Inflationsrate bei 7,2 % : Alles wird teurer ...
Inflationsrate bei 7,2 %

Alles wird teurer – nur Mode nicht

Die Inflationsrate ist im April auf den höchsten Stand seit mehr als 40 Jahren gestiegen. Bei Bekleidung und Schuhen bleibt die Preissteigerung hingegen weiterhin deutlich unter 2 %.

Die Krisenherde in der Ukraine und die pandemiebedingten Kapazitätseinschränkungen in China (insbesondere Shanghai) wirken immer stärker auf die Preisentwicklung in ganz Europa. Im April haben die Verbraucherpreise in Österreich im Vergleich zum Vorjahr mit + 7,2 % erneut deutlich zugelegt. »Eine so hohe Teuerungsrate haben wir in Österreich zuletzt im Oktober 1981 gesehen. Damals waren die Ölpreise infolge des ersten Golfkriegs stark gestiegen. Aktuell sind neben Treibstoffen und Energieprodukten auch anziehende Nahrungsmittelpreise für den Inflationsanstieg bestimmend«, fasst der Generaldirektor der Statistik Austria, Tobias Thomas, die Entwicklung zusammen.

Nahrungsmittel: + 8,4 %, Bekleidung: + 1,4 %

Ausgaben für Verkehr und Wohnen waren für drei Fünftel der Inflation verantwortlich. Aber auch Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich bereits um durchschnittlich 8,4 %. In Restaurants und Hotels war durchschnittlich um 6,4 % mehr zu bezahlen. Unter den 12 Hauptgruppen, die im Verbraucherpreisindex erfasst werden, gibt es nur vier, in denen der Preisanstieg unter dem Inflationsziel der EZB von 2 % liegt. Am geringsten fielen die Preissteigerungen im Bereich der Nachrichtenübermittlung aus (+ 0,6 %), gefolgt vom Bereich Bekleidung und Schuhe (+ 1,4 %).

Ähnliches Bild im Großhandel

Im Großhandel ergibt sich ein ähnliches, ja sogar noch deutlich stärker ausgeprägtes Ungleichgewicht: Insgesamt stieg der Großhandelspreisindex der Statistik Austria im April mit + 26,0 % so stark wie nie zuvor seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1973. Die Preise von Brennstoffen etwa haben sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt (+ 109,5 %), Materialien wie Eisen und Stahl (+ 85,8 %) oder Düngemittel (+ 82,6 %) verteuerten sich in ähnlichem Ausmaß. Die Großhandelspreise für Bekleidung blieben hingegen mit einem Plus von nur 0,6 % praktisch stabil, während Schuhe im Großhandel um 4,6 % teurer wurden.

Kunden ändern ihr Kaufverhalten

Bei den Kunden sind die Preissteigerungen längst angekommen. In einer neuen Umfrage geben 69 % der Österreicher an, Preiserhöhungen bereits bei vielen Einzelhandelswaren wahrzunehmen – weitere 26 % bei einigen Produkten. Selbst bei Bekleidung nehmen bereits 21 % der Konsumentinnen und Konsumenten zumindest einzelne Preiserhöhungen wahr. Reagiert wird mit dem Ausweichen auf billigere Artikel (59 %), Einschränkungen beim Konsum (30 %) oder einer Verlagerung der Einkäufe in Richtung des (vermeintlich billigeren) Online-Handels (20 %) sowie Second-Hand (20 %).

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