Interview: Brax: »Die Krise schärft den Blick...
Interview

Brax: »Die Krise schärft den Blick für Realitäten«

Brax

Brax-Unternehmenssprecher Marc Freyberg im Interview mit Textilzeitung-Herausgeberin Dagmar Lang.

Das erfolgreiche Unternehmen Leineweber schockt mit der Meldung, bis zu 140 Stellen aufgrund der Covid-19-Pandemie abbauen zu müssen. Wie dramatisch ist Brax von der Krise betroffen?
Die Modebranche ist hart getroffen, das gilt für alle, auch für uns. Wir rechnen am Ende des Jahres mit einem Umsatzminus von 22 Prozent, also auf etwa 250 Mio. €. Die Planungen für die Jahre ab 2021 zeigen, dass sich die Modebranche, aber auch wir uns, nicht so schnell von der Krise erholen werden. Unser Ziel ist es, das Unternehmen noch kundenorientierter, klarer in den Prozessen, digitaler, flexibler und effizienter aufstellen. Wir müssen die Kosten an das neue Umsatzniveau anpassen, um unsere Handlungs- und Zukunftsfähigkeit zu bewahren. Von der Strukturveränderung werden alle Hierarchieebenen betroffen sein.

Sie haben nun auch schon wieder ein paar Wochen offen? Wie hat sich die Situation nach der Wiedereröffnung des Einzelhandels entwickelt?
Der gesamte Einzelhandel verzeichnet eine viel zu geringe Grundfrequenz. Diejenigen, die Shoppen gehen, kaufen auch – nur leider sind es noch zu wenige. Wobei interessanterweise in Deutschland kleinere Städte viel besser funktionieren als große Einheiten. Doch die Maske ist der größte Umsatz-Verhinderer, größer als die Angst vor dem Virus. Ich glaube daher, dass sich die Lage erst normalisieren wird, wenn es einen Impfstoff gibt.

Man sagt, dass diejenigen, die sich um ihre Stammkunden bemühen, bessere Umsätze zu verzeichnen haben?
Das kann ich nur unterschreiben. Im eigenen Retail hat Brax 70 Prozent Stammkunden. Viele von ihnen konnten wir mit gezielter Ansprache motivieren, in den Laden zu kommen. Trotz aller Maßnahmen und kleiner Erfolge wie einem recht guten Juni – aufholen lässt sich der Verlust aufgrund des Lockdowns nicht mehr.

Wie gestalten sich jetzt die nächsten Saisonen?
Also wir gehen davon aus, dass sich F/S 2020 verlängern wird. Wir werden die Herbst/Winter-Kollektion, aus der wir je nach Kunden 10 bis 15 Prozent herausstorniert haben, in der DOB um zwei Wochen später und die HAKA um vier Wochen später ausliefern. Mit dem Verkauf der F/S 2021 beginnen wir drei Wochen später als sonst.

Wie wird die Kollektion F/S 2021 aussehen?
Die Kollektion wird Bestandteile aus der jetzigen Kollektion enthalten, die wir ja nie ausgeliefert haben. Brax hilft es in dieser Situation, dass wir einen hohen Anteil an Standardartikel haben. Wir gestalten einen schönen Mix aus Neu und Bekannt. Die Grundtermine werden wir aber nicht verändern. Und die Kollektion ist sicher fokussierter als in der Vergangenheit. Die Krise schärft da schon den Blick für Realitäten.

Sie haben angekündigt, 140 Stellen abzubauen, auch Sachkosten sollen gesenkt werden. Wird Brax jetzt gänzlich auf Werbung verzichten?
Ganz sicher nicht! Wir setzen die Kampagne mit Anna und Bastian Schweinsteiger im November fort, wir haben einen Schwerpunkt auf Handelsmarketing mit Direktmarketing am POS und wir verstärken unseren Shop-in-Shop-Aktivitäten. Die Managementkunst in der Krise ist es, sparsam mit den Ressourcen umzugehen, und dennoch handlungsfähig und am Markt präsent zu bleiben.

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