Interview: »Der Status quo ist nicht genug«
MAC
Eveline Schönleber, Geschäftsführende Gesellschafterin bei Mac
Eveline Schönleber, Geschäftsführende Gesellschafterin bei Mac

Eveline Schönleber, Geschäftsführerin Mac, definiert ihre Ziele im Streben nach Nachhaltigkeit.

Jeans eilt auch heute noch häufig ihr Ruf als »Umweltsünder« voraus – nicht immer zu Recht. Wie kann diese negative Assoziation mit Denim erfolgreich beseitigt werden?
Wichtig sind vor allem Offenheit und Transparenz. Greenwashing wird sofort erkannt und von den Endkundinnen sanktioniert. Durch Weiterentwicklungen bei den Stoffen, chemikaliensparende Färbeverfahren und moderne Wasch- und Finishtechniken ist es der Denim-Industrie gelungen, deutliche Verbesserungen zu erzielen. In der Branche ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr viel passiert. Doch darf man sich hier nicht mit dem Status-Quo zufriedengeben.

Als Unternehmen bezieht Mac 100% der verwendeten Baumwolle aus nachhaltigen Quellen, 2019 wurde die erste Produktgruppe Gots-zertifiziert. Was waren die größten Herausforderungen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit?
Die größte Herausforderung ist es – das merken wir immer wieder – noch mehr Transparenz zu schaffen, Daten zu sammeln und verbindliche Ziele zu definieren. Eine zweite Herausforderung ist es, die Messbarkeit sicherzustellen, damit wir uns selbst kontrollieren können und unsere Nachhaltigkeitsziele einhalten können. Recycelte Materialen spielen bereits heute eine große Bedeutung und werden in Zukunft eine noch größere Rolle spielen. An Wichtigkeit gewinnen auch Stoffentwicklungen aus nachwachsenden Rohstoffen, wie beispielsweise Hanf. Denn diese sind weniger wasserintensiv als herkömmliche Baumwolle. Daneben gibt es weitere spannende Entwicklungen, um auch andere synthetische Fasern durch nachhaltige Alternativen zu ersetzen, die wir nach und nach immer mehr in die einzelnen Produkte bringen.
Bei den Waschungen wurde in der Vergangenheit viel Wasser und Energie verbraucht, um der Hose besondere Effekte und Looks zu verpassen. Heute können wir zum einen eine Menge Wasser im Herstellungsprozess sparen und zum anderen auf Chemikalien verzichten, indem wir das Finish mit Lasertechnik vornehmen. Bei den Färbeverfahren gibt es natürliche Alternativen, wie unseren Terra Denim, der mit Lehm gefärbt wird. Und auch im Zutatenbereich gibt es spannende Entwicklungen, z.B. Etiketten aus Kokos- oder Graspapier oder auch Kork. Alternativen, die dazu beitragen, dass weniger Bäume für die Papierproduktion abgeholzt werden.

Zeichnet sich bei Ihren Kundinnen zunehmend ein Wunsch nach nachhaltigen Produkten ab?
Ja, die Nachfrage nach nachhaltig und fair produzierter Mode steigt zunehmend. Gerade das ist ein Ansporn für uns, immer noch mehr Nachhaltigkeit in unsere Artikel zu bringen und wir können mit stolz sagen, dass inzwischen 91% alle unserer Produkte mindestens zwei Nachhaltigkeitsaspekte enthalten. Doch ein nachhaltiges Produkt darf nicht automatisch mehr kosten. Der modische Aspekt spielt nach wie vor noch eine wichtigere Rolle. Wenn die Hose dann auch noch nachhaltig und fair produziert ist, dann umso besser.

Welchen Rat haben Sie für andere Branchenplayer?
Man darf sich nicht mit dem Status Quo zufriedengeben. Man muss immer offen für Neues bleiben und über den eigenen Tellerrand hinaussehen. Dazu ist ein ständiger Austausch mit anderen und das Lernen von anderen besonders wichtig. Nach oben hin darf es keine Grenzen geben, wenn es um das Thema Umwelt geht.

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