Jahresbilanz 2020: Zalando profitiert massiv ...
Jahresbilanz 2020

Zalando profitiert massiv von Corona-Krise

Zalando SE

Der Online-Modehändler Zalando konnte seinen Gewinn im Vorjahr auf 226 Mio. € mehr als verdoppeln und die Umsatzschwelle von 10 Mrd. € überschreiten. Auch heuer will das Unternehmen um ein gutes Viertel zulegen.

Europas größter Online-Modehändler Zalando hat seinen Gewinn in der Coronakrise deutlich gesteigert. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag 2020 unter anderem dank einer zeitweise geringeren Rücksendequote bei 420,8 Mio. € (2019: 225 Mio. €), die bereinigte operative Umsatzrendite damit bei 5,3 %. Das Nettoergebnis kletterte um mehr als das Doppelte auf rund 226 Mio. € nach oben, nach knapp 100 Mio. € im Jahr davor. Das Berliner Unternehmen profitierte davon, dass angesichts vielerorts geschlossener Läden immer mehr Menschen im Internet ihre Kleidung kauften.

Die Zahl der Kunden stieg europaweit um ein Viertel auf inzwischen 38,7 Mio. Auch die durchschnittliche Zahl der Bestellungen pro Kunde erhöhte sich, ebenso die durchschnittliche Warenkorbgröße, sie liegt nun bei 57,7 €. Der Umsatz kletterte um 23,1 % auf 8,0 Mrd. €. Zudem nutzen immer mehr andere Händler Zalandos Plattform, um ihre Waren zu verkaufen: Das Bruttowarenvolumen (Gross Merchandise Volume, GMV; diese Kennzahl enthält auch die Plattform-Umsätze die mit Partner-Händlern erzielt werden) ist deshalb um 30,4 % auf 10,7 Mrd. € gewachsen. Erst im Februar wurde diese Möglichkeit auch dem österreichischen Handel eröffnet.

Mittelfristiges Umsatzziel: 30 Mdr. €

Aufgrund dieser guten Entwicklung setzt sich Zalando nun auch mittelfristig höhere Ziele: Schon bis 2025 soll sich das GMV auf mehr als 30 Mrd. € annähernd verdreifachen. Darüber hinaus will Zalando langfristig einen Anteil von über 10 % am europäischen Modemarkt erreichen, der ein Volumen von 450 Mrd. € hat. Zum Vergleich: Der derzeit größte Modehändler Europas, Inditex, setzte im Corona-Jahr 20,4 Mrd. € um (- 28 % gegenüber 2019) – allerdings nicht nur in Europa, sondern weltweit. Zalando ist bisher hingegen nur in Europa tätig.
Um die Wachstumsziele zu erreichen, wird natürlich auch geografisch weiter expandiert. So werden heuer die Märkte Slowakei, Slowenien, Kroatien und das Baltikum neu erschlossen, nächstes Jahr folgen Ungarn und Rumänien.

Prognose für 2021

Im laufenden ersten Quartal, das der stationäre Modehandel am deutschen Heimmarkt nahezu vollständig im Lockdown verbrachte, rechnet Zalando mit einem Wachstum des Bruttowarenvolumens von rund 50 %. Fast bescheiden erscheint vor diesem Hintergrund die Prognose für das laufende Jahr: Hier rechnet der Onlinehändler mit einem Umsatzplus von 24 bis 29 % auf etwa 10 Mrd. €. Noch stärker wachsen soll das Bruttowarenvolumen (GMV), nämlich um 27 bis 32 % auf etwa 14 Mrd. €. Das Ebit werde – unter anderem wegen hoher Investitionen in Logistik und Technik in Höhe von 350 bis 425 Mio. € – mit 350 bis 425 Mio. € aber allenfalls an das Vorjahresniveau anknüpfen.

»Connected Retail«

Mit diesen Investitionen soll insbesondere das Plattformgeschäft weiter ausgebaut werden. Neben dem eigenen Handel bietet der Konzern auch anderen Händlern und Markenherstellern verstärkt Platz für ihr Geschäft – was für diese in Zeiten von Corona ebenfalls immer wichtiger wird. Dabei erweitert Zalando auch sein Angebot stetig: Neben Mode und Schuhen bietet das Unternehmen inzwischen auch Kosmetik an. Dazu schneidert Zalando seinen Shop verstärkt auf individuelle Bedürfnisse der Kunden zu.
Für viele Modemarken, Händler und stationäre Geschäfte sei Zalando inzwischen ein wichtiger Bestandteil in deren Digitalstrategie, so Zalando. »Das Wachstum von Connected Retail zeigt, welchen Wert die Kombination aus Offline und Online für Händler haben kann«, kommentierte Zalando Co-Chef David Schneider. 2020 sei für die ganze Branche eine Herausforderung gewesen.
Im vierten Quartal etwa machte das Partnerprogramm den Angaben zufolge bereits 24 % des über Zalando verkauften Bruttowarenvolumens aus. Bis Ende Februar 2021 waren bereits mehr als 3.400 stationäre Geschäfte an die Zalando-Plattform angebunden.

Vorstand neu aufgestellt

Zuletzt hatte der bisherige Co-CEO angekündigt, Zalando nach der kommenden Hauptversammlung verlassen zu wollen. Deshalb wird nun per 1. April auch der Vorstand neu aufgestellt: Die Zalando-Gründer Robert Gentz und David Schneider werden das Unternehmen auch weiterhin als Co-CEOs führen. Robert Gentz wird verantwortlich sein für die langfristige Strategie des Unternehmens, David Schneider verantwortet weiterhin die Partnerstrategie des Unternehmens. Neu wird Astrid Arndt als Chief People Officer in den Vorstand berufen – die erste Frau in dieser Rolle. Astrid Arndt führt bereits seit 2019 die Abteilung People & Organisation. Chief Technology Officer Jim Freeman wird in künftig das neu geschaffenen Ressort des Chief Business and Product Officer besetzen. David Schröder bleibt Chief Financial Officer.
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