Höchste Inflation seit 47 Jahren: Modepreise ...
Höchste Inflation seit 47 Jahren

Modepreise bleiben weiter stabil

Die Bevölkerung ächzt unter der höchsten Preissteigerung seit der Ölkrise 1975. Einzig der Bereich Bekleidung bleibt weiterhin vom allgemeinen Preisauftrieb ausgenommen. Auch die Einkaufspreise blieben bisher stabil. Doch die Aussichten trüben sich ein.

Die Inflationsrate für Juni 2022 lag laut Statistik Austria bei 8,7 %. Allein gegenüber dem Vormonat Mai stieg das durchschnittliche Preisniveau abermals um 1,4 %. »Eine so hohe Teuerungsrate haben wir in Österreich zuletzt im September 1975 gesehen«, kommentiert der Generaldirektor des Statistik-Instituts, Tobias Thomas. Stärkster Preistreiber waren abermals die Treibstoffpreise (+ 63,2 %) sowie jene für Haushaltsenergie (+ 27,3 %). Aber auch Nahrungsmittel verteuerten sich bereits um durchschnittlich 11,5 %. Der Miniwarenkorb, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, wurde so im Jahresvergleich um 18,8 % teurer.


Ausgenommen von der allgemeinen Entwicklung bleibt weiterhin der Bereich Bekleidung und Schuhe, der im Jahresvergleich nur um 0,8 % teurer wurde. Gegenüber dem Vormonat Mai sanken die Bekleidungspreise sogar – bedingt durch die beginnende Sale-Phase – um 1,9 %. Damit waren Bekleidungsartikel laut Statistik Austria sogar der »Hauptpreisdämpfer«. Unter den 12 Hauptgruppen im Verbraucherpreisindex wies lediglich der Bereich Nachrichtenübermittlung mit - 0,5 % im Jahresabstand eine noch schwächere Preisentwicklung auf.

Auch Großhandelspreise weiter stabil

Ganz ähnlich ist die Lage auf der Einkaufsseite: Wurde bei den Großhandelspreisen im Juni eine regelrechte Preisexplosion um + 26,5 % festgestellt, zählte auch hier Bekleidung mit einem Plus von lediglich 0,7 % im Jahresabstand zu den Schlusslichtern.

Nichtsdestotrotz sind zahlreiche der im Großhandelspreisindex festgestellten Preiserhöhungen auch für den Modehandel äußerst relevant – so etwa jene bei Energie, Treibstoff, Papier, Verpackung und Logistik. »Für den Handel ist diese Entwicklung eine Herkulesaufgabe: Er befindet sich in einer Schere zwischen historischen Einkaufspreissteigerungen in der Beschaffung, denen er ausgesetzt ist, und auf der anderen Seite einem zunehmenden Kaufkraft-Verfall in der Bevölkerung«, warnt Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will. Laut jüngster WIFO-Berechnung bedeutet die hohe Inflation einen Rückgang der Reallöhne pro Kopf um fast 4 % für das Kalenderjahr 2022.

»Das von WIFO-Chef Gabriel Felbermayr vorgeschlagene Modell zur Kostenlimitierung bei Energiekosten-Rechnungen wird vom Handelsverband unterstützt, da es sowohl bei der Ursache ansetzt als auch bei den Betroffenen. Bereits jetzt müssen sich 15 % der Bevölkerung auf lebensnotwendige Güter beschränken. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung blickt pessimistisch in die Zukunft, weshalb es nach dem Anti-Teuerungspaket ein weiteres Signal und effektives Mittel braucht, dass gezielt gegengesteuert wird, um die Lebensqualität der Menschen zu stabilisieren«, so Will weiter.

Trübe Aussichten

Indes gibt eine aktuelle Mittelfristprognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) wenig Hoffnung auf eine schnelle Entspannung der Lage. Die Jahresinflation springt heuer aus Sicht der Fachleute auf einen Rekordwert von knapp 8 %, um nächstes Jahr auf immer noch hohe 5,3 % abzusinken. Eine noch wesentlich höhere Inflation könnte es laut WIFO-Chef Felbermayr dann geben, wenn im Winter nicht genug Gas zur Verfügung steht.

Die Pandemie und der Krieg in der Ukraine werden die Konjunktur laut WIFO noch über Jahre belasten. Heuer wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 4,3 %, in den vier Jahren danach aber nur noch um die 1,5 %. Bereits für 2023 wird ein Zuwachs von nur 1,6 % prognostiziert.

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