Handel verliert täglich 140 Mio. Umsatz

Handel verliert täglich 140 Mio. Umsatz

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Download von www.picturedesk.com am 30.03.2020 (12:19). Der Wiener Graben, fast menschenleer, 1. Bezirk, 1010, Innere Stadt, Wien, Österreich Der Coronavirus in Österreich. Ab 16.03.2020 gibt es eine Ausgangsbeschränkung in ganz Österreich. Wiens Straßen und Plätze werden menschenleer, die Geschäfte bleiben geschlossen . - 20200325_PD12648
Download von www.picturedesk.com am 30.03.2020 (12:19). Der Wiener Graben, fast menschenleer, 1. Bezirk, 1010, Innere Stadt, Wien, Österreich Der Coronavirus in Österreich. Ab 16.03.2020 gibt es eine Ausgangsbeschränkung in ganz Österreich. Wiens Straßen und Plätze werden menschenleer, die Geschäfte bleiben geschlossen . - 20200325_PD12648

Laut RegioPlan sind derzeit drei Viertel aller Verkaufsflächen geschlossen. Dem stationären Einzelhandel geht dadurch 140 Mio. € pro Tag an Umsatz verloren. Im Bekleidungshandel sind es 15 Mio. €.

Von den aktuell 14,2 Mio. m² Verkaufsfläche in Österreich liegen derzeit etwa 10,3 Mio. m² still, weil sie nicht betreten werden dürfen. Das sind rund 73 % der gesamten Verkaufsfläche in Österreich, berichtet RegioPlan. Daraus berechnet der Standortforscher einen Umsatzrückgang von 139,5 Mio. € brutto täglich. Davon stammen 130 Mio. € aus den Konsumausgaben der privaten Haushalte, weitere 9,5 Mio. € aus dem Tourismus. Für den stationären Bekleidungshandel errechnet RegioPlan für den April einen Umsatzverlust von 15,2 Mio. € pro Werktag.

Für die Gastronomie beziffert RegioPlan den Umsatzentgang mit 25 Mio. € pro Tag für die Wohnbevölkerung und weiteren 38 Mio. € täglich durch Touristinnen und Touristen, in Summe also 63 Mio. €.

Nachholkäufe möglich

Während in der Gastronomie ein verlorener Umsatz per se überhaupt nicht nachgeholt werden kann, rechnet RegioPlan-Chef Wolfgang Richter damit, dass im stationären Einzelhandel ein Teil der derzeitigen Verluste nicht für immer verloren ist. »Es kann auf Grund von Analogien aus anderen Fällen angenommen werden, dass etwa ein Drittel der Ausgaben der Wohnbevölkerung, also etwa 40 Mio. €/Tag, bloß aufgeschoben und nach der Normalisierung wieder nachgeholt wird«, glaubt Richter. »In einigen Branchen, etwa Gartencenter, Baumärkte, Bekleidungshandel, Schuhhandel, hängt der tatsächliche Umsatzentgang aber noch mehr als in den anderen Branchen von der Dauer der Schließung ab.« So könne Frühjahrsmode im Sommer nur mehr zu sehr reduzierten Preisen verkauft werden.

In besonderem Maße betroffen seien außerdem alle besonders stark vom Tourismus abhängigen Handelsbetriebe, da – soviel ist klar – die heurige Sommersaison schwach ausfallen werde. Diese Umsätze, die in einigen Regionen und Städten deutlich höher sind als die der Einwohner, fehlen den Unternehmen in der Umsatzbilanz komplett und werden nicht nachgeholt. »Eine Abschätzung des längerfristigen Umsatzentgangs kann aber derzeit nicht seriös erfolgen, denn sie ist maßgeblich vom Fortgang der Pandemie und der Reisebeschränkungen abhängig«, heißt es von RegioPlan.

Keine Verschiebung der Bekleidungs-Umsätze in Richtung Internet

»Eine massive Verschiebung der Bekleidungseinkäufe in Richtung Internet ist derzeit nicht zu beobachten – eher im Gegenteil«, sagt Wolfgang Richter gegenüber der Textilzeitung. »Aktuell kaufen die Menschen die Dinge, die sie brauchen wie Klopapier, Desinfektionsmittel und Spaghetti. In der Regel braucht man gerade neue Bekleidung nicht, sondern man will sie, auch um sie herzeigen zu können – was im Moment nur schwer möglich ist. Und je normaler und gewohnter die aktuelle Situation empfunden wird, desto eher werden die (Bekleidungs-)Wünsche wieder in den Vordergrund rücken. Und das spielt, solange die Geschäfte zu sind, den Onlineeinkäufen in die Hände.«

Profiteure: Online-Handel und LEH

In anderen Branchen sei hingegen eine Verschiebung der stationären Umsätze in Richtung Internet sehr wohl zu beobachten. »Derzeit liegen die Bestellungen nach Auskunft einiger (weniger) Marktteilnehmer in Summe um etwa 25 bis 30 % höher als normal. Dieser Effekt wird sich nach Beendigung der Maßnahmen der Bundesregierung wieder legen, aber trotzdem dem Onlineeinkauf langfristig einen Boost geben, denn derzeit üben den Onlineeinkauf Zielgruppen aus, die es vorher nicht getan haben.«

Auch der Lebensmittel- und Drogeriehandel kann sich aktuell über Umsatzzuwächse freuen. »Allerdings ist dieser Mehrumsatz nur temporär und teilweise auch teuer erkauft«, glaubt RegioPlan-Chef Richter und verweist auf höhere Personal- und Logistikkosten, Schutzmaßnahmen, teurere Warenbeschaffung etc. Weiters rechnet Richter auch in diesem Bereich mit einer zunehmenden Verlagerung in Richtung Onlinehandel. »Konsumentinnen und Konsumenten lernen derzeit, dass die Hauszustellung von Lebensmittel und Klopapier auch seine Vorteile hat, insbesondere wenn eine – völlig berechtigte und sinnvolle – allgemeine Kontaktphobie herrscht.«

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