschnitte vorbereitet. In einem Brief an die Mitarbeiter berichtete die Unternehmensführung zu Beginn der Vorwoche, dass angesichts der Corona-Krise »die vor uns liegende Sanierung weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden«. Es müsse »leider auch zu Standortschließungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen«. Genaue Zahlen nannte das Unternehmen damals aber nicht.

Unter dem Eindruck der Corona-Krise flüchtete sich Galeria Karstadt Kaufhof Anfang April in ein Schutzschirmverfahren. Der Konzern kämpfte aber schon zuvor mit roten Zahlen. »Galeria Karstadt Kaufhof hat während der Zeit der Komplettschließung mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren«, hieß es in dem Schreiben an die Mitarbeiter weiter. Die Umsätze der letzten acht Wochen, darunter das wichtige Ostergeschäft, fehlten, der Rückstand sei nicht aufzuholen. Aufgrund der anhaltenden Kaufzurückhaltung »dürfte sich der Umsatzverlust auf bis zu eine Milliarde Euro erhöhen«, räumte die Geschäftsleitung ein. Im Vorjahr lag der Umsatz der gesamten Gruppe bei rund 5 Mrd. €.

Folgen für Städte und andere Händler

Die Gewerkschaft Verdi warnte, eine solch dramatische Schließungswelle werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht. »Denn die Warenhäuser in den Städten sind Ankerstandorte. Sie sind der Schlüssel für Frequenz und für die Ansiedlung von weiteren Einzelhandelsbetrieben«, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Sie kündigte harten Widerstand gegen die Schließungspläne an und verlangte dabei Unterstützung von der Politik: »Hier sind alle gefordert, von den Bürgermeistern bis hin zur Bundespolitik.«

Der Infrastruktur-Experte des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Norbert Portz, sagte der Zeitung »Welt« zu den möglichen Schließungen: »Das wäre ein harter Schlag, zumal wir befürchten, dass es vor allem strukturschwache Kommunen trifft.« Er fügte hinzu: »Wir müssen retten, was zu retten ist.« Portz appellierte an die Eigentümer der Immobilien, dem angeschlagenen Handelskonzern bei den Mieten entgegenzukommen.

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