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Hot 1 / Fashion Premiere

Modische Aufholjagd - gut kalkuliert

Schneiders

Positiv bilanzieren Hersteller und Modeagenturen nach dem Orderstart in Salzburg. In der Mode kommen Farbthemen und mehr Tailoring gut an. Sogar in der Trachtenbranche wird wieder auf Vorkrisen-Niveau geordert.

»So eine Situation hatten wir in unserer Branche noch nie«, sagt Agenturchef Martin Hartner in seinem neuen, traumschönen Showroom mit Salzach-Blick. Mit den Labels Schneiders, van Laack und Eduard Dressler ist Hartner vor kurzem in einem historische Villa am Salzburger Giselakai gezogen, Aufbruchstimmung, die auch seine Kunden mitbringen: »Jeder Händler und jeder Einkäufer, der bereits bei uns war, schreibt mehr als in 2019. Nach vier Saisonen mit verhaltener Ordertätigkeit und gleichzeitig einer guten letzten Verkaufssaison zieht das Geschäft spürbar an.«

3er-Kalkulation gefragt

Es sei in den letzten Monaten zu wenig Ware auf den Flächen gewesen, die Corona-Zurückhaltung vor allem in den letzten 12 Monaten habe im Handel zu einer Situation geführt, die selbst alte Modehasen so nicht kannten: Händler gehen wieder mit Mut und Bereitschaft zum Risiko an die Order, ganz so, als blende man die aktuellen Krisensituationen in und um Österreich kurzfristig aus. Der Altlasten von übergroßen Lägern hat man sich entledigt. Der gesunkene Warendruck infolge reduzierter Bestände führte auch zu gesunkenen Abschriften. Jetzt startet die modische Aufholjagd. »Wir haben in den letzten Saisonen keinen einzigen Kunden verloren, im Gegenteil«, freut sich auch Agenturchef Christian Klaus. Die aktuelle Ordertätigkeit erweise sich als krisenresistent, allerdings: »Die Kunden agieren preissensibel und setzen vermehrt auf Kollektionen, die eine 3er Kalkulation bieten.«

»Viele Händler sind auf der Suche nach mittelpreisigen Kollektionen mit Eckpreislagen unter 100 Euro und hohen Kalkulationen«, sagt auch Agenturchef Bruno Morawitz, der in dieser Saison mit der DOB-Kollektion Malia an den Start geht. Morawitz weiter: »Die Kunden spüren Preissteigerungen in allen Bereichen und haben dadurch weniger Geld für Konsum zur Verfügung. Wenn sich das private Budget für Mode schmälert, werden einige Kunden auf günstigere Alternativen zurückgreifen, dafür muss der Handel jetzt sorgen.« Auch Agenturchef Christoph Wanderer (bringt neu den französischen DOB-Hersteller Léo & Ugo nach Österreich) bestätigt den Trend zu »gut« kalkulierten, mittelpreisigen Kollektionen. »Wir bemerken, dass auch Premium-Händler am unteren Ende ihres Preissegments anbauen wollen, um preissensible Kunden zu bedienen. Niemand kann vor der Teuerungswelle die Augen verschließen.«

Die Augen vor den Problemen des Marktes verschließen konnte zuletzt vor allem die Trachtenbranche nicht. Fehlende Volksfeste führten zu extremen Rückgängen der Umsätze, Einbrüche von minus 50 % waren keine Seltenheit. Nun will sich auch der Trachtenhandel wieder auf »normale« Saisonen vorbereiten. »Wir spüren natürlich, dass der Handel viel Nachholdbedarf hat. Die klassischen Themen wie Dirndl und Leder ziehen ja schon seit Monaten wieder an, wir rechnen mit einer sehr guten Orderrunde nicht nur für uns, sondern für alle Trachtenerzeuger", freut sich Wenger-Chefin Julia Buchfink. Den Aufwärtstrend bestätigt auch Spieth & Wensky-Geschäftsführer Michael Alten: »Wir sind bisher sehr zufrieden mit der ersten Oderrunde. Die Kollektion kommt sehr gut an. Leder, auch im Damenbereich, findet sehr guten Anklang. Wir sind und bleiben sehr zuversichtlich und freuen uns auf eine erfolgreiche Saison 2023.«


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